5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ganz schön nass! – Jenkins Shelter nach Bland (mi 587,1)

4 Kommentare

Der Regen hatte nur eine kurze Pause eingelegt gestern Abend, um die ganze Nacht durchregnen zu können. Ich hatte Vertrauen in unser Zelt und deswegen gut geschlafen. Frank war etwas besorgter und ist regelmäßig aufgewacht, weil der Regen wieder lauter aufs Zeltdach prasselte. Das Zelt war aber auch besonders gut gespannt, weil es schon beim Aufstellen noch quatschnass gewesen war von der vorigen Nacht und deshalb nicht wie sonst mit zunehmender Feuchtigkeit nachgegeben hatte.

Beim Aufwachen regnete es immer noch. Wir hätten sofort nach dem Wecken um halb acht ein kleines Zeitfenster gehabt, in dem es etwas weniger geregnet hat. Da konnten wir uns aber nicht motivieren, unsere warmen, trockenen Schlafsäcke zu verlassen. Und dann schüttete es auch schon wieder ohne Ende. Wir beschlossen also, bis neun zu warten, ob es vielleicht etwas nachlassen würde und dann egal wie es draußen aussieht, loszugehen, um in die Stadt zu kommen und unser Zeug trocken zu kriegen. Meine leicht feuchten Klamotten von gestern Abend hatte ich über Nacht mit in den Schlafsack genommen, so waren sie morgens wieder trocken (mit richtig nassen Sachen würde ich das aber nicht machen, da das meinem Daunenschlafsack schaden würde). Die nassen Regenjacken und -hosen hatten wir an den Fußenden unter unsere Rucksäcke gepackt, damit sie die Schlafsäcke nicht nass machen aber auch nicht noch nasser werden.

Gegen kurz vor neun ließ der Regen nach und Frank wagte sich nach draußen, um die durchnässten Essenssäcke reinzuholen. Frühstück gab es dann im Zelt, weil es gleich danach wieder losging. Wir haben all unser Zeug im Zelt zusammen gepackt und die gepackten Rucksäcke in das inzwischen leere Shelter gestellt, damit sie nicht nass werden, während wir das Zelt abbauen.

Dann war es endlich so weit, gegen viertel nach zehn ging es los für uns. Zwölf Meilen bis zur Straße nach Bland – das Profil sah ganz vielversprechend aus, aber je nachdem, wie der Weg aussehen würde, könnte das trotzdem ziemlich hart und daher langwierig werden. Und die ganze Zeit mehr oder weniger starker Regen… Wir hatten beschlossen, nur Riegelpausen einzulegen und keine Mittagspause, um schneller voranzukommen.

Beim ersten Stop sah ich plötzlich neben dem Weg wieder einen dieser kleinen orangen Kerle. Inzwischen habe ich gelernt, dass das keine Salamander sind sondern grünliche Wassermolche in ihrer jugendlichen orangenen Färbung sind. Sie kommen raus, wenn es regnet. Ich find sie total niedlich und hab mich riesig gefreut und gleich ein Foto geschossen. Seit dem ersten damals vor Erwin hatte ich keinen mehr gesehen. Wir waren nur wenig weiter gegangen, da saß der nächste auf dem Weg. Dieser hier war der kleinste und leuchtendste, den wir bisher gesehen haben. Frank hat extra seinen Stock daneben gehalten, damit man einen Größenvergleich hat. Wir haben dann eine Rettungsaktion gestartet, um ihn an den Wegesrand zu setzen. Diese Viecher weichen nicht aus, wenn man auf sie zugeht und rennen anscheinend nicht mal weg, wenn man versucht, sie hochzuheben. Ich frage mich, ob sie keine Fressfeinde haben, dass sie sich so unbekümmert verhalten können.

Kurz danach schon wieder einer, wieder mitten auf dem Weg. Mein geduldiger Runner Up ließ mich auch diesen fotografieren und retten und noch drei weitere, denen wir im Laufe des Tages begegneten. Ich war total begeistert, diese kleinen Kerle gefallen mir so sehr! Von den anderen Hikern, mit denen wir gesprochen haben, hat keiner diese kleinen Molche gesehen – ich hoffe, sie haben auch keine zertreten! Beim vierten Molch dachten wir erst, er wäre schon leicht lädiert, aber er hatte nur komisch da gesessen und als ich ihn aus der Gefahrenzone räumen wollte, hat er sogar die Flucht ergriffen.

Trotz all der kleinen orangen Kerle waren wir sehr schnell und schon um kurz vor drei an der Straße nach Bland. Nach einem kurzen Versuch, zu trampen, beschlossen wir, doch die zehn Dollar in den Shuttle zu investieren. Durchnässt wie wir waren, wollten wir nicht zu lange dem kalten Wind ausgesetzt sein. Bubba war schneller da, als erwartet und wir waren endlich im trockenen Motel. Dieses Motel hier ist endlich mal wieder schön und sauber. Yooper und Big Red kamen erst nach uns an, sie hatten noch das Frühstück von der Kirche mitgenommen, sonst wären sie wohl vor uns da gewesen. Wir haben alle zusammen beim Burgerladen gegenüber zu Abend gegessen. Das Hotel ist wieder voller Hiker – ich frag mich, wovon die hier leben, wenn die Thru-Hiker alle durch sind. Je nachdem, wie das Wetter morgen ist, werden wir entscheiden, ob wir rausgehen und wenn ja, wie weit. Wir wollen beide nicht so nass wie wir heute waren im Zelt schlafen müssen.

4 Kommentare zu “Ganz schön nass! – Jenkins Shelter nach Bland (mi 587,1)

  1. Hallo Ihr zwei, schoen von euch zu hoeren. Ihr habt Regen und wir sitzen im tiefen Sand der Namibwuestenhitze. Liebe Gruesse eure Reisepudel.

    • Schön, von euch zu hören! Wir könnten hier ein bisschen Trockenheit gebrauchen – der Weg war heute größtenteils ein fröhlich plätschernder Bach bis reißender Strom, durchsetzt mit kleinen Wasserfällen…

  2. Eine Frage: Warum kommen die Logs eigentlich immer gestaffelt hochgeladen?

    • Weil wir unterwegs die Einträge auf unseren Telefonen als Notizen schreiben und sobald wir ein W-LAN haben alles hochladen. Wir haben nur unsere deutschen Telefone dabei und nutzen wegen der irrsinnigen Roaminggebühren vor allem die offenen Netzwerke in Motels und Restaurants…

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