5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Moxie Bald Mountain Lean-to nach Horseshoe Canyon Lean-to – 14,24km

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Um drei Uhr fing der Regen an auf das Blechdach des Shelters zu trommeln. Ich bin kurz aufgewacht, habe mich umgedreht, gehofft, dass es bis zum Aufstehen vorbei ist, und weitergeschlafen. Es war zwar nicht vorbei, aber auch nicht wirklich schlimm, als wir aufgewacht sind. Der leichte Nieselregen hat uns nicht wirklich gestört. Außerdem wartete am Ende des Tages ja Monson mit einem warmen und trockenen Hostel auf uns. Also ging es, dicht verpackt in unseren Regensachen, raus auf den schlammigen Trail.

Nach einer Stunde schien es fast, als seien wir nochmal glimpflich davongekommen. Der Regen hörte fast auf, wir konnten unsere Kapuzen absetzen und es war richtig angenehm. Das sollte aber nur kurz so bleiben. Kurz bevor wir den westlichen Arm des Piscataquis River erreichten, fing es so richtig an zu schütten. Das war der ungünstigste Moment des ganzen Tages. Durch diesen Fluss mussten wir nämlich durchwaten. Quer über das Wasser war ein Seil gespannt. So wussten wir zumindest wo der Trail am anderen Ufer weitergehen würde. Da unsere Füße noch nicht komplett nass waren, sind wir in unsere Crocs gewechselt und haben uns durchs knietiefe Wasser gehangelt.

Bis wir am anderen Ufer wieder in unseren Stiefeln steckten, waren wir fast durchgeweicht. Zum Zustand der kompletten Durchweichung fehlte aber nur noch eine halbe Stunde. Wir waren nass, kalt und hatten noch mindestens neun Meilen bis zum ersten Exit nach Monson vor uns. Oder noch drei bis zum nächsten Shelter. Um viertel nach zwölf dort angekommen haben wir beratschlagt, was wir tun sollten. Den Ausschlag gab dann ein Blick ins Profil. Zwischen uns und der Stadt lag noch der östliche Arm des Piscataquis Rivers, durch den man wohl auch waten muss. Wir wollten zumindest bis halb vier im Trockenen warten und dann entweder weiter gehen oder hier bleiben.

Als erstes haben wir ein großes Chaos im Shelter veranstaltet und überall unsere nassen Sachen hingehängt. In trockener Kleidung sah die Welt schon viel besser aus. Als nächstes haben wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausgepackt, den Wecker gestellt und uns zum Mittagsschlaf hingelegt. Das erste Mal weckte uns ein Section Hiker. Der hat sich aber nur umgezogen und ist wieder raus in den Regen. Das zweite Mal wurden wir von Rainbow Dash geweckt. Sie hat letztes Jahr einen Thru-Hike gemacht, musste diese Etappe aber wegen einem gebrochenen Fuß auslassen und holt sie jetzt nach. Um Punkt halb vier tauchte Barbarosa aus dem Regen auf. Das da draußen sei kein Trail mehr sondern ein einziger See und er würde sich keinen Meter mehr bewegen!

Damit stand fest, dass wir bleiben und auf morgen und besseres Wetter hoffen würden. Da mittlerweile alle Nägel und Haken belegt waren, haben wir haben eine Wäscheleine quer durchs Shelter gehängt um Platz für all das nasse Zeug zu haben. Den brauchten wir auch, denn um halb sechs kamen auch noch Strawberry Donut und Whistler an. Die beiden sind einfach in ihren Stiefeln durch den Fluss gelaufen. Sie waren eh schon vollkommen nass.

Pünktlich um Mitternacht deutscher Zeit, also sechs Uhr abends hiesiger, habe ich von allen ein Geburtstagsständchen gesungen bekommen. Es gab sogar ein Geschenk! Das hatte ich aber schon bei unserer Ankunft entdeckt: irgendjemand hat ein volles Bier im Shelter vergessen oder als Trailmagic da gelassen. Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass dieser scheiß Regen aufhört. Irgendwie habe ich die Nase gestrichen voll. Als ob wir nicht schon genug durchgemacht hätten, muss Maine uns zum Abschluss nochmal so richtig einen mitgeben. Es reicht!!!

Noch 198km

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