5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Klettererlebnisse – Crawford Notch nach Lakes of the Clouds Hut (mi 1851,7)

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Der Wind hat unser Zelt heute Nacht nicht weggeblasen, dafür aber die Schlechtwetterwolken mit sich hinfort genommen und heute morgen sah es nach einem richtig schönen Tag aus der sich da anbahnte. Alle waren gut gelaunt beim Aufstehen auch wenn es angeblich recht schwer gewesen war, mich wach zu bekommen. Trooper, M80, Willow und Shweasle waren lange vor uns fertig und trampten ohne uns los.

Eine halbe Stunde später taten wir es ihnen nach. Wir müssen ziemlich überzeugend ausgesehen haben, alle vier hintereinander mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht – die Frau, die uns schließlich mitnahm, war schon vorbeigefahren, als sie ein schlechtes Gewissen bekam, weil wir so nett aussahen und umdrehte. Wir waren sehr dankbar und hüpften in ihr Auto. Auf dem Parkplatz angekommen ging unsere gute Welle weiter. Frank entdeckte einen Karton voller Mountain-House-Meals – das ist das leckere, gefriergetrocknete Essen, das wir uns selbst nie kaufen, weil es zu teuer ist. Es kostet ungefähr siebenmal soviel wie unser Kartoffelbrei oder unsere Rice-/Pasta-Sides, hat nicht viel mehr Kalorien und wiegt genauso viel. Es schmeckt halt nur viel besser, also nahmen wir jeder eines mit, Extra-Essen können wir immer gebrauchen.

Den steilsten Teil des Tages hatten wir laut Profil bis zu den Webster Cliffs vor uns. Als wir oben ankamen wurden wir mit einem großartigen Blick auf die umliegenden Berge belohnt. Und gleich danach mit einigen plötzlich auftauchenden Kletterpassagen überrascht. Ich schlug mich ungewohnt gut und wir waren schneller als erwartet bei der Mizpah Hut. Schon unterwegs waren wir Unmengen von Thru-Hikern begegnet, die alle so wie wir zu Lakes of the Clouds wollten. An der Mizpah hat waren noch viel mehr und eine rasche Hochrechnung von Runner Up ergab, dass sich heute wohl zwanzig Leute um einen Platz in Lakes of the Clouds bemühen wollten.

Yooper und Big Red waren nach Aussagen anderer Wanderer relativ weit hinter uns. Wir aßen erst mal Suppe in der Hut und warteten auf die beiden. Nach einer Stunde in etwa beschlossen wir dann, doch weiterzuziehen, nicht ohne eine Nachricht im Hut-Log für die beiden zu hinterlassen. Gerade als wir unsere Rucksäcke aufsetzten, kamen die beiden an. Sie schienen ziemlich erschöpft zu sein und vor allem waren sie besorgt, dass sie es nicht mehr rechtzeitig zu Lakes of the Clouds schaffen würden, um dort noch unterzukommen. Wir hatten uns aber schon erkundigt und dort oben dürfen sie ab einer bestimmten Uhrzeit aus Sicherheitsgründen niemanden mehr zurückweisen. Trotzdem überlegten die beiden, in Mizpah zu bleiben.

Wir gingen also alleine weiter in der Hoffnung, noch ein „Work for Stay“ in der Hut zu bekommen. Der Weg war wunderschön, fast komplett über der Baumlinie und ganz ohne Klettern. Ich war aber immer noch im Klettermodus und mehr als einmal musste Frank mich darauf hinweisen, dass ich außerhalb des Trails meinen eigenen Pfad entlang lief.

Gegen viertel nach vier waren wir bei der Hut, eigentlich die perfekte Zeit um ein „work for stay“ zu bekommen. Alle anderen vor uns waren auch da, aber da einige keine morgendlichen Jobs verrichten wollten, hatten sie den Dungeon vorgezogen. Als wir ankamen, waren nicht mal mehr Aufgaben für morgens da, aber da sie uns dabehalten mussten, durfte Frank Bücher sortieren während ich draußen Müll einsammelte – beides echt angenehme Aufgaben.

Wir erfuhren, dass Yooper und Big Red tatsächlich bei der Mizpah Hut auf der Campsite geblieben waren. Das ist echt traurig, weil wir nicht wissen, ob sie uns einholen können – wir können nicht warten.

Die Hut hier ist wirklich schön gelegen, mit großartigem Blick auf den Sonnenuntergang. Nachdem die Gäste alle gegessen hatten, durften wir die ganzen Reste aufessen. Ich denke, alle sind satt geworden und das Essen hier war viel leckerer als in Galehead. Nach dem Essen wurden vier Thru-Hiker gebeten, über unsere Abenteuer zu berichten. Es war echt faszinierend zu sehen, wie begeistert und interessiert die Leute alle sind. Frank und ich wurden noch gebeten, Löffel zu spülen, dann ging es für alle ins Bett. Ich freu mich schon auf den Sonnenaufgang morgen – den kriegen wir wahrscheinlich zu sehen, weil wir schon um fünf den Esssaal , den wir jetzt als Schlafsaal benutzen, räumen müssen.

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