5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Kleiner Zwischenstopp – Galehead Hut nach Crawford Notch (mi 1840,5)

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Es war doch schwieriger als gestern beim kurzen Mittagsschlaf über Nacht zu zweit eine angenehme Position zu finden, in der man es bis zum Morgen aushalten konnte. Trotzdem fühlten wir uns dank des Mittagsschlafs gestern echt gut erholt heute morgen. Und um das ganze perfekt zu machen, gab es noch ein ordentliches Frühstück.

Eine etwas unfeine Geste war, dass die Hüttencrew die beiden Teller, die gestern nicht benutzt worden waren, einfach weggeräumt hatte, so dass wir vier uns wieder je einen Teller teilen mussten anstatt dass jeder seinen eigenen haben durfte. Zwei Gäste waren anscheinend nicht gekommen – wie die anderen uns erzählt haben, waren auch ihre Betten leer geblieben. Ich bin immer noch ziemlich entsetzt von dem Verhalten von diesen Mädels dort. Frank wollte mich deswegen auch keinen saftigen Kommentar ins Hüttenbuch schreiben lassen sondern hat das lieber selbst übernommen.

Um viertel nach acht ging es los, raus in die graue, feuchte und wolkenverhangene Welt. Wir waren aber gut aufgewärmt und mit ordentlichem Frühstück im Bauch unterwegs, so dass uns weder Kälte noch Nässe sonderlich beunruhigten. Der Aufstieg hoch zu South Twin Mountain war wieder mit einiger Kletterei verbunden aber trotz der glitschignassen Felsen fühlten wir uns recht sicher und kamen gefühlt ganz gut voran. Zumindest waren wir nicht langsamer als erwartet. Oben am Gipfel wurde es dann deutlich flacher und es waren nur noch wenige Kletterpassagen. Wir legten deutlich an Tempo zu und erreichten die Hütte früher als erhofft. Vielleicht lag das auch daran, dass wir ab der Abzweigung zum Guyot Shelter mit M80 und Trooper und vor allem Willow unterwegs waren. Willow ist ihr Hund und ein besserer Hiker als wir alle zusammen. Sie nimmt diese ganzen Felsen mit faszinierender Leichtigkeit.

Bei der Zealand Falls Hut angekommen aßen wir dort zu Mittag und warteten auf Yooper und Big Red. Nachdem die beiden auch gegessen hatten, wollten wir nun zu siebt aufbrechen, als plötzlich von hinten Shweasle ankam. Wir freuten uns alle über das Wiedersehen und er schloss sich uns sofort freudig an. Irgendwie scheint er einen guten Einfluss auf uns zu haben, wir flogen plötzlich nur noch so dahin. Naja, der Trail war auch außergewöhnlich angenehm, ganz ohne Klettern und mit vernünftiger Steigung. Mit fast drei Meilen pro Stunde ging es zu acht dahin. Shweasle wollte eigentlich beim Ethan Pond Shelter bleiben aber dann beschloss er doch, mit uns bis zum Campground an der Straße mitzukommen.

Unten vom Trailhead waren es noch 1,8 Meilen außerhalb des Trails zum Campground, die wir natürlich nicht unbedingt laufen wollten. Auf den letzten Metern runter zur Straße hatten wir eine Familie getroffen, mit denen wir kurz geredet hatten. Als sie an uns mit unseren ausgestreckten Daumen vorbeikamen, hielten sie kurz an und erkundigten sich, ob alles in Ordnung sei. Da sie schon ziemlich vollgeladen waren und wir ja auch so viele waren, bedankten wir uns für die angebotene Hilfe und wünschten ihnen einen schönen Tag. Sie fuhren weiter, aber nicht weit: als wir um die nächste Ecke bogen, stand dort ihr Auto. Der Vater hatte kurzerhand Frau und Kinder ausgeladen, um uns in zwei Fuhren zum Campingplatz bringen zu können! Trooper, Yooper, Shweasle, Big Red und ich führen mit der ersten Fuhre, M80, Willow und Frank mit Frau und Kindern in der zweiten. Das war wirklich außergewöhnlich nett, vor allem, weil die Leute aus der zweiten Ladung nass geregnet wurden während sie auf das Auto warteten.

Wir aus dem ersten Schwung wurden vom Aufseher des Campingplatzes empfangen, der uns in seinem Büro im Trockenen sitzen ließ und uns die besten Zeltplätze gab. Außerdem shuttelte er danach Big Red, Shweasle, Runner Up und mich kostenlos zum Campstore. Im Campstore erlebten wir allerdings eine böse Überraschung. Das Personal war uns gegenüber sehr unfreundlich und die Preise waren völlig überteuert. Clif-Bars kosteten dort mehr als oben in den Hütten!! Wir mussten trotzdem einkaufen, man weiß ja nie, was die nächsten Tage so kommt.

Zurück beim Büro des Campgrounds waren all unsere Sachen verschwunden. Yooper, M80 und Trooper hatten angefangen, unsere Zelte aufzubauen, da sich am Horizont dunkle Gewitterwolken auftürmten und der Wind immer heftiger blies. Kaum dass die Zelte standen, verzogen sich die Wolken, nur der Wind rüttelte weiterhin heftig an unseren Behausungen. M80 und Trooper haben dasselbe Zelt wie wir vier, so dass unser Zeltplatz aussah wie eine Werbung für Big Agnes.

Aufgrund des Windes und des netten Aufsehers wagten wir es, unser Abendessen vor dem Duschbereich zu kochen und zu essen, wo wir zwar im kalten, aber windgeschützt saßen. Die Leute guckten zwar teilweise etwas irritiert, überwiegend schlugen uns aber Begeisterung und Bewunderung entgegen dafür, dass wir Thru-Hiker sind.

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