5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Das liebe Geld

11 Kommentare

Eine der immer wieder gestellten Fragen ist ja, was so eine Wanderung kostet. Wie meistens im Leben lautet die Antwort: „Es kommt drauf an.“ Man kann unheimlich günstig unterwegs sein, es kann aber auch ganz schön teuer werden. Im Wesentlichen hängt es davon ab, wie oft man sich in Städten aufhält, welchen Anspruch man dort an die Unterkünfte hat, was man gerne isst und vor allem, wie viel Geld man zur Verfügung hat.

Wir beiden hatten vorher lange gespart um uns auf keinen Fall unterwegs fragen zu müssen, ob wir uns dieses Essen oder jenes Hotel noch leisten könnten. Grundsätzlich würde ich sagen, dass man auf jeden Fall eine große Sicherheitsmarge haben sollte! Es kann immer passieren, dass man krank wird, dass Ausrüstung kaputt geht oder dass man wegen schlechten Wetters länger als geplant in einer Stadt festhängt. Das hat in unserem Fall den letzten Posten in der Aufstellung unten gehörig aufgebläht. Bis knapp zur Hälfte, nach Harpers Ferry, waren wir mit 2,50$ pro Meile unterwegs. Danach wurde es dann teuer. Erst einmal haben wir dort für eine Woche auf Grund von Veronikas Fieber festgehangen und die Unterkünfte in dieser Gegend sind sehr teuer. Genauso teuer war es dann auch während der Hitzewelle, in der wir immer wieder in Städte flüchten mussten. Im Süden hat man noch Zimmer für 40 bis 60 Dollar gefunden. Je weiter wir nach Norden kamen, umso mehr ging es in Richtung 80 bis 100 Dollar für zwei. Selbst die Hostels wollten dann mindestens 20$ pro Bunkbett. Da wir als Paar unterwegs waren, haben wir auch versucht eher in Motels oder Hotels zu übernachten, als in Hostels, in denen man sich mit zwanzig weiteren Personen einen Raum teilt.

Auch unsere Essgewohnheiten haben die Reise verteuert. Während wir so um die 65 bis 80 Dollar für uns zwei für drei Tage essen gebraucht haben, haben es andere mit 20 bis 25 Dollar pro Nase geschafft. Das geht dann natürlich zu Lasten des Geschmacks! Es geht auch noch wesentlich teurer. Einige Mitwanderer haben sich über weite Strecken von Mountain House Dinners ernährt. Die sind echt lecker, aber mit sechs bis acht Dollar pro Mahlzeit eigentlich auf Dauer nicht bezahlbar. Bei uns haben sich vor allem das Beef Jerky (für die Proteine) und die Clif Bars (ein bis zwei Dollar pro Energieriegel) aufs Budget ausgewirkt. Bei den Kosten fürs Essen muss man sich dann noch eine letzte Frage stellen: „Kann ich mich in den Städten dauerhaft von Burgern und Pizza ernähren?“ Wenn ja, dann braucht man dort nicht viel Geld. Als wir jedoch weiter nach Norden kamen, hatten wir all das Fastfood ziemlich satt und wollten „richtiges“ Essen. Das gibt es dann auch zunehmend in recht guter Qualität. Und zu entsprechenden Preisen…

Was man dann noch bedenken muss: die USA sind nur scheinbar günstig! Die angegebenen Preise sind nur selten die, die man letztendlich bezahlt. Zuerst einmal kommt auf alles Steuern. Mal 10% und mal 15% abhängig vom Bundeststaat und davon ob es eine Restaurant-, Motel- oder Supermarktrechnung ist. In Restaurants kommen dann nochmal gigantische 20% Trinkgeld dazu! Das liegt dort einfach am Mindestlohn von 3,25$ pro Stunde. Wenn man nur 10% gibt, war man entweder extrem unzufrieden mit dem Service oder man kommt aus der amerikanischen Provinz oder man ist ein unfreundlicher Ausländer…

Als letztes: ja, die USA sind das Land der Kreditkarten! Aber Bargeld wird überall gerne genommen. Teilweise kann man als Barzahler in Hotels oder Motels auch noch Rabatte aushandeln. Man sollte sich die Vertragsbedingungen seiner Kreditkarte genau ansehen. Wir hatten zum Beispiel Karten von einer Direktbank, bei der die weltweite Bargeldabhebung kostenlos ist, bei Kreditkartenzahlungen aber nochmal 1,75% Gebühren anfallen. Meistens hatten wir also eine kleine Reserve in bar dabei und sobald wir in eine Stadt kamen, haben wir das, was wir dort brauchten, abgehoben. Da entwickelt man recht schnell ein Gefühl für. Einige Automaten, vor allem in Tankstellen, belasten zusätzlich noch ein bis drei Dollar. Das muss man dann mit seiner Bank klären. Von meiner wurde mir zugesichert, dass diese nachträglich erstattet werden.

Hier also die Aufstellung, was wir pro Person gebraucht haben. Alle Beträge sind in Euro. Das heißt vor allem für die Kosten vor Ort, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielt. Der variierte während unserer Tour zwischen 1,23 und 1,31 Dollar pro Euro!

  • Ausrüstung: 2.500€ (wir haben alles neu kaufen müssen)
  • Visum und Botschaftstermin: 321€ (Visagebühren, Passfotos, Gebühren für den Interviewtermin und Zugtickets)
  • Nachsendeauftrag: 25€
  • An- und Abreise zum Flughafen: 165€ (Zugtickets von Hamburg nach Frankfurt und zurück)
  • Flüge: 951€
    • Frankfurt nach New York und zurück: 638€ (wir haben einen etwas teureren Flug gebucht, da die Umbuchungsgebühren hier günstiger waren)
    • New York nach Atlanta: 129€ (inklusive Gebühren fürs Gepäck)
    • Bangor nach New York: 184€ (inklusive Gebühren fürs Gepäck)
  • Krankenversicherung: 252€
  • Selbstbeteiligung für Arzt und Medikamente: 50€
  • Ersatzausrüstung: 600€ (siehe dazu auch die Ausrüstungsseite)
  • Telefon- und Skypegebühren: 86€
  • Essen, Übernachtungen, Shuttles, etc.: 6.550€ (damit haben wir dann aber auch wirklich gut gelebt!)

Macht also alles in allem 11.500€ pro Nase und JA, es war jeden Cent wert!

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11 Kommentare zu “Das liebe Geld

  1. vielen dank für die detaillierte auflistung =)

  2. Danke für die ausführlichen Infos. Das relativiert natürlich Einiges. 6 Monate in den USA zu leben – auch wenn man nur durch den Wald wandert – hat seinen Preis. Ich für mich denke – wenn ich es wirklich schaffe es umzusetzen – muss ich es mit weniger finanziellem Aufwand schaffen . . dank Eurer Aufstellung kann ich aber erkennen wo für mich das Einsparpotential steckt. Also nochmals danke für die Antworten auf die Fragen und die detaillierten Informationen über Euer Abenteuer.

  3. Danke Frank und Veronika für die genaue Ausgabeliste,
    damit sehe ich noch besser wo ich zuwenig oder zuviel berechnet habe.
    Die Shuttles habt ihr die immer im voraus bezahlt, preis vorher abgemacht? Autostop mitfahrgelegenheiten trinkgelder?

    • Wir haben bei Unterkünften und Shuttles immer vorher gefragt, was es kostet! Der Guide ist leider manchmal nicht aktuell. Bezahlt wurde meist hinterher und beim Trampen haben wir denen, die so aussahen als könnten sie’s brauchen ein bis zwei Dollar pro Meile gegeben.

  4. Danke dass ihr euch die Arbeit gemacht habt, eigentlich wollte ich das auch bei mir noch tun 😉
    Das gibt in etwa das wieder was ich auch gebraucht habe und ich stimme euch vollkommen zu, die Ausgaben fürs Essen haben auch bei mir den größten Teil ausgemacht. BeefJerky und Clif Bars standen auch bei mir immer ganz oben auf dem Speiseplan. Auch Käse ist im Vergleich zu Deutschland sehr teuer (ich hatte immer diese Sticks dabei, die sich auch ungekühlt einige Tage gehalten haben) Natürlich kann man versuchen den Trail auch nur mit RAMEN-Nudeln und Snickers zu bewältigen doch wie der Körper dass über so eine lange Zeit verkraftet ist fraglich…

    Grüße
    BMW

    http://yoshi-auf-dem-at.blogspot.de/

  5. … ich weiss nicht ob meine Nachricht vorhin angekommen ist, da ich sie nicht sehen kann. Jetzt nochmal:

    Ich gratuliere Euch von Herzen!
    Weiß nicht ob ich das schaffen würde.
    Es war schön Eure Wanderung/Reise zu verfolgen. Danke dafür!

    … und hat Mut gemacht es auch selbst einmal zu probieren. Die Schlangen (vor denen hatte ich die meiste Angst) scheinen ja nicht das größte Problem gewesen zu sein. Neben der Hitze und Nässe, schienen mir die Fliegen, Zecken und Mäuse? in Euren Berichten anstrengender.

    Bei welcher KV ward Ihr Auslandskrankenversichert? Ich habe noch nicht verglichen und erst einen Anruf getätigt, da erzählte man mir etwas von 3 Euro pro Tag.
    Hattet Ihr auch bei Eurer alten KV einen Minimumbeitrag monatlich bezahlt, damit sie Euch anschließend wieder aufnehmen?
    Waren in Eurer Auslandsreise-KV Wanderverletzungen extra erwähnt? Hab gelesen, dass man darauf achten soll.

    Habt Ihr den Mindestbeitrag in die RV einbezahlt um lückenlos zu bleiben?

    Danke für Eure umfassende Zusammenstellung und Tips (hat mich beruhigt, da ich in meiner Kalkulation auf 11.100 Euro gekommen bin).

    Eine gute Zeit Euch bei Euren weiteren Vorhaben und weiterhin das notwendige Quäntchen Glück,
    Karin

    • Wir hatten eine Langzeit-Reisekrankenversicherung vom ADAC. Es gibt da diverse Anbieter, deren Preise für sechs Monate alle zwischen 200 bis 300 Euro liegen. Man muss halt gucken, wieviel Selbstbeteiligung sie verlangen, inwiefern Rettungskosten beinhaltet sind und welche Beträge für stationäre Behandlungen. Wegen „Wanderverletzungen“ habe ich nicht extra gefragt. Ein Bein kann man sich schließlich überall brechen…

      Bei unseren hiesigen Krankenversicherungen hatten wir uns abgemeldet. Da wir bis zu unserer Rückkehr ja aber trotzdem anderweitig versichert waren, mussten sie uns wieder aufnehmen. Das sollte man aber vorher abklären! In die Rentenversicherung haben wir nicht extra eingezahlt.

      Bei der Zusammenstellung solltest du auch noch bedenken, dass die in Deutschland laufenden Kosten nicht beinhaltet sind. Wir haben zum Beispiel unsere Wohnung behalten, da es in Hamburg teurer gewesen wäre, alles einzulagern und dann eine neue zu suchen.

  6. ich habe nicht ganz verstanden, bei euch sind nur 11000 euro aufgelistet,
    allerdings steht unten geschrieben: 11000 pro nase.
    sind die angaben darüber pro person, also hat jeder 2500 für ausrüstung ausgegeben,
    oder habt ihr insgesamt zu zweit 11000 euro verbraucht?
    LG
    Maeva

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