5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Full Goose Shelter nach Grafton Notch – 15,52km

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Wir waren, wie nicht anders zu erwarten, die letzten, die heute das Shelter verlassen haben. Als wir gerade fertig waren und unsere Rucksäcke schultern wollten, hörte ich zwei uns sehr bekannte Stimmen im Wald: Yooper und Big Red kamen den Trail entlang! Die beiden hatten letzte Nacht einfach den ersten flachen Platz genutzt, um ihr Zelt aufzustellen und sind heute extrem zeitig los, um uns einzuholen. So konnten wir die Mahoosuc Notch und den darauf folgenden Aufstieg auf Mahoosuc Arm zusammen in Angriff nehmen.

Die Notch gilt nicht umsonst als schwierigste Meile des Trails! Nach einem steilen Abstieg standen wir mitten in einem riesigen Boulderfeld. Es ist ein schmaler Einschnitt zwischen zwei hohen Bergen der gefüllt ist mit riesigen Felsbrocken. So als ob da jemand eine überdimensionale Ladung Kies abgeladen hätte, wobei jedes Steinchen die Größe eines LKWs hat. Irgendwie mussten wir einen Weg durch dieses Gewirr finden. Mal ging es oben drüber, mal durch enge Spalten und dreimal mussten wir unsere Rucksäcke absetzen und sie durchreichen, bevor wir hinterher kriechen konnten.

Dazu kamen noch gewaltige Temperaturunterschiede. Uns wehte immer mal wieder ein eisiger Luftstrom an und im nächsten Augenblick, zwei Meter weiter, waren es wieder gefühlte 30 Grad. In einigen Spalten konnte man sogar Eis sehen! Insgesamt war es eine ziemlich lustige Klettertour. Nur hat es ewig gedauert. Die meisten Thru-Hiker brauchen wohl zwischen anderthalb und zwei Stunden für diese 1,2 Meilen. Wir waren erst nach drei Stunden durch. Das lag aber auch daran, dass wir immer wieder mögliche Wege diskutiert haben, auf einander warten mussten und Unmengen Fotos gemacht haben.

Um eins waren wir endlich am anderen Ende des Tals und haben erstmal unsere Mittagspause eingelegt. Es wartete ja noch der Aufstieg auf uns! 1.600 Fuß in 1,5 Meilen. Wir waren schon vorgewarnt worden, dass man das nur machen sollte, wenn es trocken ist. Ja, bei Regen oder Nässe würde ich da absolut nicht hochsteigen wollen! Nachdem wir eine Ewigkeit für die Notch gebraucht hatten, stürmte Veronika hier wie nichts gutes nach oben. Sie hat nur eine Stunde und zehn Minuten gebraucht, um uns auf den Gipfel zu bringen! Ich weiß nicht wirklich wie, aber irgendwie habe ich es geschafft, an ihr dran zu bleiben. Yooper und Big Red nicht.

Wir haben dann oben auf sie gewartet. Und gewartet und gewartet… Nur kamen sie einfach nicht. Irgendwann tauchte Robin Hood, ein 64jähriger Thru-Hiker, den wir unten überholt hatten, auf. Der hatte die beiden aber auch nicht gesehen. Nach 50 Minuten Warten, ich war zwischenzeitlich schon zurückgelaufen um sie zu suchen, sind wir ohne sie weiter. Das hat unseren ganzen, schönen Plan durcheinander gebracht. Veronika hatte nämlich herausgefunden, dass das Hostel in Andover von der nächsten Notch an shuttlet. Nur musste man sie dafür anrufen können und wir haben seit über einer Woche kein Netz mehr. AT&T ist in den Bergen einfach nicht zu bekommen.

Unten, am Speck Pond, trafen wir wieder auf Robin Hood. Der hatte Netz. Eigentlich wollte er gar nicht mehr so weit gehen, aber irgendwie hat es ihm unsere Idee angetan. Noch 4,8 Meilen bis zur Grafton Notch, ab ins Hostel und morgen eine 10 Meilen Slackpack nach Andover. Kurzentschlossen rief er dort an und machte ein Shuttle für halb acht aus. Wir hatten also drei Stunden für die restliche Strecke. Am Speck Pond Shelter haben wir nochmal eine kurze Pause eingelegt. Da tauchten dann auch Big Red und Yooper wieder auf. Die beiden waren aber zu fertig, um es noch bis zur Straße zu schaffen und wollten dort übernachten.

Wir hatten noch zwei Stunden und 45 Minuten für 4,6 Meilen über Old Speck Mountain und runter zum Parkplatz. Ein richtiges Bett ist ja bekanntlich einer der drei Gründe für Veronika, richtig Gas zu geben. Es war eine wirklich wilde Jagd über diesen Berg! Nach oben lagen wir etwas unter dem notwendigen Schnitt, aber nach unten ging es in gefühlt rasendem Tempo. Die einzige Wegmarke zwischendrin, ein anderer Trail, haben wir verpasst, aber als es über einen Bach ging waren wir ziemlich sicher, es zu schaffen. Um viertel nach sieben kamen wir am Parkplatz an. Robin Hood saß schon mit einem Becher Limonade neben einem Minivan. Auch wir bekamen etwas zu trinken und dann ging es 23 Meilen über abgelegene Straßen nach Andover.

Das ist hier wirklich das Ende der Welt! Keine der nächsten Städte auf unserem Weg hat mehr als 1.500 Einwohner. Unsere Fahrerinnen haben uns an einem der beiden Lebensmittelläden mit angeschlossenem Diner abgesetzt und die Rucksäcke zum Hostel gebracht. Wir mussten erstmal unsere knurrenden Mägen besänftigen. Das Menü des Tages: Eis für Veronika und Chips für mich als Vorspeise, Cheeseburger mit Pommes als Hauptgericht, Strawberry Shortcake als Dessert und dazu eine Zwei-Liter-Flasche Mountain Dew. Der absolute Kalorien, Fett und Zucker Overkill!

Im Pine Ellis Hostel hatten sie leider kein Zweibettzimmer mehr für uns. Wir werden die nächsten drei Nächte also im Bunkroom schlafen. Es ist aber ziemlich sauber, die Dusche ist heiß, wir können Wäsche waschen und es gibt ein W-Lan. Und am allerwichtigsten: sie shuttlen in weitem Umkreis! Wir können also morgen und übermorgen unsere Meilen durch die Berge ohne schwere Rucksäcke machen. Es werden zwar wegen der Abstände zwischen den Straßen keine großen Tage werden, aber es kostet weniger Kraft und sobald es flacher wird können wir wieder schneller vorwärts kommen.

Noch 428km

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