5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Ein letztes Mal in die Stadt – Horseshoe Canyon Lean-to nach Highway ME 15, Monson (mi 2071,4)

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Es hat noch die ganze Nacht durchgeregnet und teilweise so heftig, dass alle im Shelter davon aufgewacht sind, dass der Regen aufs Blechdach getrommelt hat. Morgens trommelte es immer noch aufs Dach, allerdings nur, wenn der Wind das Wasser von den Bäumen schüttelte.

Ansonsten war draußen alles schon wieder fleißig am Trocknen. Wo gestern der Trail noch selbst ein einziger Bach war, zeugten heute nur noch Pfützen und Bächlein von der gestrigen Sintflut. Und der reißende Strom vorm Shelter, der der Fluss war, den wir gestern durchwaten hatten müssen und der über Nacht anscheinend nochmal mächtig angeschwollen war.

Auch an dem zweiten Arm des Flusses, den man vor zwei Tagen noch trockenen Fußes überqueren konnte, war es nicht mehr möglich von Stein zu Stein zu hüpfen und wir mussten die Schuhe ausziehen, um ihn zu durchwaten. Allerdings erschien uns dies nach gestern heute geradezu als leichte Übung. Die Schuhe wurden nicht nass geregnet, das Wasser ging uns zwar bis zu den Knien, hatte aber keine starke Strömung und bei Sonnenschein macht sowas eh viel mehr Spaß.

Bis zum Fluss waren wir noch mit nur zwei Meilen pro Stunde unterwegs, danach dann auf dem schönen, relativ ebenen Trail etwas schneller, so dass wir es bis halb elf runter an die Straße nach Monson geschafft hatten. Dank Rainbow Dash hatten wir schon beim Lakeshore Hostel angerufen und ein Zimmer für uns reservieren lassen. Wir versuchten uns wieder mal im trampen und schon das vierte oder fünfte Auto nahm uns mit.

Im Hostel wurde unsere Ankunft mit großer Aufregung zur Kenntnis genommen. Wir hatten ja gestern keinerlei Möglichkeit gehabt, irgendjemanden über unsere Planänderung zu informieren und so hatten Yooper und Big Red die ganze Nacht noch ein Bett in ihrem Zimmer für uns freigehalten falls wir doch noch angekommen wären. Außerdem hatten sie ein Geburtstagsgeschenk für Frank dort gelassen. So manch einer hatte wohl schon den Glauben daran aufgegeben, dass wir noch lebten, da jemand sich schon eine der beiden Flaschen Mountain Dew gemopst hatte. Wir freuten uns trotzdem über die Reste. Yooper und Big Red sind heute morgen in die 100 Meilen Wildnis aufgebrochen, wir werden sie dann hoffentlich noch vor Katahdin einholen.

Unsere nächste Sorge galt Shweasle. Dieser war gestern nämlich in keinem der beiden örtlichen Hostels aufgetaucht und niemand schien etwas von ihm gehört zu haben. Sobald ich mit dem Internet verbunden war, schaute ich gleich mal bei Facebook und siehe da, Shweasle hatte sich gemeldet. Er war gestern beim durchwaten des zweiten Flusses ins Wasser gefallen und hatte dann nur noch zugesehen, dass er in die Stadt ins Trockene kommt. Da die beiden Hostels nur noch Platz im Bunkroom hatten, hatte er sich entschieden, etwas weiter nach Greenville ins Motel zu fahren um dort trocknen zu können. Er tat uns natürlich furchtbar leid – wäre das gestern einem von uns beiden passiert, wäre die Katastrophe so richtig da gewesen. Trotzdem konnte ich mir später ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ich erfuhr, dass er ins Wasser gefallen war, weil er versucht hatte, sich selbst bei dem Manöver zu filmen. Shweasle ist ja meistens viel tapferer als wir und so ist er heute mit seiner halbtrockenen Ausrüstung gleich wieder raus in die 100 Meilen Wildnis.

Wir genossen es erst mal, dass wir schon so früh in der Stadt waren und bei dem schönen Wetter nicht raus mussten. Nach dem Duschen gingen wir im Restaurant unter dem Hostel essen und während ich draußen das Wetter genoss, war Frank so lieb und holte unsere Essenspakete von der Post ab. Jetzt haben wir wieder für fünf Tage Essen und das beste ist, wir müssen es nicht alles schleppen. Beide Hostels hier bieten nämlich den großartigen Service an, einem eine Lieferung zu einem verabredeten Zeitpunkt an einen verabredeten Ort zu bringen. Es mag einem zwar etwas seltsam vorkommen, sich darauf zu verlassen, dass unser von uns befüllter Eimer mit all unseren Vorräten zum verabredeten Zeitpunkt am verabredeten Ort steht und niemand sich daran vergreift, aber ich denke, wir können darauf vertrauen. Außerdem wollen wir nicht soviel Essen mitschleppen müssen, schließlich wollen wir die 100 Meilen Wildnis in fünf Tagen schaffen.

Nachdem das mit unserem Essen alles organisiert war und wir zum Glück dank der Dropboxen nicht auf die örtliche Einkaufsmöglichkeit an der Tankstelle angewiesen waren, die schon von anderen Hikern geplündert worden war, gingen wir zu Shaw’s, um dort Brennalkohol zu kaufen. Wir waren beide ziemlich neugierig auf dieses Hostel, da es auch in der Dokumentation vorkommt und das Frühstück dort sehr gelobt wird. Das Hostel macht auch einen sehr guten Eindruck, morgen früh werden wir mal sehen, ob das Frühstück dort wirklich so gut ist.

Kaum hatten wir all unsere Besorgungen erledigt und waren zurück beim Lakeshore Hostel, als die dunklen Wolken, die inzwischen aufgezogen waren, sich öffneten und ein sintflutartiger Regen aus ihnen strömte. Dazu blitzte und donnerte es noch heftig vor sich hin. Wie gut, dass wir im Trockenen sitzen konnten! Shweasle tat uns besonders leid, er war ja gestern schon nass geworden und heute nun schon wieder. Aber auch allen anderen, die da jetzt draußen sein mussten, galt unser Mitgefühl.

Wenigstens regnete es nicht ununterbrochen durch, als wir zum Abendessen runter ins Restaurant gingen hatte es schon wieder aufgehört. Frank war sehr glücklich, da alle möglichen Mitwanderer dort versammelt waren und er mit ihnen seinen Geburtstag ein klein wenig feiern konnte. Morgen starten wir in die Wildnis, ich hoffe, wir werden durchgängig gutes Wetter haben, sonst wird es schwierig mit unserem straffen Zeitplan.

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