5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ab in die Wildnis! – Highway ME 15 nach Long Pond Stream Lean-to (mi 2086,5)

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Heute durften wir ausschlafen, wir mussten erst um 6:45h aufstehen. Die Rucksäcke waren schon fast fertig gepackt von gestern Abend und das Frühstück bei Shaw’s sollte es erst ab halb acht geben. Fast alle waren dort versammelt, die Tische waren vollbesetzt mit hungrigen Hikern.

Als erstes bekam jeder Pancakes vorgesetzt. Die waren ok, das beste war, dass es echten Maple Sirup dazu gab und das ohne Zuschlag. Jeder wurde gefragt, wieviele Eier er gern hätte und wie sie zubereitet werden sollten. Dazu gab es Bacon, Frühstückswurst und die berühmten Bratkartoffeln. Die Bratkartoffeln waren echt extrem lecker, der Rest war Standard aber für den Preis auf jeden Fall ok und vor allem waren wir in bester Gesellschaft mit all den Thru-Hikern um uns herum.

Danach verzögerte sich unser Start leider etwas, weil Rebecah das verabredete Klopfen nicht gehört hatte und wir deshalb eine ganze Weile vergeblich warteten, bis dann einer hochging und sie dort nichtsahnend antraf. Wir fuhren also erst nach neun am Hostel los, bis wir am Trail abmarschbereit waren, war es halb zehn. Strawberry Donut und Whistler marschierten gleichzeitig mit uns los. Wir alle waren ganz gespannt auf dieses Warnschild das den Eintritt in die 100 Meilen Wildnis anzeigt und auf dem steht, dass man für mindestens zehn Tage Essen mitnehmen sollte, wenn man sich hier hinein wagt. Wir haben für zweieinhalb Tage Essen dabei, das spornt uns an, schneller zu unserem Eimer zu kommen und sollte auch gut machbar sein für uns.

Kaum hatten wir das Schild hinter uns gelassen, wartete auch schon unser erstes Wildnis-Erlebnis auf uns. Der See war so gut gefüllt, dass sein sonst sanft plätschernder Abfluss heute nicht mehr überspringbar war sondern durchwatet werden musste. Wir beobachteten noch den vergeblichen Versuch eines Kurzzeitwanderers, der auf halbem Weg in der Luft dann doch im Wasser landete und daraufhin beschämt von dannen eilte.

Der Trail war insgesamt extrem nass und an vielen Stellen überflutet. War er nicht mehr überflutet, war er meist noch sehr schlammig und wir unten uns wieder darin, von Fels zu Fels zu hüpfen um unsere Schuhe, die über Nacht so schön getrocknet waren, nicht gleich heute wieder nass zu machen. Insgesamt war der Weg schön abwechslungsreich und wir durften gefühlt ständig die Schuhe ausziehen, um Gewässer zu durchwaten. Nach einer Pause beim ersten Shelter trafen wir alle am Little Wikson wieder, der nächste Fluss, den wir durchwaten mussten. Das Wasser ging mir bis zum Knie und es sah ziemlich wild und aufgewühlt aus. Barbarosa, der in seiner Ausbildung auch gelernt hat, Flüsse sicher zu durchwaten, lotste uns durch das Wasser. Wir waren sehr froh über unsere Stecken, die uns hier noch besser als sonst halfen, unser Gleichgewicht zu halten. Kaum waren wir sicher auf der anderen Seite angekommen, tauchte am anderen Ufer ein Vater mit seinem vierzehnjährigen Sohn auf. Wir zeigten ihnen, an welcher Stelle sie das Wasser durchqueren konnten. Als der Sohn es gut zu uns geschafft hatte, rief der Vater ihn zurück, weitere Taschen zu holen. Da beschlossen wir, dass sie den Rest auch ohne unsere Aufsicht schaffen würden.

Nach unserer Mittagspause kamen wir an einen kleineren Bach. Wir hofften, dass wir genügend passend platzierte Steine finden würden, um es ohne Durchwaten ans andere Ufer zu schaffen. Leider hatte Barbarosa recht und wir konnten keine passende Stelle finden. Also zogen wir wieder unsere Schuhe aus, um sie nicht nass zu machen. Den anderen war das inzwischen egal und sie wateten einfach in ihren Schuhen durch das Wasser. Als uns kurz danach Little Engine, Timber und Ambassador slackpackend entgegen kamen, erzählten sie uns, dass heute noch zwei weitere Bäche zum durchwaten auf uns warteten. Hoffentlich geht das hier in der Wildnis nicht so weiter mit den Gewässern, sonst schaffen wir das nicht in fünf Tagen durch.

Als nächstes wartete nun Big Wilson darauf, von uns durchwatet zu werden. Von ihm hatten wir schon viel gehört in den letzten Tagen, Little Engine hatte uns erzählt, dass ihr das Wasser fast bis zum Hintern reichte als sie ihn durchquerten. Hier hatten wir immerhin ein Seil, an dem wir uns festhalten konnten. Das war hier aber auch nötig! Das Wasser war wie angekündigt ganz schön tief und dazu auch noch ganz schön wild. Truth hatte große Schwierigkeiten ihren völlig verängstigten Hund sicher ans andere Ufer zu bringen. Auch ich hatte meine Schwierigkeiten dabei. Erst, weil ich mich nicht ins Wasser traute, weil das Seil mich zwang an einer ungünstigen Stelle hinunterzusteigen. Dann, weil ich mich am Ende kaum noch an dem Seil festhalten konnte, das viel zu hoch über mir war. Vielleicht hätte ich doch auf Barbarosas Rat hören und versuchen sollen, ohne Seil an einer seichteren Stelle den Fluss zu durchwaten. Aber das hätte mich wahrscheinlich auch verunsichert und es ist ja alles gut gegangen.

Eigentlich wollten wir heute zwanzig Meilen schaffen aber aufgrund der ganzen Flussdurchquerungen waren wir nicht schnell genug vorangekommen. Also beschlossen wir heute am dritten Shelter nach 15 Meilen zu stoppen. Gegen fünf verabschiedeten wir uns am Shelter von Barbarosa, Why Not?!, Carbon, B-Line und Truth. Sie alle wollen sich Zeit lassen auf den letzten Meilen um am 13. auf Katahdin zu steigen. Wir können uns leider nicht soviel Zeit lassen.

Auf halber Strecke zwischen diesem und dem Shelter danach, wir waren gerade mitten in einer Unterhaltung, raschelte es auf einmal rechts von uns und wir sahen in knapp zwanzig Meter Entfernung ein niedliches Bärenbaby völlig verschreckt den Hang hinunter und dann einen Baum hinauf sausen! So ein Bärenbaby ist ja niedlich, aber wo Babybär ist, ist Mamabär nicht weit! Zum Glück schrie unser Kleiner nicht nach seiner Mama und nach einer kurzen Diskussion wagten wir uns weiterzugehen.

Nicht mal eine halbe Meile später trafen wir auf Hancock und Gypsy. Sie waren gestern aufgebrochen, Gypsy war in den Big Wilson gefallen und hatte sich dabei anscheinend verkühlt. Heute hatten sie nicht mal fünf Meilen geschafft und fast den ganzen Tag dort im Zelt verbracht, damit Gypsy gesund werden könnte. Das ist gar nicht schön, hier draußen so krank zu sein, ich hoffe, es geht ihr schnell wieder gut. Die beiden sahen sonst immer so fröhlich aus und heute wirkten sie so ausgezehrt.

Den nachfolgenden Fluss konnten wir an der einen Stelle überspringen. Dafür war kurz vor dem Shelter dann nochmal ein Fluss, der wieder durchwatet werden musste. Hier hatten wir wieder ein Seil zum festhalten aber da die Strömung hier extrem stark war, bestand Frank darauf, meinen Rucksack für mich hinüberzutragen. Ich war zunächst zwar nicht so begeistert, weil er dadurch dreimal der Gefahr ins Wasser zu fallen ausgesetzt war. Als ich dann aber Wasser stand, war ich ihm sehr dankbar dafür. Es war schon gar nicht so einfach, das Gleichgewicht in dieser starken Strömung zu halten.

Wir kamen gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit am Shelter an. Zu unserer großen Überraschung trafen wir dort auf Yooper und Big Red! Wir freuten uns zwar, sie wiederzusehen, aber wir wussten auch gleich, dass etwas nicht in Ordnung war – schließlich haben sie in zwei Tagen nur die Strecke geschafft, die wir an einem Tag zurückgelegt haben. So ist es auch, Yooper fühlt sich angeschlagen und fürchtet schon, sich einen grippalen Infekt eingefangen zu haben. Mal sehen, wie es ihr morgen geht. Garbageman und Littlefoot haben es auch nicht so weit geschafft wie geplant und sind auch mit uns hier am Shelter.

Durch unsere späte Ankunft hatten wir heute endlich mal die Gelegenheit, den wunderschönen Sternenhimmel über Maine zu bewundern. Und mit dem heutigen Tag liegen noch weniger als hundert Meilen vor uns irgendwie schön aber auch traurig. Bei allen, die wir heute getroffen haben, haben wir uns gefragt, ob wir sie auf dem Trail nochmal sehen werden bevor wir fertig sind.

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