5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Highway 15 (Monson) nach Long Pond Stream Lean-to – 24,16km

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Natürlich mussten wir heute zum AYCE Frühstück bei Shaw’s. Es ist, wie das Hostel selbst, eine Institution auf dem Trail. Seit 1986 kümmern sie sich um die Wanderer, die von hier aus entweder zu ihrer letzten großen Etappe durch die 100-Miles-Wildernes aufbrechen oder diese auf dem Weg nach Süden gerade hinter sich gebracht haben. Zurück im Lakeshore House zog sich leider alles etwas hin. Es gab irgendein Missverständnis, so dass unser Shuttle erst um neun abfuhr.

Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Trail. Nach wenigen Metern begrüßte uns ein Warnschild in der 100-Miles-Wildernes. Man sollte für 10 Tage Essen dabei haben und nicht auf fremde Hilfe hoffen! Das ist ja vielleicht früher mal so gewesen, aber heute im Mobilfunkzeitalter ist es nicht mehr ganz so dramatisch. Außerdem sind es weder 100 Meilen noch ist es die totale Einöde. Es gibt einiges an Forststraßen (halt nur keine geteerten), das White House Landing Hostel nach 70 Meilen und die von uns genutzte Möglichkeit, sich Essen im Wald verstecken zu lassen.

Unser Problem sollten auch nicht fehlende Verpflegung oder Straßen werden. Wir mussten mit dem vielen Wasser fertig werden. Gleich den ersten Bach mussten wie durchwaten und dabei stand der noch nicht mal so im Profil. Das ließ schlimmes für den Rest des Tages erahnen. So war es dann auch. Alles voller Bäche, Rinnsale und Ströme, selbst der Trail stand unter Wasser. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis der Regen der letzten beiden Tage abgeflossen ist. Nach gut fünf Meilen kam der erste, richtige Fluss. Schuhe aus, Crocs an, vorsichtig ans andere Ufer gelangen, Crocs aus, Füße abtrocknen, Stiefel wieder an und weiter. Nach der späten Mittagspause kam der nächste Fluss und nur eine halbe Meile weiter noch einer. Dieses mal war ein Seil von Ufer zu Ufer gespannt. Das war wirklich praktisch, weil es von Fluss zu Fluss schwieriger wurde hinüber zu gelangen. Beim letzten, 0,8 Meilen vor dem Shelter, habe ich die Tour dreimal gemacht um auch Veronikas Rucksack zu holen. Die Strömung war irre stark, das Wasser ging schon mir bis übers Knie und ich fühle mich bei dem Gehangel am Seil und über rutschige Steine einfach sicherer. Insgesamt waren es heute also fünf Flussüberquerungen und jede davon kostet immer ungemein Zeit. Außerdem macht es die Orientierung schwierig wenn 70% aller Wegmarken im Profil Bäche sind und überall Wasser fließt!

20 Meilen waren so heute nicht mehr machbar. Alle anderen, Barbarosa, Why Not, B-Line, Carbon und Truth, blieben nach 10 Meilen am Shelter nach. Sie haben, im Gegensatz zu uns, genug Zeit und wollen sie sich auch nehmen. Wir mussten leider weiter. Das ging aber nicht ohne dass jeder noch ein Abschiedsfoto bekam. Wen wir jetzt zurücklassen, der holt uns jetzt wohl nicht mehr ein. Dafür ist die restliche Strecke einfach nicht lang genug. So macht sich langsam eine melancholische Abschiedsstimmung unter uns breit. Es war bzw. ist noch ein großes gemeinsames Abenteuer das seinem Ende entgegen geht.

Apropos Abenteuer: auf halbem Weg zum nächsten Shelter krachte es plötzlich 20 Meter vor uns im Unterholz und ein Bärenjunges floh bergab und in einen Baum hinauf. So süß es auch aussah, wo Babybär im Wald unterwegs ist, ist normalerweise Mamabär nicht weit und wenn Schwarzbären gefährlich werden, dann wenn sie hungrig sind oder ihre Jungen bedroht sehen! Unser Puls war am Anschlag und wir lauschten in den Wald hinein. Netter Weise hat der oder die Kleine nicht nach seiner Mutter gequiekt. Als nichts weiter passierte, haben wir beschlossen mit möglichst viel Lärm unseren Weg fortzusetzen. Wenn sie wissen, dass wir kommen verkrümeln sich die Bären eigentlich.

Um halb acht, es war schon recht dunkel, kamen wir am Long Pond Stream Shelter an. Es war zwar noch vor Sonnenuntergang aber in den Bergen ist das Licht wesentlich eher weg. Garbage Man und Little Foot hatten beschlossen heute auch nicht weiterzugehen und Yooper und Big Red sind hier! Sie haben gestern nur 10 Meilen und heute nur sechs geschafft. Yooper geht es nicht wirklich gut und sie schleppen riesige Essenssäcke. Gut dass wir leichter unterwegs sind! Mal sehen wie sie weiter kommen, denn wir müssen jetzt wirklich jeden Tag 20 Meilen schaffen.

Noch 159km (wir sind unter 100 Meilen!)

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