5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Die letzte Zikade – Bear Mountain Bridge nach Campsite bei Dennytown Road (mi 1413,9)

3 Kommentare

Die Nacht war natürlich wie immer zu kurz gewesen aber da der Besitzer des Motels uns um sieben zurück zum Trail bringen wollte, sind wir diszipliniert aufgestanden als um sechs der Wecker geklingelt hat. Wir waren alle höchst unmotiviert für mindestens vier Tage wieder in die Wildnis aufzubrechen. Bei den derzeitigen Bedingungen sind die Errungenschaften der Zivilisation besonders wertvoll – ich hätte nie gedacht, dass ich mal so ein großer Fan von Klimaanlagen werde!

Morgens um viertel nach sieben hatten wir hier schon Temperaturen von 25 (!) Grad Celsius. Das versprach entgegen der Vorhersage ein heißer Tag zu werden. Zunächst ging es entlang des Highways über die Bear Mountain Bridge. Die sieht ein bisschen so aus wie die Golden Gate Bridge in San Francisco, nur in grau. Danach ging es steil nach oben auf den Bergrücken dahinter. Der Aufstieg hatte es an sich echt in sich und wäre normal bei diesen Temperaturen ziemlich grenzwertig gewesen. Aber heute waren Frank und ich gedopt: wir haben den Tipp bekommen, morgens ein Aspirin zu schlucken, um das Blut zu verdünnen damit das Herz sich nicht so anstrengen muss beim Pumpen. Der Effekt war beeindruckend. Vorher pumpte unser Herz wie ein Schiffsmotor mit diesem schweren Treibstoff, jetzt fühlt es sich im Vergleich dazu an wie einer dieser fast geräuschlosen Elektromotoren.

Wir kamen heute also deutlich besser voran, vor allem auch, weil die Temperaturen nicht mehr so krass gestiegen sind – dreißig Grad fühlen sich inzwischen recht erfrischend an. Zum Mittagessen stoppten wir beim Appalachian Market, einer Art Autobahnraststätte. Hier hätten wir genauso gut unsere Vorräte aufstocken können wie gestern in Fort Montgomery. Wäre wahrscheinlich nicht mal viel teurer gewesen. Das beste waren das lecker Zitroneneis, das sie da hatten und die Getränke. Das frische Essen sah auch gut aus, aber da es noch recht früh war aßen wir alle bestenfalls Obst und Sandwiches.

Mit der Hitze kann man echt nicht viel essen. Wir schleppen schon seit zwei Wochen zwei Abendessen mit uns rum, die wir nie gegessen haben. Zum Teil lag es daran, dass wir in der Stadt waren und dann lieber frisch gegessen haben, auf dem Trail hatten wir einfach keine Lust darauf. Wir waren abends immer zu kaputt um noch zu kochen und da wir tagsüber unsere Snacks kaum angerührt hatten, konnten wir sie stattdessen essen.

Es geht nicht nur uns so. Alle sind im Moment völlig fertig von der Hitze, können nicht mehr genug essen und brauchen extrem viel Schlaf. Erfahrene Wanderer wie Steady, der den Pacific Crest Trail und den Continental Divide Trail bereits als Thru-Hike gemacht hat, denken ans Aufgeben. Viele flüchten in den Norden und wollen das Ganze jetzt als Flip-Flop zum Abschluss bringen. Allerdings ist es im Norden gerade auch nicht viel kühler und dort ist jetzt Blackfly-Season. Die sind wohl noch schlimmer als die Moskitos hier. In den letzten Tagen hören wir ständig neue Namen von Leuten, die das Handtuch schmeißen mussten. Wir sind froh, dass wir Yooper und Big Red haben – die motivieren uns, am Ball zu bleiben. Und der Gedanke an die White Mountains, dort waren die Höchsttemperaturen heute etwas über zehn Grad auf Mount Washington.

Heute war der erste Tag seit langem, am dem wir relativ gut vorangekommen sind. Es war nicht so abartig heiß wie die letzten Tage, so dass wir mittags gut durchlaufen konnten. Außerdem wurden uns heute freundlicherweise mal keine Kletteraktionen abverlangt, die uns zwar Spaß machen, sich allerdings negativ auf unsere Geschwindigkeit auswirken. Trotz 14,5 Meilen, die wir heute gelaufen sind, waren wir schon um vier unten an der Straße zur Campsite.

Wir nutzten die Zeit, um unser neues Zelt das erste Mal aufzustellen. Um kurz nach halb sieben hatten wir gegessen, heute hatten wir sogar das erste Mal seit langem wieder gekocht, Zähne geputzt und unsere Essenssäcke aufgehängt. Ich hatte sogar noch Zeit gehabt, Fotos von einer noch lebenden Zikade zu schießen. Seit Tagen hatte ich nur noch tote Artgenossen gesehen und die hier wirkte auch schon ganz schwach. Armes Ding!

Yooper und Big Red sind in das nächste Medical Center gefahren. Yooper hat einen Ausschlag an sich entdeckt, der Wanderröte sein könnte. Die gilt als Zeichen für Borreliose, sowas möchte man lieber schnell geklärt haben. Wir liegen in unserem neuen Zelt und warten auf ihre Rückkehr. Unser neues Zelt ist echt toll – wir haben soviel Platz!

3 Kommentare zu “Die letzte Zikade – Bear Mountain Bridge nach Campsite bei Dennytown Road (mi 1413,9)

  1. das erste Mal seit langen wieder Zähne geputzt 😉

  2. falls ihr die Möglichkeit habt, ladet euch die/das (?) pdf runter : http://www.achtung-statistik.de/2013/07/von-zikaden-und-primzahlen/ erst in 17 Jahren also , kann man wieder so viele Zikadenbilder machen, auf jeden Fall vorausgesetzt, dass ihr die Art beobachtet, die hier beschrieben ist …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s