5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Goldsuchen und Grabenbuddeln – Cooper Brook Falls Lean-to nach Wadleigh Stream Lean-to (mi 2147,7)

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Auch heute wollten wir vor sieben nicht die Nase aus dem Zelt stecken, es war wie erwartet ziemlich kalt geworden letzte Nacht. Im Zelt war das zwar nicht ganz so schlimm, aber man merkt ja trotzdem wie kalt es draußen ist. Als wir einmal auf waren haben wir recht fix unsere Sachen zusammengepackt und dann ging es schon los.

Heute war die Strecke wirklich angenehm und meist auch recht flach so dass wir wie erhofft gut vorangekommen sind. Wir kamen an einigen großen Seen vorbei, die mit ihren Sandstränden einen sehr einladenden Eindruck machten. Wanderlust badete voller Vergnügen an einem dieser Strände als wir gerade vorbeiliefen. Wir gingen aber weiter zum Shelter, die letzten Tage war es uns doch etwas zu frisch gewesen zum Baden. Dadurch waren wir dann schon um ein Uhr mittags am Shelter, an dem wir unsere Mittagspause machen wollten.

Der Trail blieb weiterhin recht flach und angenehm, zwischendurch warteten aber immer wieder die üblichen Ärgernisse wie Schlammlöcher, Steine und ganz viele Wurzeln auf uns. Immerhin blieb uns das Durchwaten von Flüssen heute erspart, wir konnten stets gut von Stein zu Stein hüpfen. Kurz nach dem Shelter kamen wir am Zugang zu Whitehouse Landing vorbei. Leider hatten wir nicht die Zeit, dort für die Nacht einzukehren, da wir sonst für die nächsten beiden Tage zu viele Meilen vor uns hätten.

In unserem Guide stand, dass die Wasserstelle am Wadleigh Stream Lean-to gerne auch mal unzuverlässig ist und im Sommer austrocknet. Nach dem vielen Regen in letzter Zeit konnten wir uns das zwar nicht so ganz vorstellen, aber sicher ist sicher und deswegen füllten wir am letzten Bächlein vorm Shelter nochmal unsere Wasserflaschen auf. Ich guck ja fast jedes Mal beim Wasserholen, ob mir da nicht Rubine oder Smaragde entgegen glitzern, weil Yooper von einem Bach bei Hot Springs erzählt hat, wo man angeblich sowas findet. Nachdem David uns einen Fluss gezeigt hatte, wo man Touristen nach Gold schürfen lässt, halte ich jetzt auch immer Ausschau nach Goldnuggets. Und heute blitzte mich auf einmal etwas golden aus dem Bachbett an während ich fleißig pumpte. Natürlich versuchte ich, genauer zu untersuchen, ob es sich um Gold handelte. Das ganze versuchte ich so unauffällig wie möglich während des Filterns da ich mir für den zu erwartenden Fall, dass es nur irgendein Glimmer war, ersparen wollte von Frank ausgelacht zu werden. Das hatte zur Folge, dass mein linker Fuß auf einmal vom Felsen rutschte und schön ins Wasser platschte. Der Schuh war nass, das Wasser war so aufgewühlt, dass erstmal nicht mehr an Pumpen zu denken war und mein Goldstückchen war auch im aufgewühlten Dreck verborgen. Immerhin hatte Frank von all dem Trubel, den ich veranstaltete nichts mitgekriegt. Nachdem sich das Wasser wieder geklärt hatte, pumpte ich zuerst brav die letzten Flaschen voll, dann suchte ich nach Gold – wo ein Klümpchen ist wird das nächste sicher nicht weit sein. Und tatsächlich sah ich es wieder glitzern. Diesmal schaffte ich es mir den Stein zu schnappen. Es war leider wirklich nur Glimmer auf einem Steinchen, der so verführerisch gefunkelt hatte.

Nachdem ich Frank dann doch von meinen Abenteuern berichtet und er sich darüber amüsiert hatte, konnte es weiter zum Shelter gehen. Zu unserer Überraschung wartete dort kein Wanderlust auf uns. Wir machten uns dann aber weiter keine Gedanken, da wir vermuteten, dass er versuchte, die Gruppe Thru-Hiker vor uns noch einzuholen, um mit ihnen gemeinsam Katahdin besteigen zu können. Da es in den letzten Nächten so kalt gewesen war, wollten wir lieber wieder im Zelt schlafen. Ärgerlicherweise waren eigentlich keine vernünftigen Zeltplätze am Shelter vorhanden, überall stachen Wurzeln und Steine hervor. Der Caretaker hatte dieses Problem erkannt und wahrscheinlich mit viel Mühe eine Zeltplattform aus aufgeschütteter Erde, die zur Befestigung mit großen Steinen umrandet war, gebaut. Unser Riesenzelt fand gerade so mühsam Platz darauf, wenn wir die Eckstangen gekonnt durch Schlitze zwischen den Gesteinsbrocken steckten. Die größte Herausforderung war, dass es – noch während wir nur mit der Bodenplane nach der optimalen Position suchten – plötzlich anfing zu regnen. Nun musste also alles sehr schnell gehen und wir konnten nicht mehr wirklich rumprobieren, wie das Zelt am besten zu stellen wäre. Schlussendlich gab es aber auch keine Alternativen, da die Löcher zwischen den Steinen nur diese eine Position erlaubten. Und wir waren gerade rechtzeitig fertig bevor es draußen so richtig losging und konnten uns und unsere Sachen noch halbwegs trocken im Sicherheit bringen.

Wir zogen uns im Zelt um und warfen uns in unsere Regenklamotten, um auf dem Weg zum Shelter nicht völlig durchzuweichen. Bis wir abmarschbereit waren und all unsere Kochutensilien transportbereit zusammengepackt hatten, hatte es auch schon wieder fast aufgehört zu regnen und wir wurden gar nicht nass. Nach dem Essen zurück im Zelt regnete es wieder heftiger und mir fiel auf, dass das Wasser an meinem Kopfende nicht von der Plattform abfloss sondern anfing, eine Pfütze zu bilden. Um in der Nacht nicht weggeschwemmt zu werden, schnappte ich mir einen von den unbenutzten Heringen und kratzte einen kleinen Abflussgraben zwischen zwei Steine. Die Wirkung setzte prompt ein und inzwischen ist die komplette Pfütze abgeflossen, nur die Erde ist noch etwas feucht. Ich hoffe, das war die einzige solche Stelle und wir erleben keine bösen Überraschungen heute Nacht! Der Regen ist jetzt nämlich immer noch ganz schön stark. Außerdem wünsche ich mir, dass wir morgen unsere vielen Meilen nicht im Dauerregen zurücklegen müssen, das wäre äußerst unangenehm. Morgen wollen wir es nämlich wenn möglich bis Abol Bridge schaffen und damit die Wildnis hinter uns lassen.

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