5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die fünf Plagen des AT 2013 – Warwick Turnpike nach Wildcat Shelter (mi 1369,7)

3 Kommentare

Heute durften wir bis sieben Uhr ausschlafen. Dann ging es rüber in die Lobby zum frühstücken. Der Hotelbesitzer ist wirklich liebenswert, sehr interessiert an seinen Gästen und deren Leben und hat sich von Booboo erklären lassen, wie er ein Gästebuch für Hiker anlegen kann. Wir vier waren die ersten, die die Ehre hatten, sich eintragen zu dürfen. Die Frühstücksbagel waren mit Abstand die besten, die wir hier auf dem Trail soweit bekommen haben und der Cream Cheese kam aus der großen Packung und wir durften nehmen soviel wir wollten.

Nach dem Frühstück brachte er uns in seinem Auto zurück zum Trailhead, wirklich sehr liebenswert. Er versuchte mehrfach, uns davon zu überzeugen, doch noch eine weitere Nacht in seinem Motel zu verbringen. Das war wirklich verführerisch, allerdings hätten wir dann heute den Tag abkürzen und morgen ein paar Meilen draufpacken müssen und das geht bei der Hitze einfach nicht.

Wir waren erst um neun im Wald und es war schon ganz schön heiß. Booboo und K-Fox hatten uns beim Gruselgeschichten über unseren heutigen Wegabschnitt erzählt aber wir waren trotzdem zuversichtlich, dass das ein guter Tag werden würde. In unserer ersten Pause, nach ca. drei Meilen, kam plötzlich ein Wanderer des Wegs der einen urbayerisch aussehenden Hut trug. Auf unser „Hello!“ antwortete er mit einem fröhlichen „Servus!“. Es war Rolling „R“ von hatschthetrail.wordpress.com. Wir wanderten ein Stück des Weges gemeinsam und tauschten Neuigkeiten über andere Deutsche auf dem Trail aus. Es ist ziemlich heftig, wieviele von uns hier sind, Rolling „R“ meinte es seien wohl hundert Deutsche dieses Jahr.

Kurz nach der Pause überschritten wir zum letzten Mal die Grenze zwischen New Jersey und New York. Damit haben wir acht Staaten abgeschlossen und sind jetzt im neunten, danach kommen noch fünf weitere. Manchmal vergeht die Zeit ganz schön schnell hier, wir sind doch gerade erst nach New Jersey gekommen! Kurz nach der Stateline ging es auf den Prospect Rock. Hier stand im Guide, dass man dort im Osten den Greenwood Lake sehen könne. K-Fox und Booboo hatten uns gesagt, dass wir heute und die nächsten Tage wann immer wir Ausblicke nach Osten hätten, Ausschau nach der Skyline von New York City halten sollten. Und tatsächlich, wir konnten Manhattan sehen. Mit dem bloßen Auge erkannten wir nur, dass da was war. Dank Rolling „R“s Kameraobjektiv konnten wir tatsächlich einzelne Gebäude erkennen. Darauf hatten wir uns schon die gesamte Wanderung über gefreut!

Es folgten ein paar spaßige Kletterpartien über sich plötzlich auftürmende Felsgrate. Das war also das, wovor Booboo und K-Fox uns gewarnt hatten. An einigen Stellen war es ziemlich anspruchsvoll, vor allem auch, weil die Trailführung nicht unbedingt der einfacheren Strecke entsprach. An einer Stelle hatte ich mich dann so verfranst, dass ich auf einem von vielen Schuhe glattpolierten Felsen saß und mit Rucksack ungern weder vor noch zurück wollte. Zum Glück waren genug Leute da, ihn mir abzunehmen und ich konnte dann wieder mit Rucksack den einfacheren Weg nehmen.

An der schwierigsten Stelle hatten sie für dieses Jahr eine Leiter aufgestellt. Wir alle folgten ihr, bis auf Big Red, der beschloss dem alten Weg ohne Leiter zu folgen. Gespannt verfolgten wir seinen senkrechten Aufstieg in der Felsspalte. Er hat sich echt gut geschlagen und Runner Up hat alles gefilmt – „zur Sicherheit, falls was schief geht kann man das immer gut für die Versicherung brauchen“. Zum Glück ist alles gut gegangen!

Nach einigem weiteren Gekraxel und einer langen Passage auf einem Felsgrat unter freiem Himmel in der prallen Sonne kamen wir endlich runter zur Straße nach Bellvale. Wir alle waren gut aufgeheizt und hatten einige Stops gebraucht, um etwas abzukühlen. Wir hatten uns hierher gequält, aber jetzt gab es die Belohnung: Hot Dogs, Softdrinks und Chips vom Hot Dog Stand direkt am Trail als Wegzehrung für die Strecke zum Eisladen, von dem in letzter Zeit alle gesprochen hatten. Er scheint eine allgemeine Attraktion zu sein, die meiste Zeit reichte die Schlange bis nach draußen. Das Eis war wirklich köstlich und die Auswahl auch echt gut. Hier verbrachten wir dann gut zwei Stunden im Schatten, um der großen Hitze auszuweichen.in dieser Zeit kamen echt viele Hiker vorbei, fast alle wollten wie wir danach zum Shelter nach der Straße.

Anscheinend gibt es wirklich die berüchtigte Blase und wie es aussieht sind wir jetzt mitten drin. Hier stehen zehn Zelte und drei Leute schlafen im Shelter – Wahnsinn, soviele Thru-Hiker haben wir die ganzen letzten Wochen nicht gesehen. Am Shelter gab es noch Trail Magic, davon gibt es morgen noch mehr, hat er uns versprochen. Ich freu mich schon! Ahso, tagsüber hatten wir 35 Grad Celsius, abends um neun waren es immer noch gute 27!!

Dieses Shelter ist ähnlich mückenverseucht wie das Brink Road Shelter – inzwischen ist das aber kein Gesprächsthema mehr. Yooper spricht von den Plagen des AT 2013: zuerst die außergewöhnliche Kälte, darauf folgend ungewöhnlich viele und starke Niederschläge, jetzt unüblich krasse Hitze. All dies scheint ideal für Zecken und Moskitos zu sein, von denen gibt es nämlich auch mehr als normal. Damit hätten wir schon fünf Plagen, im alten Ägypten gab es davon sieben…

3 Kommentare zu “Die fünf Plagen des AT 2013 – Warwick Turnpike nach Wildcat Shelter (mi 1369,7)

  1. Hallo Thru-Hyker,
    Ich bewundere Euch alle sehr, ihr schafft das sicher. Veronika du könntest doch deine Socken an deinem Rucksack lüfden, so wie Frank die Nase gerümpft hat vor zwei Monaten, könnte das eventuell denn Mücken auch zusetzen. Stell dir vor, die halten sich mit einem Bein die Nase zu und fliegen nur noch im Kreis..

    Bis bald

  2. Mann mann mann.. 🙂

    Hi Veronika Hi Frank! Ich wünsch euch viel „glück“ das ihr euch nicht verletzt und das ihr nicht anderweitig aufgeben müßt..

    Ich würde mich freuen, wenn ihr euch mal bei mir melden könntet sobald ihr weider in Deutschland seit… Denn der AT is auch ein großer Traum von mir, nur ich weiß nicht wie ich an das Projekt herangeghen soll…
    Da ihr dann ja euren Traum erfüllt habt, wisst ihr genau was frustig ist, was man sich zu blumig vorstellt … Wo die gefahren liegen, etc etc .

    Würde mich freunen wenn ihr euch meldet..

    Gruß aus Bielefeld

    Axel

    Axelniesen@unitybox.de

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