5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

So macht Maine Spaß – Grafton Notch nach East B Hill Road, Andover (mi 1929,0)

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Wie schön ist es doch, morgens um sechs aufzustehen, wenn einen ein lecker Frühstück und ein angenehmer Tag erwarten! So schnell war ich schon lange nicht mehr auf den Beinen.

Frühstück gab es im örtlichen Restaurant „Little Red Hen“, ein ziemlich ausgefallener Laden für so einen kleinen Ort. Es war wirklich gut und sämtliche Hiker waren dort. Um kurz vor acht ging es los in Richtung Trail und schon um kurz nach halb neun konnten wir loslaufen. Diesmal hatten wir jeder unseren eigenen Rucksack fürs Slackpacken, so dass beide deutlich leichter unterwegs waren. Ansonsten hatten wir immer nur einen Rucksack für beide benutzt was dann am Ende doch recht schwer wurde mit dem ganzen Wasser und Essen. Früh morgens waren noch graue Wolken am Himmel gewesen aber jetzt war schon blauer Himmel zu sehen und wir hofften darauf, dass es aufklaren würde bis wir oben waren. David drückte uns noch jedem einen Apfel in die Hand, dann schickte er uns mit den besten Wünschen los.

Der erste Teil der Strecke war sehr angenehm und wir kamen gut voran. So gut, dass wir sogar das Schild zum Shelter übersahen. Als wir anfingen uns darüber zu wundern, wo denn das Shelter war, wir müssten doch schon längst daran vorbei gelaufen sein, holten wir Robin Hood ein. Er klärte uns darüber auf, dass er das Shelter schon vor einer Viertelstunde passiert hatte. Wir waren ziemlich verdattert, weil es uns noch nie passiert war, dass wir ein Shelter übersehen hatten. Zum Glück mussten wir nicht zu diesem Shelter.

Kurz danach wurde der Weg wieder etwas anspruchsvoller, es ging wieder überwiegend über Felsflächen, die größtenteils noch recht feucht waren von letzter Nacht. Wir waren froh, diese mit nur leichtem Gepäck bewältigen zu müssen. Der obere Teil des Berges lag wieder über der Baumgrenze und die Aussicht war überwältigend schön. Wie wir schon gestern auf der Fahrt festgestellt hatten, ist die Gegend hier ziemlich dünn besiedelt. Ringsum sahen wir nur bewaldete Hügel und Seen soweit das Auge reichte, dazwischen waren nur einzelne Straßen und an ein paar Windräder an einer Stelle als Anzeichen von Zivilisation zu sehen. Garbageman hatte wohl recht mit seiner Aussage zu New Hampshire und Maine: „New Hampshire ist am schönsten dort, wo der Appalachian Trail verläuft. Maine ist überall schön.“

Nach einer kurzen Pause auf dem Gipfel ging es weiter. Uns begegnete wieder eine dieser Jugendgruppen, von denen hier so viele unterwegs sind. Diese hier hatten wieder allesamt verboten große und schwere Rucksäcke und waren zu allem Überfluss auch noch ohne Stöcke unterwegs. Mit einem der Jungs scherzten wir noch, dass wir unsere beiden Rucksäcke komplett in vollem Zustand in seinem Rucksack unterbringen könnten und das seinen wohl nicht schwerer machen würde als er jetzt sei. Den Mädels hinter ihm war aber nicht mehr nach Lachen zumute, sie waren völlig verzweifelt, weil sie die steile Felsfläche kaum hochkamen und riesige Angst vor dem Abstieg auf der anderen Seite hatten.

Ich muss zugeben, dass ich ganz froh war, das, was sie gerade hochkamen mit meinem leichten Rucksack runtergehen zu dürfen. Auch so stellte ich mich noch genug an, weil ich Angst hatte, dass ein Felsen rutschig sein könnte oder auch einfach nur, weil mir bei steilen Stufen die Knie anzeigen, dass sie das nicht mehr lustig finden. Im Vergleich zu den meisten anderen hier habe ich immer noch keine Knieprobleme aber seit den Whites merke ich die steilen Abstiege schon so ein bisschen. Robin Hood flog geradezu an uns vorbei, er scheint mit seinen 64 Jahren weder Knieprobleme noch Angst zu haben – keine Ahnung, wie er das macht. Er kam beim nächsten Shelter ca. eine Viertelstunde vor uns an und wartete dort, weil wir abgemacht hatten, an dieser Stelle zu beschließen, ob wir den Shuttle vielleicht auch früher als ursprünglich ausgemacht kommen zu lassen.

Fix wie wir heute unterwegs waren und mit dem Wissen, dass der Trail nach dem Shelter nicht mehr schwierig sein würde, wollten wir den Shuttle um drei statt um fünf kommen lassen. Vom nächsten Gipfel aus rief er an, dann sausten wir weiter zur Straße. Auf dem Weg dorthin trafen wir noch Garbageman und Littlefoot, die einzigen Northbounder, denen wir heute über den Weg liefen. Genau in dem Augenblick, als wir unsere Füße auf die Treppe zur Straße setzten, fuhr unser Shuttle vor – perfektes Timing! Es war sogar noch kurz vor drei und dieselben beiden Ladies wie gestern Abend freuten sich, uns wiederzusehen und gaben uns auch gleich wieder jedem eine Lemonade. Das mit der Lemonade ist eine wirklich tolle Sache, jeder Hiker-Shuttle sollte das machen!

Heute mussten wir nur acht Meilen bis zum Hostel fahren und waren viel schneller da. Beim Hostel angekommen warteten schon Yooper und Big Red. Sie hatten sich heute einen ruhigen Tag gegönnt, waren spät aufgestanden und dann nur bis Grafton Notch gegangen, um sich dort gegen Mittag abholen zu lassen. Yoopers Stock ist heute früh abgebrochen und sie müssen morgen zum Outfitter, um einen neuen zu besorgen. Das mit dem Stock finde ich äußerst beunruhigend, da das kein billiger war, sondern ein Leki. Ich vertraue meinen Lekis sehr und sowas ist echt gefährlich. Yooper ist auch prompt hingefallen, weil der Stecken abgebrochen ist, zum Glück an einer flachen Stelle.

Nach dem Duschen haben wir noch ein bisschen rumgegammelt, dann ging es auf zur Little Red Hen zum Abendessen. Freitags und samstags gibt es dort nämlich auch abends was, heute Prime Rib mit Kartoffelbrei, dazu Clam Chowder und Brot. Morgen gibt es dort ein Pizza-Buffet, wir werden versuchen, beim Frühstück einen Tisch zu reservieren. Das Essen dort ist wirklich sehr lecker und es scheint das Event im Dorf zu sein, hier Essen zu gehen. Der Laden war gesteckt voll, es gab sogar eine Warteliste für die Tische. Wir hatten zum Glück die letzten Plätze am Tresen bekommen, direkt im Zentrum des Geschehens.

Frisch gefüttert ging es zurück zum Hostel, wo wir noch eine Weile mit den anderen Hikern auf der Veranda saßen. Schade, dass die meisten von ihnen morgen schon wieder aufbrechen werden. Wir werden hier noch zwei weitere Nächte bleiben und uns zwei weitere Tage slackpacken lassen. Das wird unseren Knien gut tun und hilft uns, schneller voranzukommen als ursprünglich geplant.

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