5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wir sind 2000 Meilen gewandert!!! – ME 27, Stratton nach East Flagstaff Road (mi 2014,4)

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Obwohl wir in der Stadt waren gab es heute Pop Tarts und Grandma’s Cookies zum Frühstück. Wir sollten nämlich schon um sieben am Hostel abfahren. Strawberry Donut und Whistler waren äußerst vorbildlich und warteten schon ein Weilchen als wir beide um fünf vor sieben am Treffpunkt aufschlugen. Auch unsere ganzen Amis waren nach deutschem Verständnis pünktlich bis auf Sue, die uns fahren sollte. Sie war selbst nach amerikanischer Auffassung nicht mehr pünktlich aber da es ja keine Alternativen gab nahmen wir ihr Zuspätkommen einfach so hin.

Natürlich war das Auto nur ein Fünfsitzer, also quetschten Frank und ich uns mit den Rucksäcken in den Kofferraum während Yooper, Big Red, Strawberry Donut und Whistler wie Sardinen in der Dose auf der Rückbank saßen. Barbarosa war ganz begeistert, dass er den Beifahrersitz für sich allein haben durfte, das passiere ihm sonst nie, er sei eher immer der im Kofferraum. Sobald wir von der Teerstraße abbogen auf die Waldstraße war ich mir auch nicht mehr sicher, ob ich wirklich im Kofferraum sitzen wollte. Sue schien den Ehrgeiz zu besitzen, sämtliche Schlaglöcher mitzunehmen und auch ja keines auszulassen. War ja schließlich ein Geländewagen, was sie da fuhr. Frank und ich hüpften munter auf und an und auch die Belegschaft vorne schien sich ein bisschen wie in der Achterbahn zu fühlen. Verschärft wurde die Situation dann noch durch immer wieder plötzlich wie aus dem Nichts auftauchenden Gegenverkehr. Den Höhepunkt erreichten wir, als uns ein vollgeladener Holzlaster entgegen kam und wir – natürlich durch dieselben Schlaglöcher wie gerade eben fahrend – mehrere hundert Meter rückwärts fahren mussten bevor wir eine Stelle erreichten, an der wir in die Büsche am Straßenrand ausweichen konnten. Whistler gab mir irgendwann freundlicherweise seine Sitzmatte, die ich als Helm benutzen sollte, da ich mir ständig den Kopf anhaute bei dem ganzen Schlaglochgehopse und er sich das Elend wohl nicht mehr ansehen wollte.

Am Zugang zum Trail angekommen hatten wir alle zunächst noch ein bisschen mit unseren flauen Mägen zu kämpfen bevor es losgehen konnte. Trotz der allgemein vorhandenen leichten Morgenübelkeit hatten wir einen guten Start und kamen mit zwei Meilen pro Stunde voran. Auf dem Little Bigelows warteten ein paar rutschige Felsplatten auf uns, aber ansonsten waren die Bigelows anscheinend weniger schwierig als wir es nach dem entsetzten Blick in Trips Augen erwartet hätten. Andererseits kennen die beiden auch die Whites nicht. Ich hoffe ja, die beiden verlieren nicht völlig den Mut mit der ganzen Kraxelei dort. Gegen die Whites sind die Bigelows auf jeden Fall ein Kinderspiel.

Nach einer ersten Riegelpause wanderten wir zusammen mit Strawberry Donut und Whistler weiter. Als wir oben auf dem Gipfel des großen Bigelows ankamen, wartete dort schon Barbarosa auf uns. Er war ganz in den Wolken versteckt und wir konnten nur seine Stimme hören. Beim Näherkommen zeichneten sich nach und nach schemenhaft seine Umrisse ab, er hatte eine ummauerte Ecke gefunden und deklarierte diese nun zu seinem Schloss. Wir mussten dann natürlich versuchen, die Burg zu erobern. Noch während wir so herumalberten schallte plötzlich Shweasles Stimme aus dem Nebel zu uns herüber: „Was macht ihr denn da unten, kommt rüber zu mir, hier ist die 2000-Meilen-Marke!“

2000-Meilen-Marke hörte sich interessanter an als Burgerobern also wagten wir uns alle gemeinsam tiefer in den Nebel in Richtung Shweasles Stimme den Trail entlang. Der hockte unter einem Schild, auf dem die 2000-Meilen-Marke von einem anderen Jahr markiert war. Wir hatten hier alle schon ca. 2004 Meilen auf dem Buckel – die Stelle lag ziemlich genau auf der Hälfte unserer heutigen Strecke. Während wir alle damit beschäftigt waren, Fotos von uns mit der Markierung zu schießen, hörten wir Yooper und Big Red näher kommen. Wir riefen ihnen zu, dass wir alle bei der 2000-Meilen-Marke seien. In der Zwischenzeit näherten sich Techie und Chinmusic von der anderen Seite. Wir hatten also ein großes Thru-Hiker-Treffen dort an der 2000-Meilen-Marke.

Der folgende Abstieg war steil und sah ziemlich einschüchternd aus, weil es dank der Wolkendecke um uns herum aussah als würden wir auf einem extrem schmalen, nach beiden Seiten steil abfallenden Grat entlang wandern. Aber das ganze war gut machbar, wir hatten schon weit schlimmeres gehabt. Danach wurde der Trail echt angenehm und von Barbarosa geführt brausten wir mit über drei Meilen pro Stunde dahin. Barbarosa will jetzt mit uns wandern, weil er uns vier mit unseren Wortspielen und Diskussionen anscheinend sehr unterhaltsam findet.

Unten an der Straße angekommen waren wir etwas besorgt, ob wir jemanden finden würden, der Platz für fünf Leute hat. Tatsächlich hatten wir Glück, eines der ersten Autos, die vorbeifuhren, hielt an. Es war ein für hiesige Verhältnisse kleiner Wagen – in etwa so groß wie ein Passat. Für uns aber leicht groß genug und der Fahrer war extrem motiviert, Thru-Hiker mitzunehmen. Wir hatten die Rucksäcke schon im Kofferraum verstaut und spielten gerade Tetris beim vier Leute auf die Rückbank quetschen, als ein etwas älterer Wanderer aus dem Gebüsch gehüpft kam und hoffte, auch noch mitfahren zu können. Das war bei dieser Ladung nun wirklich beim besten Willen nicht mehr möglich aber unser Chauffeur hatte schnell eine Lösung parat: er könne ja einfach nochmal zurückfahren und den alten Mann abholen. Wir waren schwer beeindruckt von seiner Großzügigkeit, umso mehr, als wir später erfuhren, dass er auch noch Strawberry Donut und Whistler mitgenommen hatte.

In der Stadt wartete noch eine wunderbare Überraschung auf uns: Ambassador, Little Engine und Timber sind hier, sie haben uns eingeholt! Durch sie erfuhren wir auch, dass das örtliche Diner heute auch abends geöffnet ist und nach den guten Erfahrungen mit dem Frühstück dort stand fest, dass wir dort auch zu Abend essen wollten. Wie erwartet war das Essen im Diner sehr lecker, definitiv die beste Wahl. Trotz Slackpackens waren wir alle völlig kaputt und gingen danach so schnell wie möglich schlafen. Nach unserem aktuellen Plan bleiben uns mit den letzten 170 Meilen nur noch zehn Wandertage bevor wir endlich Katahdin attackieren dürfen.

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