5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die große Überfahrt – Pierce Pond Lean-to nach Moxie Bald Mountain Lean-to (mi 2053,5)

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Dafür, dass heute morgen der große Run zur Fähre über den Kennebec River angesagt war, ließen sich alle ganz schön viel Zeit. Alle bis auf Shweasle. Noch bevor wir so richtig aus den Federn gekrochen waren, war er am See gewesen, um nach Elchen Ausschau zu halten und hatte sein Zeug gepackt. Yooper, die sonst wenn es drauf ankommt auch immer fix ist, hatte Kopfweh und kam deswegen auch nicht in die Gänge bis Barbarosa einfiel, dass er noch Ibuprofen hatte, das er bei einer Trail Magic bekommen hatte.

Danach ging es los zu der Location, die für ihr Pfannkuchen-Frühstück berühmt ist. Man bekommt dort zwölf Blaubeer-Pancakes vorgesetzt. Außerdem kann man dort auch übernachten, allerdings waren die Angaben im Buch dazu etwas ungenau gewesen. Wie Strawberry Donut und Whistler getestet hatten, bestand die Übernachtungsmöglichkeit in einer Cabin. Sie waren sehr glücklich und zufrieden, dass sie dorthin gegangen waren. Die Cabin war wohl auch ganz schön gewesen und das Frühstück auch – was der Weg dorthin erstmal nicht vermuten ließ.

Ich bin ja schon auf dem Trail kein großer Fan von diesen rutschigen, halbverotteten Holzstämmen oder -planken, über die sie uns rüberlaufen lassen wollen. Das hier war nochmal der Gipfel, es waren noch dünnere Äste, die in genauso miserablem Zustand waren. Ich wartete schon seit der ersten zerbrochenen Planke darauf, dass irgendwann mal so eine improvisierte Brücke unter mir dem Geist aufgibt und ich so richtig schön einbreche. Nun, heute war mit dieser Brücke zu den Cabins mein großer Tag gekommen! Bei einem der ersten meiner Schritte auf dieser wackelige Konstruktion krachte es einmal kurz und -Schwupps! – stand ich eine Etage tiefer und mein Unterschenkel klemmte zwischen zersplittertem Holz. Zum Glück war alles viel weniger dramatisch als ich mir das immer ausgemalt hatte. Der Boden unter dem Brett war solide und ich versank nicht im Matsch und es bohrten sich auch keine Splitter von dem zerbrochenen Holz in mein Bein. Ich konnte meinen Fuß sogar ohne Hilfe aus der Falle befreien und bewegte mich dann noch vorsichtiger weiter über den Steg in Richtung Cabins fort, wir wollten schließlich Wasser von dort holen. Der Besitzer der Cabins war sehr freundlich und wir alle bekamen sofort ohne Umstände unsere diversen Wasserbehälter aufgefüllt.

Jetzt konnte es endlich losgehen in Richtung Kennebec River. Wir hatten aus irgendeinem Grund angenommen, dass der Weg dorthin total easy sei und wir locker bis um neun an der Fähre sein könnten, wenn wir um halb acht am Shelter aufbrächen. Dem war leider nicht so, der Weg war ziemlich anstrengend weil es ständig auf und ab ging. Außerdem mussten wir eine wirklich abenteuerliche Brücke überqueren, worauf ich nach meinen morgendlichen Erlebnissen noch weniger gut zu sprechen war als sonst. Es handelte sich um drei Baumstämme, die über eine ca. fünf Meter tiefe Schlucht gelegt waren. Der mittlere war etwas weiter unten als die beiden äußeren, die etwas über Kniehöhe eine Art Geländer bildeten. Die Stämme waren nur entrindet, ansonsten völlig unbehandelt, rund und glitschig-glatt. Zudem war das hintere Ende des Baumes, auf dem ich gehen würde, etwas dicker als mein Handgelenk – in etwa dieselbe Dicke, die der Ast gehabt hatte, der heute früher unter mir zerbrochen war. Der reinste Albtraum! Frank verstand meine Panik angesichts der Brücke nicht so ganz und nachdem er sicher hinüber gekommen war, wagte ich es, ihm zu folgen.

Zum Glück war der Fährmann mit Fähre schon auf unserer Seite, als wir ankamen und wir waren die einzigen Gäste für diese Richtung. Wir konnten also sofort nachdem wir den Haftungsausschluss unterzeichnet hatten ins Boot steigen. Der Fährmann war zwar nicht wie wir gehofft hatten der aus der Doku aber sehr nett und nicht nur beim Überqueren des Wassers hilfreich. Anscheinend hätte er jede Menge nützlicher Informationen für uns gehabt falls wir in Caratunk gestoppt hätten. Außerdem hatte er eine Mülltüte auf der anderen Seite des Flusses hingehängt, in der wir unseren Müll platzieren durften. Yooper und Big Red waren eigentlich direkt hinter uns gewesen als wir die wackelige Brücke überquerten. Umso mehr wunderte es uns, als sie hinter uns nicht ankamen. Da wir immer noch im Sinn hatten, die fast 23 Meilen zum Moxie Bald Mountain Lean-to zu machen, gingen wir weiter. Wir konnten nicht warten, da wir nicht sicher sein konnten, ob sie nicht spontan ihre Pläne geändert und sich entschieden hatten, auf andere Weise als ursprünglich geplant nach Monson zu kommen.

Der Anstieg zum Pleasant Pond Mountain war durchaus eher von der steileren Sorte, erforderte aber weniger Kletterkünste als wir es immer noch gewohnt sind und war daher gut machbar. Als wir oben auf dem, was ich für den Gipfel hielt, Mittagspause machten kam plötzlich von unten Shweasle angerannt. Er hatte anscheinend unten beim Shelter über eine Stunde gewartet in der Hoffnung, dass wir dort vorbeischauen würden. Jetzt freute er sich, uns dort oben anzutreffen. Wir berieten uns kurz und waren uns einig, dass wir es alle bis zum Moxie Bald Mountain Lean-to schaffen sollten – auch wenn Frank und ich möglicherweise das letzte Stück des Weges in der Dunkelheit bestreiten würden müssten. Ansonsten hätten wir morgen mehr Meilen nach Monson rein und das wollen wir gerne vermeiden.

Shweasle ging schon mal alleine weiter, er hatte ja schon am Shelter Mittag gegessen. Kaum hatte er zwei Schritte gemacht rutschte er leicht und merkte an, dass dieser Felsen extrem glitschig war. Als wir losgingen hatte ich das natürlich schon wieder vergessen und setzte mich prompt auf meinen Hintern. Diese Felsen waren aber auch wirklich extrem glitschig! Ich geriet noch ein weiteres Mal aus dem Gleichgewicht und auch Frank blieb ein ungewolltes Schlittern nicht erspart. Abgesehen von diesen gefährlichen Felsoberflächen war der Abstieg zum Moxie Pond aber sehr angenehm.

Wir hatten eigentlich vorgehabt aus einer Wasserstelle vor dem Pond unsere Flaschen aufzufüllen. Diese Wegmarke tauchte aber nie auf und plötzlich standen wir am See. Da wir Angst hatten, dass der nachfolgende Bach möglicherweise auch nur im Guide war aber nicht in echt existierte, filterte ich an der erstmöglichen Stelle vier Liter aus dem See. Kaum waren wir von dort losgegangen, trafen wir noch an der Straße am See auf Clevergirl und ihre Eltern, die dort ein großartiges Buffet mit Trail Magic und Blümchen aufgebaut hatten. Und jede Menge Trinkwasser für uns gehabt hätten… Wir begnügten uns mit Sodas und Snacks und zogen dann relativ schnell weiter, da wir noch einige Meilen vor uns hatten.

Erfrischt von der Cola bewältigten wir die nächsten drei Meilen zum ersten Shelter in nur einer Stunde. Auch nach dem Shelter blieb der Anstieg noch sehr schön bis sich dann der Weg in den Appalachian Trail über den Gipfel und einen Bypass Trail außenrum aufteilte. Der Bypass Trail sah weiterhin sanft und schön aus während der Appalachian Trail vom ersten Meter nach der Abzweigung sich durch große Felsbrocken und eine steile Steigung auszeichnete. Ich erwog hier ernsthaft, den kürzeren Bypass Trail zu nehmen, in der Hoffnung, dass uns dadurch eine Nachtwanderung erspart bliebe. Frank jedoch bestand darauf, auf dem AT zu bleiben. Kurz darauf rutschte er auf einem der steilen Felsen aus und schrie wie am Spieß. Ich fürchtete schon, er hätte sich mindestens etwas gebrochen, so wie er brüllte. Großartig, wir hatten sicher kein Handynetz und selbst für eine Notübernachtung hätten wir mindestens eine halbe Meile zurückkommen müssen. Erst als sich seine Schmerzensschreie in wildes Wutgebrüll über Maine verwandelten, wurde mir klar, dass es so schlimm nicht sein konnte. Er war einfach nur immer noch frustriert, dass Maine als letzter Staat noch so manche Schwierigkeit mitbringt und es uns nicht einfacher macht. Komischerweise stört mich das gar nicht, dass wir hier immer noch kraxeln müssen. Frank hatte mich schließlich eingehend vorgewarnt, dass der Süden von Maine noch mindestens genauso hart sei wie die Whites und ich finde Maine einfach nur wunderschön.

Nachdem geklärt war, dass Frank nicht schlimm verletzt war, konnten wir weitergehen. Oben auf dem Gipfel wurden wir wieder mit einem großartigen Ausblick und einer magisch wilden Landschaft verwöhnt. Pacman saß dort oben und genoss den Sonnenuntergang. Er ist irgendwie komisch geflip-floppt und muss jetzt noch ein paar Meilen zwischen Rangeley und Monson nachholen.

Kaum waren wir im Abstieg, mussten wir auch schon unsere Stirnlampen rausholen. Die Sonne stand natürlich genau auf der falschen Seite des Berges und dementsprechend wurde es auf unserer Seite schnell dunkel. Frank freute sich, dass ich wie meistens auf dem überschwemmten Trail trotz der Dunkelheit unter Wasser liegende Steine und Bretter finden konnte, auf die wir treten konnten, so dass wir nicht außenrum laufen mussten. Zum Glück war der Abstieg abgesehen davon, dass es recht matschig war und Teile des Trails überschwemmt waren, ansonsten gut zu bewältigen. Gegen halb neun kamen wir endlich am Shelter an, wo Shweasle und Carbon schon warteten. Zum Glück war außer den beiden niemand da, so dass wir ohne Umstände Platz im Shelter fanden. Morgen wollen wir alle nach Monson gehen. Wir gehen davon aus, dass wir Big Red und Yooper dort treffen werden.

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