5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Das Ende ist in Sicht – Carl A. Newhall Lean-to nach Cooper Brook Falls Lean-to (mi 2126,2)

4 Kommentare

Brrr, war das kalt heute Nacht! Da hätte ich mir fast meinen alten Schlafsack zurück gewünscht. Man merkt halt doch, dass der neue nicht für ganz so kalte Temperaturen ausgelegt ist. Aber ich hatte ja noch ein paar mehr Schichten bereitgelegt, die ich dann auch angezogen habe. Und falls es noch kälter wird, habe ich auch immer noch Spielraum.

Als um sechs Uhr morgens der Wecker klingelte, steckten wir nur kurz die Nasen aus unseren Schlafsäcken und beschlossen sofort, dass es noch viel zu kalt war und wir lieber noch eine Stunde mit dem Aufstehen warten sollten. Um sieben standen wir dann aber sofort auf und stellten fest, dass Garbageman und Littlefoot schon längst weg waren. Sie wollten heute wirklich ernst machen und deutlich weiter kommen als wir geplant hatten.

Heute standen uns die letzten richtigen Berge vor Katahdin bevor. Nach sechs für die Steigung ziemlich schnell bewältigten Meilen waren wir auf dem Gipfel von White Cap Mountain. Es stand sogar in unserem Guide, dass man von hier einen Blick auf Katahdin habe. Wir konnten aber erstmal nichts sehen, was auch nur annähernd unserer Vorstellung von Katahdin entsprach. Ein freundlicher Tageswanderer gab uns schließlich den hilfreichen Tipp, dass wir nur dem Trail auf die andere Seite des Gipfels folgen müssten, dann würden wir ihn sofort erkennen. Wir hörten auf ihn, hatten ja nichts dabei zu verlieren, weil es eh unser Weg war. Und tatsächlich, da war er! Unverkennbar ragte er wild, steil und felsig am Ende einer Ebene stolz in die Höhe. Ich fand ihn ziemlich einschüchternd, Frank war vor allem begeistert von diesem beeindruckenden Berg, auf den wir nun schon so viele Monate zugelaufen sind.

Beim nachfolgenden Shelter am Fuße des Berges hatten sich zwei Leute schon schlaffertig eingerichtet – wir hatten noch nicht mal unsere Mittagspause gehabt. Littlefoot und Garbageman hatten uns eine Nachricht im Shelterlog hinterlassen. In den letzten Tagen finden wir in den Logs öfter Nachrichten von unseren Mitwanderern an uns, das ist echt schön. Wie auch wir haben alle Angst davor, dass mit dem Ende unserer Wanderung auch das Ende unserer wunderbaren Trailgemeinschaft droht. Es gibt viele Dinge hier, die ich bestimmt nicht vermissen werde, wie das Fertigessen und die nassen, stinkigen Klamotten aber die Leute auf dem Trail und den Umgang untereinander hier werde ich mir sicher oft zurückwünschen.

Das nächste Shelter war das Pleasant River Lean-to, der Weg dorthin war wie erwartet schön flach und wir kamen gut voran. Am Shelter trafen wir eine alte Bekannte, Wicked Wakani (so hatte ich ihren Namen verstanden), eine Sectionhikerin, die wir im Shenandoah National Park kurz vor und nach Luray getroffen hatten. Sie erinnerte sich noch an uns und erkannte uns sofort, wir brauchten etwas länger – wir haben zwischenzeitlich aber auch ein paar mehr Trailmeilen hinter uns gebracht. Verrückt und schön, wie der Trail uns manche Leute wiedertreffen lässt! Danach eilten wir fix weiter zu unserem Eimer mit den Vorräten für die nächsten beiden Tage. Als ich meinte, das sei fast wie selbstgemachte Trail Magic kam mir auf einmal die Idee, die ich vor drei Tagen in Monson hätte haben müssen: wir hätten uns dort jeder einen Softdrink reinpacken sollen, wir dürfen ja eh unseren Müll im Eimer zurücklassen! Jetzt war es dafür zu spät, aber wir freuten uns auch so auf all die Leckereien in unserem Eimer. Für die letzten Tage haben wir uns nochmal mit all unseren Lieblingsessen vom Trail eingedeckt.

Nach dem Eimer wurde der Trail noch flacher und wir kamen mit fast drei Meilen pro Stunde voran. Trotz unseres späten Aufbruchs heute morgen waren wir schon um kurz nach halb sieben hier am Cooper Brook Falls Lean-to. Wanderlust war auch schon wieder da. Heute hab ich ihn mal ohne Mütze gesehen – ich hätte ihn fast nicht erkannt mit seiner beeindruckend fülligen Haarpracht! Es fühlt sich so an, als würde es heute Nacht wieder recht kalt werden. Nach den Erfahrungen von letzter Nacht ziehen wir also vor, im Zelt zu schlafen. Der Temperaturunterschied ist wirklich beachtlich. Während draußen nur zehn Grad sind haben wir hier drinnen immerhin noch fünfzehn.

4 Kommentare zu “Das Ende ist in Sicht – Carl A. Newhall Lean-to nach Cooper Brook Falls Lean-to (mi 2126,2)

  1. Hey,

    nachdem ihr ja den Appalachian Trail so toll gemiestert habt,
    fallen mir vor allen Dingen tausende von Fragen ein 🙂
    Können wir die euch stellen? (Ich will euch jetzt nicht zu dem Thema nerven, oder so)
    Lg

    Maeva

  2. Maeva geht mir genau so…
    ich warte noch eine weile bis sie sich melden.

    lg Michu

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s