5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Abschied – Kinlochleven nach Glen Nevis Campground (mi 95,0)

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Obwohl wir gestern so spät schlafen gegangen sind, waren wir schon vor dem Wecker wach. Da wir im Pub von gestern Abend auf dem Weg frühstücken wollten, packten wir fix unsere Sachen zusammen und waren schon um kurz vor acht abmarschbereit. Jacky und Laura waren da natürlich schon längst losmarschiert, während die beiden Johns noch gar nicht gepackt hatten und uns auf dem Rückweg vom Supermarkt entgegen kamen.  

Little John war inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass es wohl besser sei, heute nicht zu wandern, sondern gemeinsam mit seinem Rucksack nach Fort William vorauszufahren und dort auf Skinny John zu warten. Die beiden wollten nun doch noch versuchen, heute den Zug zurück nach Glasgow zu erwischen und dann noch heute Nacht zurück nach Hause zu fahren und Little John machte sich Sorgen, dass er Skinny John zu sehr bremsen würde, so dass sie den letzten Zug verpassen würden. Irgendwie wollte ich heute früh wohl noch nicht so richtig glauben, dass das tatsächlich ernst gemeint war und dass wir uns heute Abend nicht wiedersehen würden. Aber da nun immer noch keiner von den beiden am Zeltplatz unten aufgetaucht ist, sind sie wohl hoffentlich inzwischen gut zurück nach Glasgow gefahren. Komisch, wie sie uns und auch Jacky und Laura, die wir am Zeltplatz wieder getroffen haben, fehlen. Ich hoffe, wir hören mal wieder von ihnen, da wir aufgrund des verpassten Abschieds heute Morgen alle keine Kontaktdaten von ihnen haben. 

Nach dem Frühstück im Pub ging es los aus Kinlochleven raus. Ich hatte heute Morgen meine Hosenbeine Gegensatz zu den letzten Tagen nicht abgemacht und da es gar so kalt war, hatte ich auch meinen Fleecepulli anbehalten. Eigentlich war der Plan, im Anstieg die Hose zu kürzen und den Fleecepulli auszuziehen. Als ich allerdings auf meinen nackten Unterarmen (ich hatte den Fleecepulli hochgekrempelt) unzählige Midgies entdeckte, stand fest, dass ich diesen Plan verwerfen konnte und stattdessen mein Moskitonetz aufbehielt. So schlimm wie in diesem Abstieg hatten wir die Midgies hier noch nie erlebt! Damit war dann auch meine Freude darüber, dass wir heute mal unter Bäumen wandern durften, dahin. 
Allerdings wurde es mit den Midgies auch oberhalb der Baumgrenze nicht besser. Es herrschte anscheinend völlige Windstille, kein Grashalm bewegte sich. Und zu unserer großen Freude erklärte uns dann auch noch an der Kreuzung mit der Militärstraße, an der wir den höchsten Punkt des Anstiegs erreicht hatten, ein Mann mit Basecap, dass uns auf dem nächsten Abschnitt ca. 300 Mountainbiker entgegen kommen würden wegen irgendeines Wettkampfes – na juhu! Wie um seine Worte zu bekräftigen kam auch gleich ein motorisiertes Bike um die Ecke geschossen, das konnte ja heiter werden! 

Während der nächsten guten Stunde kam uns ein Biker nach dem anderen entgegen, wir mussten zum Rand des Trails ausweichen und aufpassen, dass uns die Felsbrocken, die sie aufwirbelten, nicht um die Ohren flogen. Das einzig Positive war, dass die Gegend weiterhin so von Midgies verseucht war, dass wir sowieso keine Pause machen und die Gegend genießen konnten. Als ich mal dachte, ich hätte eine gute Stelle entdeckt, sprangen wir noch bevor ich meinen Riegel ausgepackt hatte, entsetzt wieder auf. Frank rannte fluchend in einer Midgies-Wolke voran. Immerhin hatte er es noch geschafft, seinen Riegel auszupacken und konnte diesen jetzt unterwegs essen. Ich ging leer aus bis wir über eine Stunde später eine Stelle fanden, an der ich, während Frank wild fuchtelnd herumtanzte, meinen Riegel rausholen und dann im Gehen vernichten konnte. 

Der Abstieg in Richtung Fort William war dann deutlich angenehmer, zwar etwas kälter aber dafür fast ohne Midgies. Und hier wuchs auf dem Waldboden überall Klee – es sah wunderschön aus. So in etwa stelle ich mir Irland vor! Irgendwann ging es dann endlich runter zum Abzweig zur Jugendherberge. Hier stellten wir erfreut fest, dass dies inzwischen wohl Teil des offiziellen WHW ist. 

Am Zeltplatz unten trafen wir Jacky und Laura. Wir bauten unser Zelt auf und aßen erst mal zu Mittag. Dann wuschen wir Wäsche und gammelten rum, bis wir abends gemeinsam mit den beiden im Pub aßen. Leider tauchten die beiden Johns wirklich nicht mehr auf. Dafür haben wir uns jetzt von den beiden ordentlich verabschiedet. Im Zelt ist es heute schön warm und auf dem Zeltplatz gibt es kaum Midgies – es wird wohl hoffentlich eine gute Nacht. 

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