5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

The Birches Lean-tos nach Mount Katahdin, Baxter Peak – 8,16km

Ein Kommentar

Heute war es also wirklich soweit: der letzte Wandertag unserer Reise. Um es vor dem möglichen Regen hoch und wieder runter zu schaffen, sind wir trotz der Kälte um halb sechs aufgestanden. Frühstücken, das Zelt abbauen und alle unsere Sachen einpacken, eigentlich war es wie an jedem anderen Tag. Es war aber ein wirklich seltsames Gefühl, sich auf diese letzten Meilen vorzubereiten. Einerseits war es wie jeden Morgen in den vergangenen Monaten, andererseits hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich das heute alles zum letzten Mal mache.

Nachdem uns Little Engine nochmal für ihren Videoblog interviewt hat, ging es zurück zum Zeltplatz, wo wir unsere Rucksäcke an der Rangerstation zurückgelassen und uns für den Aufstieg eingetragen haben. Da dieser als einer der schwierigsten des ganzen Trails gilt, hatten wir uns schon gestern kleine Tagesrucksäcke ausgeliehen. Die wurden mit Wasser, Essen und Regensachen gefüllt, mehr würden wir hoffentlich nicht brauchen. Ich habe nicht mal meine Stöcke mitgenommen, weil wir über weite Strecken wohl sowieso klettern müssten und ich da lieber meine Hände frei habe. Kalt wie es um Viertel nach sieben noch war, mussten wir sogar unsere Handschuhe anziehen. Zusammen mit Geoffrey ging es auf den Weg hoch auf Katahdin, aufs Baxter Peak um genau zu sein.

Am Anfang war es eine ziemlich einfache Wanderung. Erst nach den Katahdin Streams Falls wurde es anspruchsvoller. Schon dort mussten wir Geoffrey hinter uns lassen. Wir waren einfach zu schnell für ihn. Dabei lag der wirklich schwierige Teil erst noch vor uns! Kurz nachdem wir von Timber, Little Engine und Ambassador überholt wurden, kamen wir über die Baumgrenze. Da ging es dann richtig zur Sache! Wie schon in den White Mountains türmten sich die Felsen vor uns auf. Nur waren sie diesmal groß wie Lastwagen. Diese letzten Meilen waren wirklich ein würdiger und dramatischer Abschluss für diesen langen Weg! Wir kamen teilweise nur auf allen Vieren voran. Zumindest war das Wetter gut. Es war zwar bewölkt, aber die Sicht war relativ gut und vor allem sah es nicht nach Regen aus. Um zehn hatten wir den steilsten Teil geschafft und die Tablelands erreicht. Das ist ein Hochplateau auf dem es nochmal anderthalb Meilen bis zum letzten Anstieg auf den Gipfel ging. So ganz genau wussten wir nicht, wo der sein sollte. Irgendwo auf dem Grat am Ende der Ebene, soviel war klar. Der Gipfel an dessen Ende schien mir aber doch etwas weit weg.

Nach einer Meile konnten wir plötzlich Gejohle und Gebrüll von oben hören. Die anderen drei waren anscheinend angekommen und das Schild musste genau auf der Mitte des Kamms stehen. 15 Minuten später um 10:45 Uhr am 10. September 2013, nach 176 Tagen und 3.498 Kilometern waren wir da: Baxter Peak auf Mount Katahdin, das nördliche Ende des Appalachian Trails. Wir haben es wirklich geschafft!!! Manchmal war ich mir nicht sicher, ob diese Aufgabe nicht doch ein wenig zu groß für mich sei und nun standen wir wirklich dort oben! Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis es mir wirklich klar ist, wie weit wir da gelaufen sind. Fünfmal von Hamburg nach München, dass ich sowas mal freiwillig machen würde, hätte vor einigen Jahren wohl niemand gedacht. Ich am allerwenigsten!

Natürlich mussten wir ohne Ende Fotos schießen. Gut dass auch noch ein paar Tageswanderer da waren. So haben wir auch ein Gruppenfoto mit Little Engine, Timber und Ambassador. Zusammen mit ihnen haben wir dann auf dem Gipfel Mittag gegessen um uns für den Abstieg zu stärken. Zwischendurch kamen immer wieder Tageswanderer, die uns zu unserem Erfolg beglückwünschen wollten. Die ungläubigen Blicke waren schon schmeichelnd fürs Ego. Nachdem wir bisher auf die Frage, ob wir Thru-Hiker seien, immer geantwortet haben, dass wir versuchen würden solche zu werden, konnten wir jetzt endlich einfach ja sagen!

Eine letzte Aufgabe hatten wir noch. Der aufmerksame Leser weiß ja, dass wir jeder drei Steine dabei hatten: zwei Glückssteine von meinen Großmüttern und einen Stein von Springer Mountain. Den ganzen Weg hatten wir sie in unseren Rucksäcken um sie auf dem Gipfel von Katahdin abzulegen. Neben dem Schild steht eine zwei Meter hohe Pyramide auf der neben vielen anderen jetzt auch unsere Steine liegen. Ich war dann fürchterlich aufgeregt, weil ich im Gegensatz zu Veronika noch ein viertes Steinchen dabei hatte. Das steckt jetzt an ihrem Finger und sie hat es den Berg wieder runter getragen. Nach unserem Abenteuer in den USA stürzen wir uns nun in ein noch viel größeres…

Auf dem Weg nach unten wurden wir von einem Sectionhiker begleitet, der morgen gen Süden in die 100-Miles-Wilderness startet. Es war leichter als der Aufstieg vermuten ließ, da wir immer wieder einfach hinunter rutschen konnten. Kaum waren wir wieder in den Bäumen, begann es zu tröpfeln. Ein richtiger Regen wurde glücklicher Weise aber nicht daraus. So kamen wir trocken wieder unten am Camground an. Dort tauchten dann Strawberry Donut und Whistler auf. Die beiden steigen morgen auf. Anscheinend sollten sie das Pech haben, alleine anzukommen. (Dem war dann aber nicht so.) Als auch Timber, Little Engine und Ambassador da waren, sagte der Ranger dem Hostel in Millinocket Bescheid und wir wurden eine Stunde später abgeholt.

Wir hatten das Glück, in der Appalachian Trail Lodge noch ein Einzelzimmer zu bekommen. Außerdem war auch Handstand noch da! Sie ist nicht mit F.I.G. nach Portland gefahren, sondern hat auf uns gewartet! Nachdem wir geduscht hatten und uns mit Leihklamotten aus dem Hostel stadtfein gemacht haben, ging es ins beste Restaurant im Ort, wo wir mit den Dreien, die mit uns auf Katahdin standen, den Abschluss unserer Wanderung gefeiert haben. Da wir in Maine waren, gab es natürlich Surf ’n‘ Turf, Hummer und Steak! Ein großer Tag geht jetzt zu Ende und morgen müssen wir nicht wandern…

Noch 0km! NULL!!!

Ein Kommentar zu “The Birches Lean-tos nach Mount Katahdin, Baxter Peak – 8,16km

  1. Ist das romantisch!!! Ich freue mich für euch, herzliche Gratulation! Und im Videoblogg habe ich euch schon vorher gesehen! Top Leistung, wie schon gesagt, das kann nur die beste Voraussetzung für das Eheleben werden!

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