5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wadleigh Stream Lean-to nach Abol Bridge Campground – 36,96km

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Egal wann ich nachts aufgewacht bin, es hat geregnet. Erst in den frühen Morgenstunden wurde es besser und als wir dann um sechs aufgestanden sind, konnte von Regen schon keine Rede mehr sein. Es tröpfelte nur noch von den Bäumen, sobald ein wenig Wind aufkam. So ganz wollten wir dem Himmel aber noch nicht trauen. Es sah schon noch ganz schön grau um uns herum aus. Also sind wir erstmal in unseren Regensachen gestartet.

Nach kurzer Zeit konnten bzw. mussten wir aber aus ihnen raus. Und dann auch gleich wieder rein. Regen, Sonne, Windböen die den halben Wald entwurzeln wollen, es wurde so ziemlich alles geboten, was das Wetterrepertoire hergab. Vor allem der starke Wind war etwas gefährlich. Veronika hielt die ganze Zeit Ausschau nach halb herabgestürzten Stämmen, die über uns knarzten, und immer wenn sie besonders bedrohlich klangen, haben wir zugesehen, schnell drunter durch zu kommen. Als wir auf den Rainbow Ledges, den Regenbogenklippen, ankamen, hatte der seltsame Wettermix auch etwas gutes. Wir konnten den in den Wolken liegenden Gipfel von Katahdin sehen und davor einen der namensgebenden Regenbögen.

Der Weg war heute zwar fast vollständig flach, aber es ging den halben Tag über Wurzeln, was ja meinen großen Zehen bekanntlich nicht besonders gut tut. Zwischenzeitlich dachten wir nicht mehr, dass wir es noch rechtzeitig bis Abol Bridge schaffen würden. Irgendwann wurde der Untergrund dann angenehmer und wir konnten die zweite hälfte des Tages in Richtung Campingplatz rennen. Die hohe Geschwindigkeit war auch nötig! Als wir um zwanzig vor sechs am letzten Shelter in der Wilderness waren, hatten wir noch eine Stunde und zwanzig Minuten bis der Campstore und noch viel wichtiger das Restaurant zu machen würden. Die letzten dreieinhalb Meilen bis dorthin sind wir geradezu geflogen! Um viertel vor sieben kamen an der Golden Road an und von dort waren es nur noch 500 Meter bis zum Ziel.

Der Blick von der Brücke auf den Berg sah auch so aus, als wären es nicht mehr viel mehr als ein paar hundert Meter bis zum Ende des Weges. Ganz nahe vor uns türmte sich Katahdin auf. Da erwartet uns übermorgen ein wirklich steiler Anstieg! Im Profil sieht es so aus, als ob es einfach senkrecht nach oben geht. Apropos Profil: wir sind auf der letzten Seite angekommen! Vor nicht allzu langer Zeit war das Buch noch ganz schön dick und jetzt ist fast nichts mehr von ihm übrig. In den vergangenen Tagen waren wir aber auch schnell unterwegs. Obwohl es am Anfang der 100-Miles-Wilderness etwas beschwerlich war mit den all den Flussüberquerungen, haben wir es in den geplanten fünf Tagen geschafft.

Als wir am Abol Bridge Camground ankamen waren sowohl der Laden als auch das Restaurant noch offen. Wir hatten ja gehofft, hier ein paar andere Thru-Hiker einzuholen, aber leider waren wir dann doch ganz alleine hier. Geoffrey, ein Section Hiker, hat uns erzählt, dass sie heute alle weitergestürmt sind, weil für Dienstag und Mittwoch schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Ich habe ganz kurz überlegt, ob es Sinn macht, heute noch die restlichen zehn Meilen zu gehen, diese Idee dann aber recht schnell verworfen. Körperlich hätten wir es bestimmt geschafft, nur wäre das dann unser längster Tag geworden, wir wären mindestens drei Stunden im Dunklen unterwegs gewesen und hätten ja morgen auch schon wieder vor sechs aufstehen müssen. So bleibt uns nur die Hoffnung, dass sich der Wetterbericht mal wieder irrt. Solange sie den Berg nicht sperren werden wir es am Dienstag versuchen!

Obwohl hier wirklich viele Wanderer unterwegs sind, gibt es auf dem Campingplatz ausschließlich Schotter Plätze. Anscheinend sind sie nur auf Wohnmobile eingestellt, denn auf diesem Untergrund kann man nicht wirklich ein Zelt aufstellen. Außer man schleppt eine schwere, dicke Plane mit, wie Geoffrey. Neben unserem zugewiesenen Platz konnten wir im Schein unserer Stirnlampen ein winzig kleines Stückchen Wiese sehen und wir haben beschlossen, einfach die dummen Ausländer zu spielen und unser Zelt dort aufzustellen. Da die nächste Stadt, Millinocket, gute 30 Kilometer weit weg ist, liegen wir jetzt unter einem irren Sternenhimmel. Das wird wohl wieder eine kalte Nacht…

Noch 24km

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