5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Auf und ab – Cheshire nach MA 2, Williamstown (mi 1589,3)

Ein Kommentar

Nach einer guten Nacht im Haus von Tom gab es Bagels, Donuts, Kuchen, diverse Aufstriche und Kaffee zum Frühstück. In der Küche trafen wir zu unserer Überraschung Shrek. Wir dachten ja, er sei weit voraus, aber anscheinend hatte ihm jemand spontan einen Kurzzeitjob als Helfer auf einer Farm angeboten, so dass er plötzlich wieder hinter uns war.

Um halb acht sind wir Richtung Cheshire aufgebrochen. Dort haben wir uns von Tom, der uns wieder gefahren hatte, verabschiedet und dann als erstes unsere alten Schlafsäcke zurück nach Deutschland geschickt bevor es hinaus in den Regen ging. Das erste Mal mit unseren neuen Rucksäcken und den schönen Regenhüllen in ihren leuchtenden Farben!

Allerdings war der Regen gar nicht so schlimm und hörte bald ganz auf, so dass das noch kein richtiger Belastungstest war. Immerhin war ein deutlicher Unterschied in der Größe im Vergleich zum alten Rucksack erkennbar – Frank sah aus, als hätte er eine kleine Schultasche auf. Bei mir sah der Rucksack nicht ganz so winzig aus, ich bin ja auch selber etwas kleiner.

An einer der Straßen stand eine der berühmten Kühltaschen mit Bier drin. Es war zwar noch etwas früh aber wir beschlossen, dass wir das nicht ablehnen konnten, es war ja Trail Magic. Der Aufstieg zu Mount Greylock war weit weniger schlimm als befürchtet und wir waren schon um halb eins oben an der Lodge, wo wir mit Yooper und Big Red zu Mittag essen wollten. Es regnete zwar nicht mehr, aber wir befanden uns die ganze Zeit in den Wolken, so dass es ziemlich frisch war. In den Pausen zogen wir uns sogar die Regenjacken an zum Schutz gegen die Kälte.

Umso willkommener war es, dass wir in der Lodge drinnen essen konnten. Das Essen war echt lecker, drinnen war es gemütlich und draußen sah es recht grausig aus. Außerdem hatten wir Zugang zu W-Lan und spielten ausführlich mit unserer Planung für die nächsten Tage – also hatte keiner Lust, aufzubrechen, auch wenn Big Red mehrfach warnte, dass es spät würde. Irgendwann rappelten wir uns dann doch auf und gegen halb vier waren wir wieder unterwegs.

Beim Rausgehen hatten sich die Wolken kurzzeitig etwas verzogen, so dass wir zu unserer Überraschung den Turm auf Mount Greylock nur ca. fünfzig Meter neben der Lodge aufragen sahen. Auf dem Weg zurück zum Trail kamen wir am Thunderbolt Shelter vorbei, einem alten Ski-Shelter mit Kamin, das heute aber leider nicht mehr zur Übernachtung genutzt werden darf. Genau davor auf dem Trail bekam ich dann die Ahnung, dass der Abstieg schwieriger werden würde als der als der Aufstieg. Ich setzte meinen Fuß auf einen Fels, der wollte nicht dort stehen bleiben, verselbstständigte sich, rutschte nach unten und ehe ich mich versah, saß ich auf meinen vier Buchstaben. Nach einem kurzen Schreck und nachdem geklärt war, dass an mir alles ganz war, galt meine erste Sorge dem neuen Rucksack und der Regenhülle – beides war noch wie neu, also konnte es weiter gehen.

Da wir beide jetzt etwas ängstlich waren und uns nur noch extrem vorsichtig bewegten, brauchten wir ewig für den Rest des Abstiegs. Außerdem rutschten wir beide je noch einmal aus und fielen gefühlt in Zeitlupe hin, es ist uns aber beide Male nix passiert. Yooper und Big Red ging es auch nicht besser, es war echt anstrengend. Wahrscheinlich unser schwierigster Abstieg bisher, da die Felsen alle vom Regen sehr rutschig waren und die Steinstufen in einem ungünstigen, das Rutschen verstärkenden, Winkel nach unten gesetzt waren.

Als wir endlich unten waren ging es dann viel schneller vorwärts, ohne Schwierigkeiten sausten wir durch die Matschpfützen und waren bald an der Straße unten. Wir probierten zuerst zu trampen. Nachdem wir das eine Viertelstunde lang versucht hatten, riefen wir doch beim Hotel an, ob sie uns nicht doch auch abholen könnten, da wir ja schließlich zwei Zimmer hätten. Kaum hatten wir die Zusage, hielt auch schon endlich ein Auto. Eine Frau, die eigentlich in der Gegenrichtung unterwegs war, hatte extra für uns umgedreht. Ihrer Tochter hätten auch so viele Menschen geholfen, als sie damals in der Welt unterwegs war und sie wolle das zurückgeben. Wir riefen also be Hotel an, dass sie nicht zu kommen brauchten und quetschten uns mit unseren Rucksäcken in ihr kleines Auto. Gut, dass Frank und ich so kleine Rucksäcke haben! Und vielen herzlichen Dank an diese liebe Frau für’s Mitnehmen!

Das Motel ist sehr schön und die Besitzer sind echt nett. Anscheinend gehört das indische Restaurant vor Ort jemandem aus ihrer Familie, man bekommt zehn Prozent Preisnachlass, wenn man angibt, dass man im Williamstown Motel ist. Außerdem half mir der Besitzer bei der Bestellung, weil es Schwierigkeiten gab, da der Angestellte am Telefon nicht wusste, dass sie ab 25$ Bestellwert auch liefern. Außerdem haben wir uns dann mit Big Red und ihm noch echt gut über Inder im Allgemeinen und in den USA unterhalten – ein echt netter Kerl. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben.

Ein Kommentar zu “Auf und ab – Cheshire nach MA 2, Williamstown (mi 1589,3)

  1. Ihr habt wirklich Glück, dass euch bei dem Sturz nichts passiert ist. Ich bin vor 10 Tagen in Wales nach dem Wandern auf der geraden Strecke zum Auto gestürzt –> Bändereinriss inkl. walisisch beschrifteten Krankenhaus! Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin von Verletzungen so gut verschont bleibt!

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