5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Apollo ist einfach der Schnellste! – East B Hill Road nach South Arm Road, Andover (mi 1939,1)

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Ich mag diese Bunkhouse hier wirklich gerne, weil die Räume dort so unterteilt sind, dass immer nur drei Leute in einem Raum schlafen, was einem mehr Intimsphäre gibt. Heute Nacht jedoch wurde es ziemlich kalt dort – sicher auch, weil die Fenster offen waren. Deshalb nahmen wir das Angebot an, in den Raum im Haus umzuziehen, wo sechs Betten in einem Zimmer stehen aber es hoffentlich etwas wärmer ist.

Zum Frühstück ging es wieder zur Little Red Hen, es war wieder richtig lecker. Wie gestern auch nahmen wir den Shuttle um acht Uhr morgens zurück zum Trail. Außer uns waren Robin Hood, Oreo und Quahog mit am Start. Subaru und Pink Lady starteten von unserem gestrigen Ausgangspunkt. Die drei, die mit uns loszogen, hatten alle ihre vollen Rucksäcke dabei. Ich hoffte ja, dass wir mit leerem Rucksack vielleicht sogar mit Oreo und Quahog mithalten könnten, die beide deutlich stärkere Hiker sind als wir.

Wir brauchten noch ein bisschen, um loszukommen, so dass die anderen drei ein paar Minuten Vorsprung hatten. Der erste Teil unserer Strecke heute war ein länger, sanfter Aufstieg. Wir sausten los, waren aber recht gemütlich unterwegs und nahmen uns die Zeit, an dem See, an dem wir vorbeikamen, nach dem besten Punkt für ein Foto zu suchen. Dort waren nämlich mehrere Bäume mit roten Blättern am anderen Ufer zu sehen und das sah wirklich schön aus. Wahrscheinlich werde ich in ein paar Tagen über die paar bunten Blätter müde lächeln – inzwischen hoffe auch ich auf Indian Summer und nach den Entwicklungen der letzten Tage bin ich mir ziemlich sicher, dass wir ihn zu sehen bekommen.

Kurz danach überholten wir trotz Trödelei Robin Hood und freuten uns schon, wie schnell wir waren, als von hinten Apollo angetrabt kam. Mit vollem Gepäck war er immer noch viel schneller als wir – frustrierend! Wir freuten uns natürlich trotzdem, ihn zu sehen und planten mit ihm grob die nächsten zwei Wochen, so dass wir hoffentlich alle gleichzeitig auf Katahdin sein werden. Am Shelter holten wir dann auch endlich Oreo und Quahog ein, die dort Pause machten. Wir gesellten und dazu und stärkten uns für die Herausforderung des Tages: erst ein ziemlich steiler Abstieg gefolgt von einem der steilsten Anstiege, die ich je in unserem Profil gesehen habe. Es sollte in nur 0,8 Meilen 1400 Fuß nach oben gehen!!! Wir erwarteten das schlimmste, vor allem weil uns zwei entgegenkommende Hiker begeistert berichteten, dass dort lauter Leitern und Krampen waren und „es der reinste Spielplatz“ gewesen sei. Die Bezeichnung „Spielplatz“ wird hier sonst in der Regel nur im Zusammenhang mit Mahoosuc Notch verwendet.

Der Abstieg hatte es in sich und ging ganz schön auf die Knie. Allerdings kam er mir trotzdem nicht ganz so schlimm vor, da wir nicht klettern mussten und ich mich auch kein einziges Mal hinsetzen musste, um eine Stufe sicher runterzukommen. An einer Stelle führte ein Sidetrail zu einem Ausblick auf den drohenden Aufstieg. Der Anblick war ziemlich einschüchternd, vor uns ragte eine hohe Wand mit vielen kahlen, überhängenden und felsigen Stellen in den Himmel. Immerhin konnte ich keine Leiter an einem der Felsvorsprünge erkennen, was ich für ein gutes Zeichen hielt. Vielleicht war der Trail diesmal ja doch weniger schlimm als erwartet. Und tatsächlich, es ging in recht gleichmäßigem Rhythmus nach oben. Die Trailbauer hatten hier wirklich gute Arbeit geleistet und man ging fast wie auf einer sehr steilen Treppe nach oben. Jemand hatte sehr ordentlich unzählige Steinstufen gelegt, durchdacht Krampen und Holzleitern eingesetzt und sogar die Bäume schienen freundlich gesonnen und bildeten Stufen mit ihren Wurzeln. Ich musste nur zwei bis dreimal die Hände einsetzen und auch hier hatten die Trailbauer das vorausgesehen und Handläufe perfekt platziert. Irgendwann hörte ich auf darauf zu warten, dass um die nächste Ecke eine fiese Kletterstelle lauern würde und mein Vertrauen wurde belohnt. Um eins waren wir früher als erwartet auf dem Gipfel angelangt. Wir wollten von dem Aussichtspunkt dort versuchen, unseren Shuttle zurück zwei Stunden früher kommen zu lassen. Ärgerlich, dass wir wieder kein Netz hatten. Allerdings hatten wir damit schon gerechnet, wir hatten beide seit ca. zwei Wochen kein Handynetz mehr gehabt.

Wir gingen also die letzten zwei Meilen runter zur Straße in der Hoffnung, dass dort ein bisschen mehr Verkehr wäre und wir vielleicht in die Stadt trampen könnten. Dort fuhren tatsächlich ein paar mehr Autos entlang, so ca. alle zehn Minuten kam eines. Das erste nahm uns nicht mit aber in der Zwischenzeit kamen zwei Thru-Hikerinnen an und eine von ihnen hatte Netz, so dass wir David anrufen konnten. Eine Viertelstunde später wurden wir abgeholt.

Zurück im Hostel duschten wir, wuschen Wäsche, dann machten wir einen Plan für die Vorräte der nächsten Tage und füllten im Hostel auf, was wir konnten. Ich baumelte noch kurz in der Hängematte, wo sich eine Libelle auf mich setzte, um eine Fliege zu verspeisen und schon war es fünf und an der Zeit, zurück zur Little Red Hen zu gehen fürs Abendessen. Samstag ist dort Pizzaabend. Es gibt ein Salat- und Pizzabuffet und zum Nachtisch einen Cookie. Diese Frau ist echt eine Wucht, sie hat offensichtlich sehr viel Freude an ihrem Job, ist kreativ und alles ist extrem lecker. Schade, dass der Laden morgen Abend geschlossen ist.

Mit vollem Pizzabauch ging es in das Geschäft gegenüber, den Rest unserer Vorräte besorgen. Danach ging es zurück zum Hostel, wo wir noch ein bisschen auf der Veranda saßen bevor wir alle ins Bett fielen. Ich von echt froh, dass ich das mit dem Slackpacken entdeckt habe. Die letzten beiden Tage waren wirklich entspannt und wir konnten trotzdem unsere geplanten Meilen machen.

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