5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Durch Mahoosuc Notch – Full Goose Shelter nach Grafton Notch (mi 1918,7)

Hinterlasse einen Kommentar

Als heute morgen um sechs der Wecker klingelte war rund um unser Zelt schon richtig was los, alle wollten heute so früh wie möglich los, um es vor dem angekündigten Regen durch Mahoosuc Notch und über Mahoosuc Arm zu schaffen. Wir beeilten uns auch und bis es an der Zeit war, Wasser zu holen lagen wir auch ganz gut in der Zeit. Das Problem war dann der Filter. Irgendwas muss zwischen vorgestern Abend und gestern morgen mit ihm passiert sein, er lässt sich mit Wasser drinnen fast nicht mehr bewegen.

Obwohl ich mich darüber ärgerte, dass der Filter so schlecht funktionierte hatte es auch etwas Gutes: alle anderen Thru-Hiker waren schon weg aber wir hörten Stimmen den Trail entlang kommen. Es waren Yooper und Big Red! Die beiden hatten sich kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen Platz zum Übernachten gesucht und nur etwa anderthalb Meilen von uns entfernt die Nacht verbracht. Nun konnten wir doch gemeinsam durch Mahoosuc Notch gehen!

Hochmotiviert trotteten wir also los. Die erste Meile brachten wir endlich mal wieder in vernünftiger Geschwindigkeit, nämlich mit einem Schnitt von zwei Meilen pro Stunde, hinter uns. Wir waren begeistert und erwarteten Großes von uns. Dann ging es ab in die Notch. Diese ist ein Einschnitt zwischen zwei Bergen, in dem dank der Gletscher überall riesige Felsbrocken herumliegen. Die Trailführung ist hier sehr verspielt und lockt einen im dunkle Löcher hinein, die so eng sind, dass man mit Rucksack auf dem Rücken nicht immer durchkommt. Außerdem haucht einem aus manchen der Löcher zwischen den Felsen ein eiskalter Wind entgegen. An manchen Stellen liegt sogar noch Schnee. Der Temperaturwechsel dort war beeindruckend. Nachdem ich mir meinen Fleece angezogen hatte, kamen wir natürlich wieder in wärmere Gefilde, so dass ich ihn dann wieder auszog, um ihn mir gleich danach zurück zu wünschen. Wir hatten viel Spaß daran, verschiedene Wege zu erkunden und festzustellen, welcher nun der beste war. Von besonders gewagt aussehenden Manövern versuchten wir natürlich, so viele Fotos wie möglich zu schießen.

Nach 1,5 Stunden kam uns eine Jugendgruppe entgegen, die auch bereits seit 1,5 Stunden in der Notch herumkletterte. Auch wenn wir nicht die schnellsten unter den Thru-Hikern sind, dachten wir, wir hätten jetzt bestimmt mehr als die Hälfte, da diese Jugendlichen sicher langsamer unterwegs waren als wir geübten Wanderer. Naja, nicht ganz. Wir waren ziemlich genau an der Hälfte, von dort brauchten wir nochmal genauso lange. Das war jetzt doch deutlich länger als wir erwartet hatten. Wir hatten geschätzt, dass wir so zwischen zwei und zweieinhalb Stundrn brauchen würden, nicht drei! Andererseits waren wir auch sehr verspielt gewesen und hatten immer aufeinander gewartet. Ich denke, hätten wir uns nur aufs Durchkommen fixiert, wären wir im erwarteten Bereich geblieben.

Nach der Notch wartete Mahoosuc Arm auf uns. Dieser Aufstieg ist berüchtigt, weil er vor allem aus steilen Felsflächen besteht, die bei Regen echt schlüpfrig werden. Wir gönnten uns also erstmal eine ordentliche Pause und aßen gleich unser Mittagessen. Unser Plan war, so schnell wie möglich zum Speck Pond Shelter zu kommen und dann von dort einen Shuttle zum Hostel in Andover anzurufen, falls wir es von dort noch in vernünftiger Zeit – also vor Einbruch der Dunkelheit – zur Straße schaffen konnten. Die Aussicht auf ein Bett in der Stadt und mehrere Tage slackpacken motivierte mich und ich gab richtig Gas. Innerhalb von einer Stunde und zehn Minuten waren wir oben auf dem Gipfel.

Dort warteten wir auf Yooper und Big Red, um das Hostel anzurufen, da wir für den Anstieg deutlich weniger lang als erwartet gebraucht hatten. Als die beiden nach einer halben Stunde immer noch nicht da waren, fingen wir an, und Sorgen zu machen. Frank ging ein Stück des Weges zurück und rief nach ihnen. Keine Spur von den beiden. Nach einer weiteren Viertelstunde beschlossen wir, weiterzugehen. Falls einem der beiden etwas passiert wäre, wäre der andere schon hochgekommen. Wir nahmen an, dass sie möglicherweise bei der zweiten Campsite entschieden hatten, dass sie für heute genug Meilen gemacht hätten. Außerdem mussten wir eh noch Wasser holen, dann konnten sie uns dort einholen.

Im Aufstieg hatten wir Robin Hood überholt. Er hatte die beiden auch nicht gesehen, es war aber möglich, dass sie hinter ihm geblieben waren. Wir hatten ihm oben auf dem Gipfel von unserem Plan, nach Grafton Notch zu gehen und uns von dort shuttlen zu lassen, erzählt. Unten am Wasser fing er dann plötzlich an, zu prüfen ob er Netz hatte. Wir hätten ihn da auf eine gute Idee gebracht, er wolle heute in die Stadt und morgen slackpacken. Natürlich bot er uns an, auch gleich für uns zu fragen, ob wir mit abgeholt werden könnten. Wir nahmen das Angebot gerne an und fünf Minuten später war ausgemacht, dass wir in drei Stunden unten am Parkplatz sein müssten.

Wir wollten am Shelter eine Nachricht für Yooper und Big Red hinterlassen, damit sie wüssten, wo wir seien. Das war jedoch gar nicht nötig, da sie es doch noch zum Shelter schafften bevor wir die Nachricht geschrieben hatten. Sie sahen beide so erschöpft aus, dass uns klar war, dass sie heute nicht mehr weitergehen wollten. Und vor allem nicht in drei Stunden runter zum Parkplatz rennen wollten. Das war sowieso ein ziemlich knapper Zeitrahmen auch wenn die vom Hostel überzeugt waren, dass wir das schneller schaffen würden.

Der Anstieg hoch auf Old Speck ließ mich so ein bisschen bange werden, was uns für ein Abstieg drohen würde. Wir mussten nämlich ziemlich klettern und abwärts sind wir (vor allem ich) da immer viel langsamer als aufwärts. Zum Glück verdiente der Trail hinunter ausnahmsweise mal tatsächlich die Bezeichnung Weg und wir kamen gut voran. Es gab noch eine kleine Schrecksekunde als das Schild, das den Eyebrow-Trail anzeigte kurz vor dem Parkplatz anstatt wie im Guide angegeben zwei Meilen vorher auftauchte – falls der Guide recht gehabt hätte, hätten wir das niemals mehr ansatzweise pünktlich zum Treffpunkt geschafft. Dann waren wir auch schon zwei Minuten später am Parkplatz. Insgesamt hatten wir nur zweieinhalb Stunden gebraucht. Zum Glück war unser Shuttle schon da und das beste war, dass wir mit eiskalter Lemonade empfangen wurden. Kaum saßen wir im Auto, öffnete der Himmel seine Schleusen und es fing an zu regnen. Gut, dass wir heute im Hostel schlafen dürfen! Und noch besser, dass wir die nächsten drei Tage unsere geplanten Meilen statt mit vollem Gepäck mit Slackpack machen werden!

Das Hostel gefällt mir gut, auch wenn es etwas in die Jahre gekommen ist. Die Besitzerin und David, der Manager, sind beide echt nette Leute und hier sind lauter liebe Hiker. Unter anderem auch die beiden Jungs, die wir schon in den Whites getroffen hatten, Doc und Boon. Die beiden waren mit einem etwas verrückten Slack hierher gekommen – 31 Meilen von Gorham nach Grafton Notch. Sie hatten nicht von Mahoosuc Notch und Arm gehört und dachten, nach den Whites sei alles nur noch einfach. Die beiden waren gegen zwei Uhr morgens u Ten an der Straße, hatten natürlich kein Handynetz und mussten ohne Ausrüstung dort übernachten. Am nächsten Morgen sind sie zehn Meilen weiter zur nächsten Straße um dann von dort zum Hostel und zu ihren Sachen zu kommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s