5millionenschritte

Appalachian Trail 2013 – so weit die Füße tragen

Zwischen den Welten – Abschied vom Trail

Ein Kommentar

Während wir gestern den Abend noch mit großem Eifer geschlemmt hatten war heute Morgen beim Frühstück eine ganz andere Stimmung. Keiner bestellte mehr das größtmögliche Frühstück wie sonst immer alle versuchten etwas Gesundes und weniger Reichhaltiges zu finden. Wir waren extra früh aufgestanden, um noch gemeinsam mit Handstand, Little Engine, Timber und Ambassador frühstücken zu können bevor sie alle zusammen vom Hostel zum Bus nach Medway geshuttelt würden.

Zurück beim Hostel waren wir erst Mal ganz allein. Der süße Geruch nach Thru-Hikern, der uns von unseren Rucksäcken auf der Terasse entgegenschlug, erinnerte uns daran, dass wir noch ein paar Dinge besorgen wollten, um wieder gesellschaftsfähig zu werden. Also beschlossen wir, auf dem Weg zum und nach dem Mittagessen einkaufen zu gehen. Als erstes brauchte ich eine neue Hose für den Flug. Meine Wanderhose hatte nämlich durch die viele Rutscherei Katahdin hinunter endgültig den Geist aufgegeben und ich brauchte dringend eine neue falls ich nicht in Shorts mit langer Unterhose drunter den Flug nach New York antreten wollte. Beim Secondhandladen bekam ich eine Jeans für drei Dollar – etwas kurz aber ansonsten gar nicht schlecht. Danach gab es Pizza für Frank und Pasta für mich in der örtlichen Pizzeria.

Schon auf dem Weg vom Secondhandladen zur Pizzeria fiel uns auf, dass es extrem warm war draußen. Nach dem Mittagessen war es noch heißer geworden und ich hatte wenig Lust, quer durch die Stadt auf der sonnenbeschienenen Straße zum Shoppingviertel zu gehen. Aber was sein muss, muss sein – die Hitze erinnerte uns nur umso klarer daran, dass wir dringend ein Deo brauchten. Und auf halbem Weg mussten wir feststellen, dass die Entfernungsangaben in Guide und von den Anwohnern wieder mal sehr optimistisch gewesen waren und dass es auch in der Stadt falsche Gipfel gibt. Beim Drogeriemarkt bekamen wir, was wir am dringendsten für unsere vollständige Rückkehr in die Zivilisation brauchten: Deo, Duschgel, Shampoo und Creme. Weil es so heiß war und ich sowieso kein großer Fan von meinen Crocs bin, wollte ich gerne Flip-Flops kaufen. Leider waren die im Drogeriemarkt schon aus dem Sortiment genommen, wir wurden weitergeschickt zum Dollarstore. Dort gab es auch keine Flip-Flops mehr aber den klugen Rat, doch mal im Drogeriemarkt oder beim Traktor-Shop nebenan vorbeizuschauen.

Da wir gerade aus dem Drogeriemarkt kamen, wollten wir dem Traktor-Shop eine Chance geben. Vor der Tür erwarteten uns jede Menge Rasenmäher-Traktoren. Das sah mir nicht so aus, als ob es da Flip-Flops gäbe, aber da ich albern drauf war, wollte ich trotzdem unbedingt rein. Zu meiner Überraschung gab es eine riesige Klamotten- und Schuhabteilung mit den großartigsten Klischeeklamotten und –accessoires. Wären wir auf der Suche nach Tarnhemden, Cowboyhüten und –stiefeln gewesen, wäre das hier unsere erste Anlaufstelle gewesen. Selbst Frank wollte sich das anschauen, das Zeug war zu gut. Es gab John Deere Babysöckchen mit kleinen Traktoren drauf, hier bekam man die berühmt-berüchtigten used-look Baseballkappen wahlweise mit Angelhaken oder Flaschenöffner im Schirm und für die Frau gab es Gummistiefel in der Form von Cowboystiefeln mit rosa Pferdchen drauf – leider (oder zum Glück?) nicht in meiner Größe. Bevor ich nachprüfen konnte, ob es die Cowboystiefel mit den rosa Pferdchen nicht doch in meiner Größe gäbe oder ob mir so ein Käppi mit Angelhaken gut stehen würde, wurde ich von Frank sanft aber doch mit einem Anflug von leichter Panik aus dem Laden und in den Supermarkt nebenan gezerrt. Naja, so bleibt mir noch was für unseren nächsten USA-Aufenthalt: eine Shoppingtour im Traktor-Shop.

Im Supermarkt wollten wir vor allem einfach noch ein letztes Mal all die Produkte sehen, die uns auf unserer Tour begleitet hatten und die wir wohl so schnell nicht mehr essen werden. Ich bekam zum Abschied noch eine Packung Reeses Peanutbutter-Cups und Sourpatch-Kids, Frank deckte sich ein letztes Mal mit Käsechips ein. Nach unserer Einkaufstour hatten wir natürlich überhaupt keine Lust, den langen Weg zurück in die Stadt zu laufen. Deshalb versuchten wir uns ein letztes Mal im Trampen und hatten Glück. Wir wurden von einem netten Ehepaar mitgenommen und direkt vor dem Hostel abgesetzt.

Noch aus dem Auto hatte ich Yooper erkannt und sprang so schnell wie möglich sobald das Auto hielt raus. Die beiden hatten uns schon geschrieben gehabt, dass sie wieder zurück auf den Trail gehen und am 12. oder 13. September auf Katahdin sein wollten. Und jetzt waren sie hier! Nach einer stürmischen Begrüßung tauschten wir Neuigkeiten aus. Yooper und Big Red waren kein bisschen überrascht, dass wir jetzt verlobt waren. Sie hatten den Southbounder getroffen, der mit uns den Berg runtergekommen war und ihnen erzählt hatte, dass ein deutsches Paar sich auf dem Berg verlobt hatte. Außerdem waren sie sich vorher schon sicher gewesen, dass Frank mir dort oben einen Antrag machen würde – Yooper sagte: „Ich wusste es! Als wir wieder raus sind in die Wildnis hab ich zu Big Red gesagt, dass er ihr einen Antrag machen wird und wir nicht dabei sein werden!!“. Die beiden wollen morgen trotz der schlechten Wettervorhersage mit Regen und vor allem Gewitter versuchen, Katahdin zu besteigen. Um dann von dort gleich nach Bangor zu kommen, wollten sie einen Wagen mieten und außerdem wollten sie uns nochmal sehen – dafür waren sie nach Millinocket gekommen.

Gerade rechtzeitig, um Frank bei der Summit Sundae Challenge beizustehen. Gestern hatten wir im Appalachian Trail Café diese Challenge entdeckt: 1 Banane, 14 Kugeln Eis (für jeden Bundesstaat eine), ein Riesendonut, ein Snickers, eine Hand voll M&Ms, ein Berg Sahne und zur Krönung des Ganzen ein paar Zuckerkirschen. Das ganze wird serviert in einer Riesenplastikschüssel, die man im Falle des Bestehens der Challenge zusammen mit einem T-Shirt und einem Eintrag auf der „Siegessäule“ im Café gewinnen kann. Im Gegensatz zur Half-Gallone-Challenge war mir das zu abenteuerlich und ich wollte nur moralischen Unterstützung liefern. Da die Zubereitung des Eisbechers einige Zeit in Anspruch nahm, mussten Yooper und Big Red leider zurück in Richtung Trail noch bevor Frank seine Aufgabe angehen konnte. Morgen werden wir die beiden in Bangor wiedertreffen und mit ihnen Hummer essen.

Why Not?! war mitgekommen, um Frank zuzusehen und sendete ein Foto von Frank mit seinem Rieseneisbecher an die anderen Hiker, die noch in der Stadt waren. Slim Jim mit seiner Frau und B-Line wollten sich das Spektakel natürlich nicht entgehen lassen und gesellten sich zu uns. Auch wenn Frank sich ziemlich quälte hatte die ganze Aktion so das Gute, dass wir alle nochmal zusammenkamen. Während Frank dann über eine Stunde mit den letzten vier Kugeln kämpfte, die mehr und mehr zu einer Suppe verschmolzen, bestellten wir anderen nach und nach erst auch Eis oder Milkshakes und dann unser Abendessen. Mit viel Mühe und Quälerei hatte Frank nach 2 Stunden und fünfzehn Minuten den Eisbecher bezwungen. Sobald er sich wieder bewegen konnte ohne Überlaufgefahr trug er sich auf der Siegessäule ein.

Kurz bevor wir uns nach vielen Stunden aus dem Appalachian Trail Café verabschieden wollten, tauchte Wanderlust auf. Wir waren sehr begeistert, weil wir ihn seit dem Tag nicht mehr gesehen hatten, an dem er, wie wir dachten, uns vorweg gerannt war. War er aber gar nicht, er war damals ins White House Landing Hostel gegangen, hatte heute Katahdin bestiegen und freute sich nun auch, uns noch einmal zu sehen bevor es für uns alle zurück in die Zivilisation gehen sollte.

Auf dem Weg zurück zum Hostel konnten wir schon das Gewitter in der Ferne sehen – gut, dass es jetzt knallt, dann wird es hoffentlich bis morgen früh vorbei sein, wenn die anderen auf Katahdin hoch wollen. Der Regen kam zu uns noch bevor wir ins Bett gehen wollten, also gingen wir nochmal raus, um die abgekühlte Luft genießen zu können. Morgen fahren wir von Medway nach Bangor, von dort fliegen wir übermorgen nach New York. Am Samstag Abend geht es zurück nach Deutschland, unser Abenteuer ist vorbei und ich kann es noch gar nicht wirklich glauben. Heute Nachmittag waren wir noch Hiker, die in Crocs durch die Stadt gelaufen und getrampt sind. Jetzt sind wir schon wieder fast zivilisierte Menschen, die nach einem heißen Tag in der Stadt den Geruch von Regen auf heißem Teer genießen.

Ein Kommentar zu “Zwischen den Welten – Abschied vom Trail

  1. http://de.nachrichten.yahoo.com/erfrischungsgetr%C3%A4nk-t%C3%B6tet-bienen-095057045.html

    hahahahaha das müsst ihr lesen!!! obwohl es jetzt auch schon zu spät sein könnte….

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