5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Milngavie nach Drymen – 19,2km

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Um fünf sind wir das erste Mal aufgewacht und waren eigentlich schon recht munter. Nur an der Motivation aufzustehen hat es gemangelt. Als um neun der Wecker klingelte sind wir aber sofort aus dem Bett gekrochen! Die Rucksäcke hatten wir schon gestern Abend gepackt. Dementsprechend fix waren wir am Frühstücksbuffet. Veronika hat sich direkt auf den Haferbrei gestürzt, während ich mich an Eier, Hashbrowns und Speck gehalten habe. Haggisfüllung und Blutwurst waren mir dann doch etwas zu Schottisch…

Nachdem der Koffer für anderthalb Wochen beim Concierge deponiert war, war es aber natürlich schon zu spät um den Zug nach Milngavie zu nehmen. Da blieb nur das Taxi. Der Fahrer wusste auch sofort, wo wir hin wollten nur hat er am Ziel leider überhaupt keinen Plan mehr gehabt! Er hat dann nach einer Ehrenrunde einfach vor dem Bahnhof gehalten und wir mussten uns den Weg zum Startpunkt selbst suchen. Das haben wir natürlich auch geschafft und nach dem obligatorischen Foto konnte es losgehen.

Die ersten Kilometer aus der Stadt raus haben eher etwas von einem Park und es waren auch sehr viele Sonntagsspaziergänger mit ihren Hunden unterwegs. Dazu kamen dann im Laufe der Strecke noch ohne Ende Mountainbiker. Je weiter wir kamen, um so weniger wurden es aber. Dafür türmten sich hinter uns immer mehr Wolken auf. Die haben uns dann auch dazu bewogen, nach dem Khyber Pass nicht in die Whiskybrennerei am Weg abzubiegen sondern direkt weiter bis zum Beech Tree Inn zu laufen, wo wir unsere Mittagspause geplant hatten.

Als Burger Bier und Irn Bru vertilgt waren, begann es natürlich zu regnen! Abwarten machte aber nicht wirklich Sinn, so schnell würde es nicht aufhören. Also haben wir uns um kurz nach halb drei, dicht verpackt in unsere Regensachen, auf die restlichen acht Kilometer gemacht. Bei mir besteht die Regenausrüstung hier ja nur aus der Jacke. Da ich einen Kilt anhabe, macht eine Regenhose keinen Sinn. Das hat auch echt gut funktioniert! Mir war weder kalt, noch sind meine Beine nass geworden. Nach einer Stunde war es auch schon wieder vorbei. Dafür mussten wir jetzt auf einer Landstraße weiterlaufen. Bzw. einem Landsträßchen! Die einspurige Straße schlängelte sich durch satt grüne Hügel. Abgesehen davon, dass unsere Füße das Laufen auf Teer nicht mögen, musste man auch die ganze Zeit nach dem Verkehr lauschen. Um kurz nach halb fünf hatten wir aber auch das geschafft und nach einer letzten Wiesenüberquerung waren wir auf einer richtig fiesen Landstraße in Richtung Drymen unterwegs.

Glücklicher Weise nur für ein paar hundert Meter. Die sind gefahren wie die Henker! Danach ging es durch ein Wohnviertel zum Zentrum und ins Winnock Hotel. Das hatten wir schon von Deutschland aus reserviert, weil Campingmöglichkeiten hier rar gesät sind. Kaum im Zimmer schlug auch schon die Thru-Hiker Routine durch: alle Sachen zum Trocknen aufhängen, duschen, das Wetter checken. Die nächsten zwei Tage sollen recht angenehm werden. Im Spar Markt um die Ecke wussten sie zwar sofort, was wir für unseren Kocher brauchen, nur haben sie leider grad keinen Spiritus vorrätig. Die Suche geht also weiter…

Heute mussten wir ja auch noch nicht kochen. Zum Abendessen ging es in den ältesten Pub Schottlands, das Clachan Inn. Dort haben wir auch John und John wiedergetroffen, die uns schon den ganzen Tag immer wieder über den Weg gelaufen sind. Die beiden kommen aus der Nähe von Essex und haben zwar einen anderen Akzent als die Schotten, sind aber genau so schwierig zu verstehen. Insbesondere beim bärtigen John verstehe ich wenn überhaupt nur die Hälfte! Wie’s aussieht werden wir den beiden in den nächsten Tagen immer wieder mal begegnen.

Jetzt ist es schon weit nach Hiker Midnight und morgen wollen wir unbedingt zeitiger los!
Noch 151,4km

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