5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Dalton nach Cheshire – 14,88km

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Eigentlich ist die Überschrift irreführend, denn wir waren heute genau entgegengesetzt unterwegs. Alles begann damit, dass Hammer, Fig, Human und Wrangler erst um halb zehn fertig waren. Da sie mit ihren Sachen nicht alle in das Auto von Figs Mutter passten, hat Tom zwei von ihnen nach Williamstown gefahren, von wo sie gestern hergekommen sind. Um viertel vor elf waren wir dann an der Reihe und wurden zur Berkshire Mall gebracht.

Der Outfitter dort hatte zur Abwechslung mal seinen Namen verdient. Das Angebot war relativ groß und der Verkäufer wusste, wovon er spricht. Als erstes haben wir uns nach Schlafsäcken umgesehen. Da gab es doch wirklich Ultraleichtversionen im Angebot. Von 230$ auf 190$ runtergesetzt und 630 Gramm (Veronika) bzw. 780 Gramm (Frank) schwer. Damit wiegen sie ein halbes Kilo weniger als unsere bisherigen! Es sind zwar „nur“ 0 Grad Schlafsäcke, die alten gingen bis -5 Grad, aber so kalt dürfte es nicht mehr werden. Außerdem haben sie ein kleineres Packmaß. Unsere Rucksäcke waren somit viel zu groß. Das wäre nicht unbedingt ein Grund neue zu kaufen, aber die Schultergurte unserer Lowe Alpines sind unten schon zur Hälfte durchgescheuert. Ich weiß nicht woran das liegt. Das Design führt irgendwie dazu, dass die Träger an den Hüftgurten reiben. Vielleicht würden sie noch eine Weile halten, vielleicht würden sie mitten in den White Mountains reißen. Das Risiko war uns zu groß!

Erst wurde uns ein Reparaturset angeboten, aber wir wollten auch sehen, was für Alternativen es gäbe. Zur Auswahl standen bei unseren Anforderungen zwei Modelle von Osprey. Ich habe die 50 Liter Version ausprobiert und Veronika hat sich sofort auf den 42 Liter Rucksack gestürzt. Wider Erwarten hat sie doch wirklich alles dort hinein bekommen und hatte noch genug Platz für ihre Wintersachen und einen vollen Essenssack! Das musste ich auch probieren. Ja, es passt alles rein. Wir haben in den letzten Wochen auch so einiges zurück gelassen. Kleinerer Rucksack heißt auch weniger Gewicht. Der Talon 44 wiegt nur 990 Gramm!

Wir haben jetzt also fast ein Kilo weniger zu schleppen. Das merkt man sofort auf dem Rücken. Mit diesen winzigen Rucksäcken sehen wir jetzt wirklich wie all die Ultraleichthiker aus, die mindestens 20 Meilen am Tag machen. Das haben wir aber nicht vor! Wir werden einfach die ungeahnte Leichtigkeit des Wanderns genießen. Leider waren wir damit noch nicht am Ende dieses Kaufrauschs. Wir brauchten neue und besser passende Regenhüllen, Aquamira, Mückenspray, ein neues T-Shirt für Veronika und Energieriegel für die nächsten zwei Tage.

Beim Gang zur Kasse ahnte ich Schreckliches. Zumindest ein Stück weit kam man uns entgegen. Wir haben uns für das Bonusprogramm registriert, bei dem man normalerweise Gutscheine bekommt, und die Prozente direkt abgezogen bekommen. Außer den Schlafsäcken, die ja schon runtergesetzt waren, gab es 15% auf alles, auch Wandererfutter. Trotzdem blieb am Ende eine 800$ Rechnung übrig! Mamma Mia, wie gut, dass wir lange für diesen Trip gespart haben!

Mittlerweile war es kurz nach eins. Wir haben uns Pizza geholt und überlegt, wie weit wir heute noch kommen könnten. 15 Meilen waren illusorisch, aber es gab nach 10 Meilen ein Kirchenhostel in Cheshire. Nur wussten wir nicht, bis wann man dort rein kommt. Nachdem ich noch ein neues Ladegerät gekauft habe, hat uns Tom wieder abgeholt. Er war der Meinung, dass wir bis spätestens um sieben am Hostel sein sollten. Unmöglich! Aber er würde uns auch in Cheshire absetzen und wir könnten zurück nach Dalton laufen und noch eine Nacht bei ihm schlafen. Ein Southbound Slackpack also. Ich bin in der letzten Zeit wirklich vernünftig geworden! Auch wenn es mir ein wenig widerstrebte, nach Süden zu gehen, musste ich zugeben, dass das die beste Variante war. Zumal für den Abend auch Regen angesagt war.

Wir sind also um viertel nach drei südwärts gestartet. Smiley Virgin, der fünf Stunden vorher von Dalton los ist, kam uns entgegen und meinte, dass der Weg recht einfach sei. Nur mit einem kleinen Rucksack mit Snacks und drei Litern Wasser sollten wir das also etwas schneller schaffen. Vier Meilen bergauf, fünf Meilen bergab und zwischendrin ein großer, von Bibern aufgestauter Teich. Wir sind fast gerannt! Erst ist Yooper mit drei Meilen pro Stunde den Berg hinauf gestürmt („Wenn es steil wird, habe ich das gerne schnell hinter mir.“), dann haben uns die Mücken angetrieben.

Als wir fast in Dalton waren, kamen wir an einer Schotterpiste aus dem Wald und es war kein weißes Blaze mehr zu sehen. Big Red wollte nach rechts, weil es da bergab ging, Yooper und Pacemaker haben den Waldrand abgesucht und ich bin den Weg zurück gelaufen. Wir hatten 50 Meter vorher eine Gabelung übersehen und mussten nach LINKS. Wer weiß, wo uns die Piste hingeführt hätte. Um halb acht standen wir dann wieder vor Toms Haus. Er hat sich richtig gefreut, dass wir so schnell wieder da waren.

Er hatte uns sogar Schlafplätze im Haus freigehalten. Das war großartig, denn kaum waren wir geduscht und unterwegs zum Abendessen, da fing es an zu regnen! So müssen wir morgen früh keine nassen Zelte einpacken und können relativ zeitig starten. Um sieben werden wir wieder nach Cheshire gebracht und von dort geht es über Mount Greylock nach Williamstown. Wahrscheinlich den ganzen Tag durch den Regen…

Noch 977km

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