5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Elch und Stachelschwein – Piazza Rock Lean-to nach Spaulding Mountain Lean-to (mi 1984,2)

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Ich wollte ja eigentlich um fünf heute morgen aufstehen, damit wir es auch ja zu unserem geplanten Tagesziel schaffen würden. Irgendwie hatte ich echt Angst, dass wir es sonst niemals bei Tageslicht schaffen würden. Ist schließlich schon ein Weilchen her, dass wir siebzehn Meilen an einem Tag gemacht haben.

Als jedoch um fünf der Wecker klingelte war es noch stockdunkel draußen so dass ich bereitwillig auf Franks Vorschlag noch eine halbe Stunde länger zu schlafen einging. Um halb sechs war mir auch immer noch nicht so richtig nach Aufstehen, diesmal kam von mir ein „Noch eine halbe Stunde warten?“. Um sechs war es dann aber wirklich an der Zeit, die College-Kids lärmten auch schon rum.

Die ersten beiden Meilen, die Yooper und Big Red gestern Abend noch gemacht hatten, waren ganz gut zum Aufwärmen geeignetes, relativ flaches und einfaches Terrain. Am Ethel Pond hörte ich plötzlich rechts von mir ein Geräusch im Wasser. Als ich dort rüber schaute, blickte mich aus ca. 25 Metern ein junger Elchbulle an. Das war nun wirklich genau das Bild, das ich mir immer vorgestellt hatte, wenn ich auf eine Begegnung mit Elchen gehofft hatte! Ein Augenzwinkern später war der Elch immer noch da, ich hatte nicht geträumt, also machte ich Frank darauf aufmerksam. Wir waren beide total aufgeregt, das war wirklich ein ganz besonderer Moment! Der Elch ließ sich kein bisschen aus der Ruhe bringen und plantschte weiter im Wasser rum wobei er immer wieder untertauchte, um Grünpflanzen zu fressen.

Nachdem wir ihn eine Weile beobachtet und Fotos geschossen hatten, ging es weiter. Der Aufstieg zu Saddleback war gar nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Das einzig ärgerliche war, dass er eine Menge falscher Gipfel hatte, so dass wir mehrfach dachten, wir seien schon fast da bis wir oben ankamen und feststellen mussten, dass sich dahinter ein weiterer Gipfel auftürmte. Oben wurden wir wieder mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt – Maine ist wirklich wunderschön! Noch während wir oben Pause machten zog eine dicke Wolke auf uns zu und innerhalb weniger Augenblicke betrug die Sicht nur noch wenige Meter und es wurde deutlich kühler. Das war definitiv ein Zeichen, das uns zum aufbrechen animierte.

Wir zogen weiter in Richtung The Horn. Der Abstieg von dort sah schon im Profil unangenehm steil aus. In echt war es noch viel schlimmer. Es war nicht nur steil, großenteils bewegten wir uns wieder nur auf diesen Felsflächen, die hier extrem rutschig waren. Ich muss dabei einen besonders intelligenten Eindruck gemacht haben, da ich mehrfach laut feststellte, dass eine Stelle nass und glatt aussah und mich dann beim Drauftreten bilderbuchmäßig auf meinen Hintern setzte. Sogar mein sich sonst so würdevoll fortbewegender Runner Up landete heute einmal auf seinen vier Buchstaben. Zum Glück ist uns beiden aber rein gar nichts passiert und obwohl das eine mal ziemlich weh getan hat, habe ich noch nicht mal einen blauen Flecken davongetragen.

Irgendwie schafften wir es trotzdem heil nach unten und waren auch noch in der Lage, Saddleback Junior zu bezwingen. Unsere wohlverdiente Pause auf dem Gipfel wurde allerdings ziemlich abrupt beendet: Wir hatten die ganze Zeit fasziniert einen Insektenschwarm beobachtet, der sich um das Gipfelzeichen bewegte. Bis dieser sich dann auf einmal entschloss statt des Schildes uns zu umschwirren und wir feststellen mussten, dass es sich anscheinend um Blackflies oder andere Menschenfleisch fressende Viecher handelte. Wir würgten unseren Rest Riegel runter, verzichteten auf ein triumphales Gipfelfoto, schnallten die Rucksäcke auf und rannten wild fuchtelnd den Berg runter.

Der restliche Abstieg war nicht so spektakulär schlimm wie der von The Horn und wir kamen gar nicht schlecht voran. Allerdings konnten wir uns auch hier die ganze Zeit sehr gut vorstellen, dass man hier schlimm stürzen und sich verletzen konnte, vor allem bei schlechtem Wetter. In Gedanken waren wir nämlich viel bei Inchworm, der Hikerin, die irgendwo auf diesem Stück des Trails verschwunden ist. Im nächsten Shelter, dem Poplar Ridge Lean-to, lag extra nochmal eine Warnung an alle Wanderer, die hier in Schwierigkeiten geraten, nicht zu versuchen sich abseits des Trails einen Weg durch die Büsche zu bahnen in der Hoffnung auf diese Weise schneller zur nächsten Straße zu kommen sondern lieber auf den Trails zu bleiben weil die Chance, dass dort jemand vorbeikommt, der einem helfen kann, relativ groß ist. Und wenn man dann mitten in den Büschen nicht mehr weiter kann, ist man ganz alleine und schwer zu finden.

Beim Shelter trafen wir Yooper und Big Red, die dort auch gerade Mittagspause machten. Danach ging es gemeinsam weiter. Der Abstieg direkt nach dem Shelter war ziemlich fies und erforderte einiges an Konzentration. Der anschließende Aufstieg war technisch gar nicht so schwer nur ziemlich steil und anstrengend. Zumindest für uns. Yooper hatte es auf einmal sehr eilig, endlich zum Schlafplatz für heute Nacht zu kommen und obwohl wir ein paar Minuten vor ihnen gestartet waren und nicht trödelten wurden wir noch vor dem Gipfel von ihr eingeholt. Während wir oben nochmal kurz für eine Riegelpause stoppten entschied Big Red, obwohl er völlig außer Atem war, dass sie sofort weitergehen könnten. Allerdings warteten sie dann knapp eine Meile vor dem Shelter auf uns. Ein Stachelschwein war auf dem Trail gewesen und in den Baum über ihnen geflüchtet. Da es für ein Stachelschwein ziemlich wohlgenährt war, konnte es nicht wie es wollte von dort auf den nächsten Baum hüpfen und die beiden hatten auf uns gewartet, damit wir es auch sehen können. Es war wirklich cool, weil es gerade mal zwei bis drei Meter über uns saß und wir es so aus nächster Nähe genau ansehen konnten. Es hatte irgendwie was von einem Affen, wie es da oben saß und uns anguckte, gar nichts von einem Schwein. Höchstens eine geringe Ähnlichkeit mit einem Meerschweinchen, allerdings eben ein flacheres, affenartiges Gesicht.

Beim Spaulding Mountain Lean-to mussten wir feststellen, dass drei Wanderer, die für ein paar Tage draußen waren, ihr Zelt so im Shelter aufgestellt hatten, dass so gut wie kein Platz mehr war obwohl es eigentlich ein Shelter für acht Personen war. Frank und ich schauten noch, ob wir einen Platz für unser Zelt in der Nähe finden könnten, aber da wieder eine Horde College-Kids vor Ort war, waren die guten Plätze weg. Zum Glück waren die drei Wanderer kooperativ und gemeinsam mit ihnen verschoben wir ihr Zelt so, dass wir vier doch noch Platz finden konnten. Es fühlt sich an, als würde es recht kalt werden heute Nacht und wir alle würden lieber im Zelt schlafen aber das Shelter hat auch den Vorteil, dass wir morgen früh schneller fertig zum Aufbruch sein werden.

Mit den College-Kids hatten wir dann auch noch ein bisschen Spaß. Sie kamen am Shelter vorbei und waren auf der Suche nach der Privy. Wir setzten sie auf den richtigen Weg, sagten ihnen, dass die Privy am Ende des blauen Seitenpfades, kurz bevor er in den Appalachian Trail – den mit der weißen Markierung – mündet, auf der rechten Seite sei. Eine Viertelstunde später begegnete ich den beiden Mädels auf dem Weg zur Wasserstelle. Die Wasserstelle lag auf dem Appalachian Trail ca. dreihundert Meter links von der beschriebenen Schnittstelle mit dem Privy-Trail. Da die beiden völlig orientierungslos wirkten setzte ich sie auf den Trail, der sie zurück zum Shelter bringen würde und riet ihnen, ein Loch zu buddeln, anstatt weiter nach der Privy zu suchen.

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