5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wir gewöhnen uns an schottisches Wetter und Essen – Milngavie nach Drymen (mi 11,9)

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Wir hätten heute so früh starten können! Aus unerfindlichen Gründen waren wir beide um 5:00h morgens hellwach. Aber um der Vernunft Willen haben wir dann doch bis um 9:00h geschlafen. Naja, und dann waren wir auf einmal so spät dran, dass der Zug um kurz nach zehn nicht mehr zu spät sondern unerreichbar früh war…

 Aber dafür hatten wir ein leckeres und reichhaltiges Frühstück (allerdings hat sich keiner von uns an die Blutwurst und diesen undefinierbaren braunen Brei rangetraut – das richtige schottische Frühstück heben wir uns für irgendwo auf dem Trail auf) und wurden dann mit dem Taxi an den Bahnhof in Milngavie gefahren. Eigentlich sollte der Taxifahrer uns ja an den Anfang des Trails fahren aber irgendwie fuhr er einfach nur zweimal dran vorbei um uns dann doch am Bahnhof abzusetzen. Soviel zum Meilen sparen.Vom Bahnhof ging es durch eine malerische Fußgängerzone zum Startpunkt des Trails, wo wir eine kurze Fotosession mit Unterstützung eines netten älteren Herrens abhielten, um unseren Start zu dokumentieren. 

Der Trail hatte dann zunächst eher etwas von einem Parkweg – völlig ungewohnt konnten wir nebeneinander wandern. Das Wetter war zu meinem großen Erstaunen echt toll, ich hatte fast schon angefangen, mir Sorgen wegen Sonnenbrands zu machen. Dann kamen wir jedoch raus aus den Bäumen in eine Gegend mit etwas mehr Sicht und konnten die für Mittag angekündigte Wolkenwand heranziehen sehen. Das motivierte mich dann dazu, etwas weniger zu fotografieren und dafür fixer zu wandern. Der Blick über die verschiedenen Berge und Täler mit den weidenden Rindern und Schafen war aber auch zu schön! Und die Wolken brachten etwas mehr Aufregung in die Bilder. Dazwischen dann noch die Ginsterbüsche, die rosa Blumen und die reifen Hagebutten – kein Wunder, dass ich ständig anhalten und fotografieren musste!

Schneller als erwartet waren wir am ersten großen Wegpunkt des Tages, der Destillerie Glengoyne. Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, hier einen kurzen Stop einzulegen und eine Führung mit anschließender Verkostung einzulegen (sowie eine Flasche Whiskey an Erik zu schicken) aber mit der Wolkenwand im Rücken einigten wir uns ohne große Diskussion darauf, direkt den Kilometer weiter zum Pub zu gehen, wo wir Mittag essen wollten. 

Der Pub war sehr wandererfreundlich, es gab sogar einen Extra-Pavillon für die Rucksäcke. Da wir aber draußen überdacht sitzen konnten, zogen wir es vor, mit unseren Rucksäcken dort zu bleiben. Die meisten Wanderer mit den großen Rucksäcken schienen jedoch vorbeizuziehen – vielleicht hatten sie noch weniger Lust auf Regen als wir. 

Gerade als wir los wollten, fing es an zu tröpfeln. Also Regenhüllen über die Rucksäcke und Regenjacken an. Da es auch schlagartig abgekühlt war und ich doch noch ein bisschen angeschlagen bin, hab ich auch gleich meine Regenhose angezogen. Am Anfang erschien mir das noch etwas übervorsichtig aber recht schnell wurde der Regen stärker und ich war echt froh darüber. Kalt wie es war, schwitzte ich noch nicht mal. Frank ging es aber mit seinem Kilt auch echt gut – er meinte, die Nässe sei nicht zu seinen Beinen durchgedrungen. Und bei all dem Lob und den vielen bewundernden Blicken, die er für seinen Wanderkilt heute hier bekommen hat, müsste ihm wahrscheinlich schon etwas abfrieren bevor er sich dazu entschließt, vielleicht doch auf andere Klamotten umzusteigen… 

Der Regen war wirklich fies und ich bin froh, dass er nur eine Stunde in etwa gedauert hat – wenn das länger geht, kann mir sowas schon die Lust am Wandern verderben. Auch wenn die Welt danach so schön reingewaschen aussah und Frank gar nicht damit aufhörte, dieses satte Grün zu bewundern, das die Hügel und Hecken hier haben. 

Kaum hatte der Regen aufgehört, kamen wir nach Gartness. Hier ist die Brücke, von der aus man angeblich im September die Lachse wandern sehen kann. Heute waren leider keine da, aber dafür gab es gleich dahinter sowas wie Trail Magic: einer der Anwohner hatte einen Kühlschrank und einen Gefrierschrank mit Softdrinks und Eis aufgestellt und für ein Pfund konnte man sich daraus etwas nehmen. Ich bekam also ein Eis, mitten auf dem Trail! 

Danach ging es weiter die Teerstraße entlang in Richtung Drymen. Kurz vor Drymen versuchten wir noch an dem Campingplatz dort Spiritus zu bekommen, da gab es aber leider gar nichts. Danach wurde der Weg für mich eine ziemliche Quälerei, mir tat einfach alles weh und ich wollte endlich da sein. Ärgerlicherweise geht der West Highland Way dann irgendwie komisch an Drymen vorbei, so dass ich auf den letzten Kilometern auch noch das Gefühl hatte, zurückzulaufen – ich bin wirklich kein Fan von unnötigen Umwegen! 

Endlich in Drymen angekommen, half uns dann ein netter älterer Spaziergänger dabei, unser Hotel zu finden – er meinte, wir wirkten so, als wüssten wir nicht, wo wir lang müssten. Von West Highland Way kommend hätten wir doch einfach die Abkürzung über die Straße nehmen und uns viele Kilometer sparen können. Ja, das wäre schön gewesen, meine Knie stimmen ihm völlig zu. Aber wir wollen ja den gesamten Trail machen und keine Abkürzungen laufen.

Das Hotel in Drymen ist wirklich schön und wir scheinen mit unseren 50£ im Internet ein wahres Schnäppchen gemacht zu haben – hier gibt es kein Zimmer unter 99£ vor Ort. Der älteste Pub Schottlands liegt direkt nebenan, dort sind wir zum Abendessen hin. Hier haben wir auch wieder John und John, zwei andere WHW-Wanderer angetroffen. Mit ihnen hatten wir uns schon im Laufe des Tages angefreundet, weil wir uns immer wieder über den Weg gelaufen sind und dabei auch gleich jedes Mal ein paar Worte gewechselt haben. Zwei echt nette Kerle aus Essex, die in etwa die gleichen Etappen wie wir geplant haben. Ich versteh zwar nur die Hälfte von allem, was sie sagen und Frank geht es ähnlich, aber es macht Spaß, mit ihnen über die Etappen zu sprechen – ein bisschen wie auf dem AT mit den anderen Thru-Hikern!

Das Essen heute war abgesehen vom Fleisch immer eher nichts. Das am wenigsten gewürzte war Franks Gemüse heute Abend – es schmeckte wirklich, als wäre es nur ausgekocht. Und nach dem Lammburger heute Abend bin ich überzeugt, dass meine Meatballs gestern auch Lamm waren. Bin gespannt, wo sie noch überall Lamm reinmachen! Die Desserts hören sich aber immer gut an, vielleicht probier ich morgen mal, mich an die zu halten. 

Jetzt liegen wir im Bett und wollen früh schlafen, damit wir morgen früh wandern können.

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