5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Wo fandet ihr den Trail am schönsten?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch bei uns dieser Eindruck entstanden ist. Mein Lieblingsstaat auf dem Trail war für mich Maine, weil es einfach überwältigend schön war.

Am Anfang in Georgia unten waren wir alle noch so euphorisch, weil wir gerade erst aufgebrochen waren und alles aufregend und neu war. Der Ausbruch des Frühlings trägt sicher zu einem positiven Gesamteindruck vom Süden bei, der sich auch in den Journals widerspiegelt. Dabei sind dort unten am Anfang extrem wenig spektakuläre Ausblicke, so dass jeder einzelne natürlich fotografisch festgehalten werden muss. Wir hatten im Süden auch jahreszeitlich bedingt recht wenig Begegnungen mit interessanten Tieren, das spektakulärste waren Kojotengeheul in der Nacht und Chipmunks tagsüber, waren aber die ganze Zeit aufgeregt und hofften auf Spannenderes.

Dann kommt Virginia, von dem alle einem schon viele hundert Meilen vorgeschwärmt haben, weil es schön grün sein soll. Das ist es auch im Vergleich zum Süden und mit den Grayson Highlands hat es für mich eine der schönsten und faszinierendsten Landschaften überhaupt auf dem Trail. Außerdem sehen die meisten Thru-Hiker in Shenandoah ihren ersten Bären. Irgendwann fängt man hier aber auch an, sich immer mehr nur noch auf das Laufen zu konzentrieren und sieht fast nur noch schöne Punkte, wenn man im Guidebook darauf hingewiesen wird. So zum Beispiel der Dragons Tooth oder auch McAfee Knob. Dieses “Nicht-mehr-sehen” begleitet einen dann ein ganzes Stück lang, vor allem, weil es inzwischen immer häufiger regnet und wenn es nicht regnet, ist es brütend heiß und man wird von Insekten gequält, so dass man viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, um Augen für die Schönheiten der Natur zu haben.
Tiere fallen nur auf, wenn sie direkt auf dem Weg sind oder einen ärgern. West Virginia, Maryland und der Beginn von Pennsylvania bieten viele geschichtlich interessante Sehenswürdigkeiten und mit der Überquerung jeder einzelnen Staatsgrenze ändert sich meistens auch merklich etwas an der Umgebung. Am Ende von Maryland ist es schon ziemlich felsig – als Übergang nach Pennsylvania, das am Anfang noch recht nett und gar nicht sooo fies steinig ist. Pennsylvania bietet großartige Ausblicke auf Flüsse und landwirtschaftliche Nutzflächen, was leider bei Thru-Hikern nicht so beliebt ist. Ich war von den Wasserschildkröten dort sehr fasziniert. New Jersey bot das erste Mal faszinierende Sumpflandschaften, ich fühlte mich regelrecht wie im botanischen Garten. In New Jersey und New York gibt es endlich Seen direkt am Trail, in denen man schwimmen kann und nicht mehr nur so komische tiefere Löcher in den Bächen. Und in New York sind diese Klippen, die urplötzlich vor einem aufragen, zuerst eine spannende Herausforderung und dann möglicherweise sogar einen Ausblick bieten. Außerdem ändern sich die Leute, die um den Trail herum wohnen. Das wird einem so richtig in Connecticut bewusst, wo die reichen College-Städte anfangen.

Und plötzlich ist man in Massachusetts und Vermont, es sieht schon viel nordischer aus, einem wird bewusst, dass es auf das Ende zugeht und man fängt wieder an, die Augen offenzuhalten. Außerdem hat man ja den ganzen Trail über gehört, dass die letzten beiden Staaten die schönsten sind und es schon davor immer schöner wird. Das Wetter wird auch wieder angenehmer, die Insektenplage schwillt ab und man kann den Trail wieder genießen. In den Whites gibt es großartige Ausblicke und Maine ist sogar noch schöner. Man sieht seinen ersten Elch und die ersten roten Blätter und denkt daran, dass man das alles bald nicht mehr hat und versucht nochmal, soviel wie möglich mitzunehmen…

Langer Rede kurzer Sinn: Jeder der Staaten entlang des Trails hat seine Schönheiten, man muss sie nur zu schätzen wissen. Und das Image der Staaten in der Mitte leidet sicher unter den harten Wetterbedingungen dort. Ich hab mir von einem Mitwanderer aus Georgia sagen lassen, dass das dort im Sommer auch die Hölle sein soll. Und in Maine wird man zur falschen Jahreszeit von den Blackflies im wahrsten Sinn des Wortes aufgefressen – da macht das sicher auch keinen Spaß.

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