5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Es geht noch nasser – Bryant Ridge Shelter nach Thunder Hill Shelter (mi 765,7)

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Heute Nacht gab es nur heftigen Regen, kein Gewitter. Trotzdem waren wir alle froh, im Shelter zu liegen, vor allem in diesem schönen. Morgens sah es wieder mal so aus als würde es immer noch regnen, weil es immer noch von den Bäumen tropfte und ganz dunstig war. Entsprechend unmotiviert waren wir morgens aufzustehen.

Trotzdem waren wir alle gegen kurz nach sieben auf den Beinen. Die Mäuse hatten unsere Sachen in Ruhe gelassen und unsere Zelte waren trocken, wenn auch immer noch dreckig. Wir alle fingen an, Galgenhumor wegen des Wetters zu entwickeln und wirre Pläne zu machen, wie wir noch länger in dem schönen Shelter bleiben könnten. Gegen kurz nach neun waren wir endlich alle bereit aufzubrechen, mit der Hoffnung, heute wieder gut 20 Meilen machen zu können, um so nah wie möglich an Glasgow heranzukommen.

Der Anstieg des Tages war weniger schlimm, als wir uns das vorgestellt hatten. Zumindest von der Steigung her. Allerdings wurden aus dem Getröpfel von den Blättern und dem dünnen Nebel richtiger Regen und Nebel. Ziemlich schnell zogen wir dann doch unsere Regenjacken an.

Als wir beim ersten Shelter nach fünf Meilen ankamen, war es noch nicht mal zwölf Uhr. Wir waren trotzdem schon nass bis auf die Haut. Im Shelter lag Pom, ein Engländer, der keine Lust hatte bei diesem Wetter zu wandern. Wir konnten das total nachvollziehen und ärgerten uns ein bisschen, dass wir unser schönes Shelter von heute Nacht verlassen hatten und jetzt nass uns frierend da standen, während er warm und trocken in seinem Schlafsack lag. Zum Aufwärmen schlupften wir in unsere Fleecepullis.

Keiner hatte mehr Lust, die 20 Meilen zu machen. Bei so feuchtem Wetter geht das nur auf die Füße und macht Blasen und Hot Spots. Das hatte wenigstens den Vorteil, dass wir gleich unser Mittagessen vernichten konnten. Und noch ein paar Snacks dazu. Wir hatten uns schon auf eine längere Pause eingestellt, als ein weiterer Hiker ankam. Er wollte genau wie wir weiter zum nächsten Shelter und sagte, es seien noch ein paar weitere Wanderer hinter ihm unterwegs. Damit hatten wir nicht gerechnet, wir dachten, die seien alle bei den Trail Days. Wir sahen unsere Chance auf einen Platz in dem Sechser-Shelter dahinschwinden. Also packten wir hektisch unser Zeug zusammen, zogen wieder unsere Regenklamotten an und machten uns auf den Weg zum fünf Meilen entfernten nächsten Shelter. Wir wollten wenigstens sicherstellen, dass wir es morgen auch bei schlimmen Wetter nach Glasgow schaffen könnten, sonst hätten wir auch im ersten Shelter bleiben können.

Der Regen wurde immer heftiger, es fühlte sich wirklich an wie eine von diesen Dschungelduschen. So schlechtes Wetter schlägt einem auf die Dauer ganz schön aufs Gemüt. Der Weg war zum Glück nicht schwierig und es gab auch nur wenig zu sehen. Bei so einem Wetter bleiben sogar die orangen Molche lieber drinnen! Als wir endlich am Shelter ankamen, war nur der eine Hiker da, den wir vorher schon getroffen hatten. Genug Platz für uns alle! Also lagen wir alle im kurz nach drei in unseren trockenen Wechselklamotten in unseren Schlafsäcken. Ich werd meine lange Unterhose diesen Sommer wohl in meinem Rucksack behalten!

Freundlicherweise war die Quelle vor dem Shelter heute voller Wasser, auch wenn in beiden Guides und auch am Shelter stand, dass man sich nicht darauf verlassen könne. Andernfalls hätten wir aber auch nicht die vollen 0,3 Meilen bis zur letzten offiziellen Wasserstelle zurückgehen brauchen. Dank des anhaltenden Regens hatte der Trail zwischen der Straße und dem Shelter sich wieder mal in einen munteren Bach mit kleinen Wasserfällen verwandelt. Ich hab schon schlechtere Wasserstellen gesehen als unseren Trail.

Wenigstens konnten wir alle heute viel schlafen und essen. Der Regen prasselt unentwegt weiter aufs Blechdach und dieser Nebel legt sich auf alles, was bisher noch trocken war. Ich hatte wieder Pfützen in den Taschen meiner Regenjacke obwohl ich den Reißverschluss diesmal geschlossen hatte. Das nervt. Später sind inoch Trip und JD zu uns gestoßen, jetzt ist die Mannschaft wieder komplett. Morgen werden wir nicht nach Glasgow fahren sondern nach Buens Vista, da es in Glasgow nur die Möglichkeit gibt, draußen zu schlafen, wie wir gerade entdeckt haben. Komischerweise haben wir alle keine Lust darauf.

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