5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die letzten Meilen vor Katahdin – Abol Bridge Campground nach The Birches Lean-tos (mi 2180,8)

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Heute konnten wir ausschlafen, weil wir ja nur so wenig Meilen auf flachem Gelände bei gutem Wetter vor uns hatten. Morgens war noch eine Elchmutter mit Baby im Wasser neben dem Campingplatz gewesen, als wir nach den beiden Ausschau hielten, waren sie aber schon wieder im Wald verschwunden.

Das Frühstück im Campstore war enttäuschend, es gab nur Zimtschnecken zum Aufwärmen. Also beschlossen wir, lieber nur jeder einen Whoopie Pie und einen Kaffee bzw. Tee mitzunehmen und auf der Brücke mit Blick auf Katahdin zu frühstücken. Die Dusche ließen wir ausfallen, wir tragen unseren Dreck voller Stolz auf Katahdin. Naja, genauer gesagt war es heute früh so kalt, dass wir uns nicht dazu überwinden konnten, in die Dusche auf dem Campingplatz, die in einem zugigen Gebäude untergebracht war, zu hüpfen. Morgen Abend duschen wir in der Stadt, das wird dann viel angenehmer sein!

Nach dem Frühstück packten wir gemütlich unsere Sachen zusammen, dann ging es nochmal zum Campstore, Sandwiches und Getränke für tagsüber einzukaufen. Da Frank keinen Platz in seinem Rucksack hatte, packte ich sein Sandwich bei mir mit rein. Dafür musste er dann die Getränke für uns beide tragen, die aus einem Liter Gatorade für jeden bestanden. Mir zog sich schon so ein bisschen das Herz zusammen und ich fühlte mich ganz nostalgisch als wir im Campstore ein letztes Mal unsere Vorräte auffüllten. Ich kann mir noch gar nicht richtig vorstellen, dass das morgen schon alles vorbei sein soll. Und auch wenn ich in den letzten Wochen nur noch fertig werden wollte, jetzt wo wir so kurz vor dem Ziel sind wünschte ich fast, es würde noch länger dauern. Aber nur, wenn es nicht regnet und nicht zu kalt wird! Moskitos oder andere Beissviecher dürften dann natürlich auch nicht mehr da sein – vielleicht ist es doch gut, dass morgen alles vorbei ist.

Der Weg war zunächst sehr einfaches Gelände, eigentlich mehr ein Parkweg. Es ging ja auch in den Baxter State Park. Am Eingang mussten wir uns für die Übernachtung in dem Shelter dort registrieren. Außer uns war nur Geoffrey, ein Sectionhiker, den wir am Campingplatz kennengelernt hatten, eingetragen. So brauchten wir uns immerhin keine Sorgen zu machen, dass wir dort nicht unterkämen.

Danach wurde das Gelände etwas hubbeliger, aber an sich war es immer noch angenehm. Dort sollten wir zweimal auf den Fluss Nesowadnehunk stoßen, den wir durchwaten mussten. Es gab auch einen Hochwasserweg außenrum, der einem das Durchwaten ersparte. Nachdem Geoffrey und ein entgegen kommender Tageswanderer beide diesen Weg genommen hatten, war auch ich stark versucht, dem Durchwaten zu entgehen. Aber Frank meinte, wir sollten jetzt auf den letzten Meilen nicht anfangen mit irgendwelchen Umgehungen, das hätten wir bisher schließlich auch nicht gemacht.

Wir gingen also runter zum Ufer des Nesowadnehunk und suchten nach der günstigsten Stelle für die Überquerung. Die Strecke flussaufwärts, die ich ausgeguckt hatte, war ziemlich tief, also gingen wir zurück dorthin, wo der Trail auf den Fluss stieß. Frank meinte, hier sei es besser und ich solle lieber hier rüber kommen als oben, wo er durchgegangen war. Und plötzlich hatte ich eine Panikattacke, keine Ahnung wieso. Wäre ein Seil da gewesen, wäre ich wahrscheinlich ohne mit der Wimper zu zucken durch. So aber hab ich gescheut wie ein Pferd und wollte einfach nicht. Frank war so lieb, nicht nur nochmal zurückzukommen um meine Stiefel und meinen Rucksack sicher rüber ans andere Ufer zu bringen, er kam sogar noch ein weiteres Mal zurück gewatet, um mich hinüber zu geleiten. Dabei zeigte er mir jeden Schritt an und nahm am Ende sogar meine Hand, damit ich mich sicherer fühlen konnte. Der Southbounder, der sich das Spektakel von Anfang bis Ende angesehen hatte, muss danach völlig verunsichert gewesen sein. Es war sein erstes Fording und der arme Kerl wählte nicht nur die ungünstigste Stelle – es muss echt erschreckend ausgesehen haben, was ich an der guten Stelle fabriziert habe – er verlor auch gleich noch einen seiner Crocs. Was für ein trauriger Start!

Den zweiten Arm des Nesowadnehunk mussten wir zum Glück nicht durchwaten, da konnten wir wieder von Stein zu Stein springen. Das war gut, das kann ich und ich fühlte mich wieder sicherer.

Danach ging es dann viel schneller voran. Wir waren inzwischen gar nicht mehr so früh dran, wie erhofft und zogen das Tempo etwas an, um die anderen beim Runterkommen von Katahdin noch abpassen zu können. Außerdem beschlossen wir, erst dort am Fuß des Berges Mittag zu essen. Es war so ein wunderschöner Tag zum wandern heute und der Wald war ein einziger Traum mit seinem Moos, seinen Seen und Flüssen. Wie schön kann es doch hier draußen sein! Ich werde Maine und den Wald vermissen!!!

Wir kamen zum perfekten Zeitpunkt am Katahdin Stream Campground an. Shweasle kam gerade runter, sogar er war heute mal ganz euphorisch und ließ sich dazu hinreißen, gemeinsam mit Handstand zu versuchen, einen Handstand zu machen. Außer den beiden waren noch Littlefoot und Garbageman, Daddy Long Legs, Slim Jim und viele weitere Thru-Hiker heute oben auf Katahdin gewesen, insgesamt über zwanzig Leute, die alle großartige Fotos im schönsten Sonnenschein auf Katahdin hatte . Und wir waren die einzigen, die morgen hoch wollten und für uns ist auch noch schlechtes Wetter angesagt. Auch wenn wir uns sehr freuten, all die Leute heute nochmal zu sehen, waren wir sehr traurig, weil wir fürchteten, dass wir morgen die einzigen beiden Thru-Hiker sein würden.

Wir warteten gemeinsam mit den anderen auf den Shuttle vom Hostel, der sie abholen sollte. Die Ranger hatten morgens gesagt, er käme zwischen drei und vier. Aber er kam nicht und von den Rangern war auch keiner da und von uns hatte natürlich keiner Netz. Wie wir später erfuhren, hätten die Ranger den Shuttle nochmal telefonisch bestellen müssen. Da keiner da war, gingen schließlich alle zum Parkplatz und versuchten dort, Mitfahrgelegenheiten zu finden, was allen auch sehr schnell gelang.

Wir hatten auf die Ranger gewartet, um uns gleich für morgen früh für den Aufstieg auf Katahdin zu registrieren, damit wir im Zweifelsfall auch schon hoch können, bevor sie ihr Büro öffnen. Wir fürchten ja, dass der Regen eher mittags bis nachmittags aufziehen wird und nicht schon morgens und hoffen, ihm so entgehen zu können.

Auch am Shelter waren nur Geoffrey und wir beide und wir waren inzwischen schon richtig traurig, dass wir die einzigen Thru-Hiker sind. Plötzlich gegen sieben Uhr abends, es wurde schon dunkel, hörten wir Stimmen auf das Shelter zukommen. Dann hieß es „Guten Tag!“. Es waren Timber und Little Engine mit Ambassador!!!!! Sie hatten die schlechte Wettervorhersage gesehen und sich extra beeilt, um mit uns morgen oben sein zu können, da die Prognose für übermorgen noch schlechter ist. Was für eine großartige Überraschung! Nicht nur, dass wir morgen nicht die einzigen Thru-Hiker sind, es sind diese drei!

Geoffrey machte ein Lagerfeuer, um das sich dann Timber kümmerte. Wir aßen gemeinsam unsere Vorräte auf, bis auf das, was wir morgen brauchen. Geoffrey hatte sogar Whiskey dabei, den er mit uns teilte – er ist wirklich ein vorbildlicher Sectionhiker. Wie jeden Abend spielte Ambassador auf seiner Gitarre. Was für ein perfekter letzter Abend!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass wir morgen gutes Wetter haben bis wir runter von dem Berg sind!

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