5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ein trüber, kalter Tag – Long Pond Stream Lean-to nach Carl A. Newhall Lean-to (mi 2107,3)

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Heute morgen war das Wetter trüb und die Stimmung wurde noch trüber. Yooper fühlte sich heute morgen noch kranker als gestern und nach langem Hin und Her und einigem Überlegen entschlossen die beiden sich dazu, hier vom Trail zu gehen. Sie werden an der Straße abgeholt, an der Little Engine, Timber und Ambassador heute abgesetzt werden. Yooper war völlig in Tränen aufgelöst, Big Red beschwichtigte jedoch gleich und meinte, dass sie wenigstens Katahdin auf jeden Fall besteigen wollen würden wenn es noch irgendwie möglich sei. Wir hoffen, dass Yooper sich schnell besser fühlt und die beiden doch noch zurück auf den Trail kommen und auch noch die 100 Meilen Wildnis machen können. Auch wenn der Gedanke, dass sie diese auslassen und mit uns gemeinsam auf Katahdin steigen sehr verführerisch ist. Ohne sicher zu wissen ob wir die beiden hier noch wiedersehen werden gehen zu müssen war heute morgen sehr schwierig und machte mich ganz traurig.

Mit Tränen in den Augen bewältigte ich die ersten Meter auf dem Trail. Ich sah nicht mal das Schild zum Sidetrail, der Yooper und Big Red zur Straße bringen sollte. Dann wurde es so kalt, dass das Kältegefühl und die Konzentration auf den Weg überhand nahmen. Wir alle holten unsere Handschuhe raus – das hatten wir schon lange nicht mehr. Oben auf dem Gipfel war die Aussicht wieder wunderschön hatte aber auch irgendwie etwas trauriges. Zwischendurch fing es sogar an zu regnen. Aber der Lichtstreif am Horizont war schon zu sehen – ein gutes Zeichen nicht nur in Hinsicht auf das Wetter? Es klarte auf, blieb aber den Rest des Tages ungewöhnlich kalt.

In der Pause beim ersten Shelter auf dem Trail trafen wir Littlefoot und Garbageman wieder. Die beiden klärten uns darüber auf, was unten im Tal auf uns wartete: ein Bog. Das ist eine Art Moorlandschaft, die auf den ersten Blick eher aussieht wie ein Moosteppich, auf den man durchaus treten kann. Kann man auch, ist aber eine schlechte Idee. Unter dem Moos ist nämlich nur Schlammwasser und das kann teilweise ganz schön tief sein. Garbageman selbst ist schon mal in so ein Loch geplumpst und wäre wohl alleine nicht mehr rausgekommen. Der Trail führt an dieser Stelle wieder über Bretterstege und die Landschaft sieht wunderschön aus.

Heute mussten wir dafür erstmal keine Flüsse durchwaten und kamen so in gewünschtem Tempo voran. Unsere Mittagspause hatten wir am Shelter nach zehn Meilen. Dort erzählten uns Littlefoot und Garbageman, dass wir vom nächsten Berg, von Chairback Mountain, Katahdin sehen könnten! Wir waren natürlich furchtbar aufgeregt als wir oben waren und hielten eifrigst Ausschau. Ich denke, wir haben ihn auch gesehen, ganz klein am Horizont, versteckt hinter den morgigen Bergen.

Am Nachmittag wartete dann nochmal ein Fluss auf uns, der durchwatet werden wollte. Im Guide wurde gewarnt, dass er „sehr breit und die Steine sehr schlüpfrig“ seien. Es war das einfachste und schönste Durchwaten bisher. Frank ließ mich sogar vorausgehen, weil die anderen sagten, dass es so einfach gewesen und der Fluss gerade mal knöcheltief war. Jetzt sieht man ihn auch mal von vorne beim Durchwaten eines Flusses.

Nach dem Fluss wurde der Trail richtig einfach. Es ging mit äußerst sanfter Steigung dahin und nach der ersten Wegmarke hatte ich unseren Schritt auf genau 2,8 Meilen pro Stunde getaktet, so dass wir zu Franks großer Freude schon um sieben am Shelter waren. Dort lag nur Wanderlust. Ich hatte schon oft seinen Namen gelesen und immer einen Deutschen dahinter vermutet. Es handelt sich jedoch um einen jungen Amerikaner, der sich aber bewusst für den deutschen Namen Wanderlust entschieden hat, weil er so gern wandert.

Als ich zum Wasserholen ging, fiel mir auf, dass ein heftiger, eiskalter Wind in starken Böen wehte. Das wird wohl eine richtig kalte Nacht heute. Zu unserer Überraschung tauchten kurz nach uns auch noch Garbageman und Littlefoot auf. Sie wollten ursprünglich eigentlich weiter gehen, waren dann aber auf eine Stelle mit schönen alten Bäumen gestoßen und hatten sich dort zu lange aufgehalten. Ich finde es schön, dass sie nochmal hier sind. Ab morgen werden sie uns wohl abhängen, sie wollen am neunten auf Katahdin stehen.

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