5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ein würdiger Anschluss – Glen Nevis Campground über Ben Nevis nach Fort William (mi 106,7)

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Wie erwartet war das Zelt heute Morgen von der Kondensation patschnass. Uns war das aber egal, weil wir ja wussten, dass wir es nicht auf Ben Nevis hochschleppen würden und außerdem können wir es heute Nacht im Hotel trocknen. Und dank der Wolkendecke war es heute Nacht auch nicht so stark abgekühlt wie auf der Beinglas Farm letztens.

Gegen kurz nach acht hatten wir den größten Teil unserer Sachen in zwei Müllsäcken verstaut, die wir freundlicherweise im Büro des Campingplatzes lassen durften. Wir frühstückten noch kurz jeder eine Breakfast Roll an diesem Stand am Campingplatz, dann zogen wir mit unseren heute so schön leichten Rucksäcken los in Richtung Ben Nevis. Um uns einen Umweg über das Besucherzentrum zu sparen, nahmen wir den Jugendherbergspfad. Der war mal richtig fies steil! Kaum trafen wir dann auf den offiziellen Weg, wurde es flacher. Dafür waren ein paar Stellen dabei, an denen man über Felsen klettern musste. Dies machte vor allem den unzähligen Teilnehmern an einer Benefizwanderung für Krebsforschung zu schaffen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen schien heute das erste Mal im Leben auf einem Berg unterwegs zu sein bzw. waren einige auch nicht gerade fit. Allerdings war die Wanderung echt gut organisiert, es gab über den ganzen Berg verteilt mehrere Checkpoints – wer deutlich zu spät einen dieser Punkte passierte, wurde wieder nach unten geschickt, um sicherzustellen, dass alle vor der Dunkelheit wieder unten waren. Wir hatten ja gestern Abend noch gegen neun unzählige Lampen den Berg herunterkommen gesehen. Obwohl der Weg die meiste Zeit nicht schwierig zu laufen ist, geht es doch oft nah am steilen Abgrund entlang – ich würde da nicht gern im Dunkeln entlang stolpern…
Der erste Checkpoint für die Wanderer war dort, wo der Jugendherbergspfad auf den offiziellen Weg trifft. Beim Halfway-Loch, das nach dem ersten Drittel des Weges dort liegt, wo der sanfte grüne Rücken des Ben Nevis dann zu dem unwirtlichen, gerölligen Haufen wird, der sich zum höchsten Berg Großbritanniens auftürmt. Bis zum Halfway Loch ging es noch einigermaßen mit dem kalten Wind. Danach jedoch waren keinerlei Bäume mehr da und der Wind zerrte unentwegt an uns. Also zogen wir unsere Regenjacken als Windschutz über unseren Fleecepullis an und ich baute mir aus meinem Buff einen Ohrenschutz – noch war ich zu faul, meinen Rucksack runterzunehmen und Handschuhe und Mütze herauszuholen. Es war zwar kalt und wir wurden immer wieder von Wolken beschattet allerdings flogen die so weit oben über uns, dass wir weit sehen konnten. Schon ab dem Halfway Loch schienen wir oberhalb der umgebenden Berge zu sein und konnten auf große Teile der Strecke blicken, die wir entlang gewandert waren. Wann immer wir kurz anhielten, nutzte ich die Gelegenheit, um Fotos zu schießen. 
Irgendwann sahen wir die Fahne, die die Checkpoints für die Charity-Wanderer anzeigte etwas über uns wehen und vermuteten dort den Gipfel. Da wir uns gerade an einer etwas weniger exponierten Stelle befanden, beschlossen wir, hier unsere Mittagspause einzulegen. Ein Glück! Gleich darauf mussten wir nämlich feststellen, dass diese Fahne nur den letzten Checkpoint vor dem Gipfel anzeigte und wir noch ein ganzes Stück vor uns hatten. Hier dämmerte uns dann auch, dass das Halfway Loch wohl zu Unrecht diesen Namen trägt und die Hälfte des Aufstiegs wohl eher beim Wasserfall, der zwischendurch den Weg kreuzt, geschafft war. 
Es wurde immer kälter und die ersten Leute mit Handschuhen und dicken Fellmützen waren zu sehen. Nach dem Checkpoint ging es zunächst nochmal richtig steil hoch und es war relativ unklar, was jetzt der Trail war und wo die Leute einfach nur Abkürzungen liefen. Nachdem wir uns gerade über ein besonders steiles und anstrengendes Stück gequält hatten, stellten wir fest, dass es auf dem Trail viel angenehmer gewesen wäre und wir gerade wieder mal wild ohne nachzudenken irgendwelchen Leuten auf komischen Abkürzungen hinterhergerannt waren. Das letzte Stück zum Gipfel war dann aber schön eben und stieg nur noch minimal an. Und gerade kurz bevor wir dort ankamen schoben sich die Wolken, die die ganze Zeit um den Gipfel gehangen hatten, weg und wir hatten freie Sicht nach unten. In einer Felsspalte konnten wir sogar noch einen Schneerest entdecken. Wir liefen allerdings die ganze Zeit auf Felsbrocken.

Am Gipfel oben wurden wir von den Ruinen des Observatoriums und dem letzten Checkpoint für die Charity-Wanderer empfangen. Gerade als wir unser Gipfel-Foto schießen wollten, fingen die Wolken wieder an, über uns hinweg zu rollen – nur dass wir jetzt genau mitten drin standen! Was für ein Glück, dass wir nicht schon den gesamten Aufstieg in diesen Wolken verbracht hatten! Zusätzlich dazu, dass man nichts mehr sieht, ist es nämlich auch noch recht kalt und unangenehm feucht in diesen Wolken. Als Kind hatte ich mir das irgendwie lustiger vorgestellt, in einer Wolke zu wandern! 
Nachdem es nichts mehr zu sehen gab, hielten wir uns nicht lange oben auf und machten, dass wir wieder runterkamen. Bis zum letzten Checkpoint vor dem Gipfel ging es schön schnell, da wir jetzt auf dem richtigen Weg blieben. Obwohl wir kurz anhielten, damit ich jetzt doch meine Handschuhe rausholen und meine Hosenbeine lang machen konnte, waren wir schneller als beim Aufstieg. Auch runter zum Halfway Loch ging es recht fix. Wir hatten ja schon beim hochkommen alles fotografiert und der Weg war echt nicht schwer zu bewältigen. Die Kälte sorgte dann noch dafür, dass wir versuchten, in Bewegung zu bleiben um nicht zu frieren. 
Als dann jedoch der Abschnitt mit den Kraxeleien kam, fing es an zu regnen und ich musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass die Felsen durch die Nässe echt fies rutschig wurden. Nachdem ich zwei-dreimal ungewollt ins Rutschen geraten war, machte ich also deutlich langsamer. Im Gegensatz zum Aufstieg war jetzt wie üblich im Abstieg Frank der schnellere von uns beiden. Abgesehen vom letzten Stück bis zur Abzweigung zum Jugendherbergspfad, das sich irgendwie ewig hinzog, kamen wir trotzdem ganz gut voran. Es hörte auch bald schon wieder auf zu regnen und auf dem Jugendherbergspfad kamen wir wieder gut voran. Unten stellten wir fest, dass wir für Auf- und Abstieg nicht ganz sechs Stunden gebraucht hatten und damit tatsächlich eher zu den schnelleren Wanderern zählten. 
Bevor wir unsere Sachen am Campingplatz abholten belohnten wir uns noch mit Cheesecake, Cranachan, Bier und Cider im Pub von gestern Abend für die Anstrengung. Dann packten wir all unsere Habseligkeiten in unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg, den letzten Abschnitt des West Highland Ways nach Fort William hinter uns zu bringen. Obwohl die Rucksäcke jetzt wieder fies schwer waren, kamen wir trotzdem gut voran, da der Weg jetzt nur noch flach an der Straße entlang führte. Kurz nach dem Besucherzentrum holten wir zunächst die Taiwanesin und dann eine Gruppe älterer Leute ein, die wir mit unserer Monsteretappe nach Bridge of Orchy hinter uns gelassen hatten. In Fort William zog sich der Weg dann erst noch eine ganze Weile bis mitten in die Stadt rein. Am offiziellen Endpunkt des West Highland Ways trafen wir dann verschiedene Mitwanderer und es gab erst mal eine wilde Fotosession. Am besten waren die alten Leute, die Sekt und Plastikbecher mitgebracht hatten und Frank baten, ihr Foto zu schießen – natürlich mit sämtlichen Kameras, die sie dabei hatten. Frank war also eine ganze Weile beschäftigt aber dafür bekamen wir dann auch beide Sekt von ihnen. 
Nachdem die Fotosession durch einen Regenguss beendet wurde, machten wir uns auf die Suche nach unserem Hotel. Es lag günstiger Weise nur ca. hundert Meter weiter und wir wurden nicht allzu nass. Im Hotel wurden wir von einem äußerst liebenswerten und freundlichen Menschen an der Rezeption begrüßt, der uns gleich erkannte und auch schon von unserem Päckchen wusste, das mit unseren Vorräten für die Wanderung über den Knoydart nach Inverie auf uns wartete. Nachdem für die nächsten Tage nicht ganz so schönes Wetter angesagt ist und wir deshalb wohl nicht soviel wie geplant wandern werden, werden wir wohl gar nicht das ganze Essen brauchen…

In unserem Zimmer mit Blick auf die Bucht von Fort William haben wir erst mal geduscht und uns stadtfein gemacht. Eigentlich wollten wir ja im Seafood-Restaurant unten am Ufer essen aber dort gab es vor neun Uhr keinen Platz mehr. In dem zweiten Restaurant, in dem wir nachfragten, hätten wir sogar noch länger warten müssen. Also sind wir zum Schluss doch in einem der Pubs an der High Street gelandet, der eher nach Massenabfertigung aussah. Das Essen war ganz ok, wir hatten schon schlechteres hier bekommen, aber insgesamt wird es wohl eher nicht unser Lieblingsrestaurant. Deshalb sind wir nach dem Essen gleich nochmal ins Crannog, das Seafood-Restaurant, um dort für morgen Abend zu reservieren. 
Morgen werden wir einen Zero in Fort William machen und dann neue Pläne für den Rest der Woche machen. Wahrscheinlich fahren wir übermorgen auf den Knoydart und am Mittwoch zu Isle of Skye. 

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