5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Kinlochleven nach Glen Nevis Campground – 21,8km

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Um kurz nach acht haben wir das Hostel verlassen und uns von den beiden Johns verabschiedet. Es war nicht so ganz klar, ob sie die letzte Etappe noch angehen würden. Die Shin Splints von Little John haben sich nicht wirklich gebessert und in dem Zustand würde er es wohl auch mit voraus geschicktem Rucksack nur unter großen Schmerzen bis Fort William schaffen. Wir sind dann noch schnell zum Frühstück in den Pub bevor wir uns auf unserer letzte offizielle Etappe des West Highland Ways gemacht haben (für morgen sind nur noch 2,7km zu absolvieren).

Habe ich mich eigentlich schon über die Midgies beschwert? Ja?! Nee, so schlimm wie heute war es überhaupt noch nicht!!! Der Weg raus aus Kinlochleven war die absolute Hölle! Es war komplett windstill, wir mussten steil aufwärts klettern und waren dementsprechend zu langsam um den Viechern zu entkommen. Es gab durchaus schöne Ausblicke, nur war es ein Ding der Unmöglichkeit stehen zu bleiben um zu fotografieren. Auf der Passhöhe wurde es etwas besser aber gut war es immer noch nicht. Sobald etwas Wind wehte, war es auszuhalten und sobald er nachließ, war es wie bei der Raubtierfütterung. Nur dass wir die Beute waren und die Löwen die Form von winzigen Mücken hatten.

An der Wegkreuzung mit einer alten Militärstraße hat uns ein Streckenposten informiert, dass uns in der nächsten Stunde wohl so um die 300 Mountainbiker entgegen kommen würden. In den letzten Tagen haben wir ja eher weniger von denen gesehen. Das war dann heut wohl die Rache der Fahrradfahrer. Nicht nur, dass uns jeder zweite gegrüßt hat und wir natürlich zurück grüßen mussten, es war auch durchaus gefährlich. Die Räder schleuderten immer wieder auch größere Steine hoch und als kurz hinter mir eine Fahrerin stürzte, war ich froh, dass das nicht direkt neben mir passiert ist! Es schien ihr aber gut zu gehen und es haben sich auch gleich vier andere Fahrer um sie gekümmert.

So schön die Berge auch heute wieder waren, irgendwie zog sich der Tag wie Kaugummi. Wir mussten über drei Pässe und durch ein langes langes Hochtal, das mehrmals die Richtung wechselte. Aus irgendeinem Grund waren wir beide ziemlich fertig und unsere Füße wollten eigentlich nicht mehr weiter. Das lag wohl einerseits daran, dass wir in den letzten sieben Tagen knapp 160km gemacht haben, was unserer durchschnittlichen Leistung auf dem AT entspricht (nur dass wir da irgendwann trainierter waren) und andererseits haben wir wohl zu wenig gegessen. Auf Grund der Midgies war es einfach nicht möglich genug Pausen zu machen.

Um halb drei hatten wir es endlich auf den Glen Nevis Campground geschafft. Laura und Jacky saßen natürlich schon dort und warteten auf ihr Gepäck… Noch während Veronika das Zelt einräumte, habe ich angefangen zu kochen. Nachdem Kartoffelbrei, Nudeleintopf, eine Tüte Gummibärchen, Schokoriegel und Käse vertilgt waren ging es uns etwas besser. Da konnten wir uns dann auch der Hygiene in Form von Duschen und Wäsche waschen widmen. Auf unserem Weg zur nächsten Bar haben wir auch gleich noch geklärt, dass wir den größten Teil unserer Ausrüstung morgen an der Rezeption lassen können. Ich will auf keinen Fall, das ganze Zeug diesen Berg hoch schleppen! Auch wenn es meine Idee war, den West Highland Way mit der Besteigung von Ben Nevis zu beenden, hat der Anblick dieses Berges mich heute doch ziemlich eingeschüchtert.

Den Abend haben wir im Wesentlichen mit Laura und Jacky in der Bar verbracht. Die beiden fahren morgen nach Glasgow zurück und das ist dann das Ende unserer kleinen Trail Family. Es ist schon witzig, wie sich selbst nach so kurzer Zeit schon Gruppen formieren, die sich gut verstehen und ungefähr die gleiche Geschwindigkeit haben! Ich hoffe jetzt nur noch, dass das Wetter bis morgen Nachmittag hält. Laut Vorhersage soll es um drei anfangen zu regnen, aber dann sollten wir längst auf dem Rückweg sein. Wie es dann wir ist ziemlich egal. Da der Ausblick für die nächsten Tage eher durchwachsen aussieht und wir auch ziemlich fertig sind, haben wir beschlossen, unsere Pläne zu ändern. Übermorgen werden wir in Fort William bleiben, am Dienstag dann nach Mallaigh fahren und von dort mit der Fähre auf den Knoydart nach Inverie, unser ursprüngliches Ziel, übersetzen. Vielleicht fahren wir am Mittwoch auf die Isle of Skye. Das müssen wir uns aber erstmal morgen bzw. übermorgen ansehen.

Noch 18,7km

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